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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nagelbrand; Nägele; Nägeleinwurzel; Nagelfluh; Nägeli

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Nagelbrand - Nägeli.

her zwischen gepulvertem Blutstein ausgeglüht (um sie weich zu machen) und in einer rotierenden Tonne mit Sand gescheuert. Kupferne N. werden geschmiedet und zum Befestigen der Kupferbeschläge an Seeschiffen gebraucht (eiserne N. werden durch elektrische Wirkung schnell zerstört). Für Schiffsbeschläge aus Muntzmetall und für Schieferdächer benutzt man auch gegossene Bronzenägel. Zinknägel werden aus Stäbchen, die aus gewalzten Platten geschnitten sind, oder aus starkem Draht warm geschmiedet, in Nägeleisen mit Köpfen versehen und besonders bei Dachdeckungen mit Zinkblech gebraucht. Tapeziernägel, zum Beschlagen gepolsterter Möbel, besitzen halbkugelige, oft verzierte, unterwärts hohle Köpfe und werden teils im ganzen aus Messing gegossen und an den Köpfen abgedreht, mit Goldfirnis gefirnißt, mit Zinn weiß gesotten oder naß versilbert, teils auch durch Zusammenlöten von Kopf und Nagel erzeugt. Gegenwärtig wird Nagel und Kopf meist durch Prägung verbunden. Man hat auch Maschinen konstruiert, welche alle Operationen, wie das Ausstoßen der kleinen Metallköpfe aus Blech, das vorbereitende Prägen zu einer Art runder Näpfchen und die Anfertigung der kleinen eisernen N. mit glattem Schaft, Kopf und Spitze, gleichzeitig und selbstthätig verrichten und das Fabrikat in rohem Zustand fertig liefern. Der Eisendraht wird in Ringen und das Blech in Streifen der Maschine vorgelegt. N. mit gegossenen Köpfen bestehen aus einem geschmiedeten Schaft, über welchen ein großer messingener Kopf gegossen wird (Bildernägel). Hölzerne N. kommen als Döbel, Dippel, Dübbel (rund und etwas verjüngt zugeschnittene Holzstücke, die in vorgebohrte Löcher eingetrieben werden) und namentlich als hölzerne Schuhstifte vor. Über letztere s. Holzstifte.

Geschichtliches. N. aus Eisen, Bronze und Kupfer als verbindende Teile bei Bauwerken wurden bei allen alten Kulturvölkern, insbesondere den Ägyptern, Griechen und Römern, dann auch, wie die Funde bei Hallstatt, in den Totenkammern der Hünengräber und den spätern Pfahlbauten beweisen, schon in prähistorischer Zeit, von den Kelten vor 2000 Jahren in verschiedenen Größen und Gestalten, namentlich der Köpfe, durch Gießen und Schmieden hergestellt. Daß dabei Nageleisen Verwendung fanden, zeigt der Fund eines solchen aus prähistorischer Zeit im Jura bei Eisenschmelzhütten. Im Mittelalter bildete sich die Zunft der Nagelschmiede, welche bis auf den heutigen Tag in althergebrachter Weise eiserne N. schmieden. Daneben bildete sich seit Beginn unsers Jahrhunderts die fabrikmäßige Erzeugung von Nägeln mit Hilfe von Maschinen aus. Zuerst ahmte man dabei die Handarbeit nach, indem man das Eisen glühend zwischen Walzen verarbeitete (Clifford 1790), die mit zwei entsprechenden Vertiefungen versehen waren, zwischen denen das Metall zu Nägeln geformt wurde, oder indem man Schmiedemaschinen mit Gesenken verwendete (Ryder 1841). Viel wichtiger wurde die Fabrikation auf kaltem Weg, durch Zerschneiden von Eisenschienen, welche in einem Walzwerk mit einem entsprechenden Querschnitt vorgewalzt wurden (geschnittene N., Guppy 1796 u. 1804), mehr noch aber von Eisenblech seit 1830 (Blechnägel). Die größte Verbreitung fand endlich die Anfertigung aus Draht (Drahtstifte), welche lange Zeit ihren Hauptsitz in Paris hatte (Pariser Stifte) und seit etwa 1840 in Deutschland eingeführt ist. Die erste hierzu vorgeschlagene Maschine wurde 1811 White patentiert; wirklich brauchbar aber wurde sie erst später, besonders durch Philippe in Paris (1832) und durch Werder in Nürnberg (1846).

Nagelbrand, s. Brandpilze I.

Nägele, 1) Franz Karl, Mediziner, geb. 12. Juli 1778 zu Düsseldorf, studierte in Straßburg, Freiburg und Bamberg, praktizierte als Arzt in Barmen, ging 1807 als außerordentlicher Professor nach Heidelberg und erhielt hier 1810 die ordentliche Professur der Geburtshilfe und das Direktorium der Entbindungsanstalt. Er starb 21. Jan. 1851. N. war einer der ersten deutschen Geburtshelfer dieses Jahrhunderts, besonders hat er die wissenschaftliche Entwickelung der Geburtshilfe und vor allem die der obstetrizischen Pathologie in erfolgreichster Weise gefördert. Er schrieb: "Erfahrungen und Abhandlungen aus dem Gebiet der Krankheiten des weiblichen Geschlechts" (Mannh. 1812); "Über den Mechanismus der Geburt" (Heidelb. 1822); "Das weibliche Becken" (Karlsr. 1825); "Lehrbuch der Geburtshilfe für Hebammen" (Heidelb. 1830, 13. Aufl. 1868); "Das schräg verengte Becken, nebst einem Anhang über die wichtigsten Fehler des weiblichen Beckens überhaupt" (Mainz 1839). Seit 1825 war N. Mitherausgeber der "Heidelberger klinischen (seit 1835 'medizinischen') Annalen" (bis 1847).

2) Hermann Franz Joseph, Sohn des vorigen, als Geburtshelfer nicht minder bedeutend als sein Vater, geb. 1810 zu Heidelberg, habilitierte sich 1835 als Privatdozent daselbst, wurde 1838 außerordentlicher Professor, später Kreisoberhebearzt und starb 5. Juli 1851. Ein besonderes Verdienst hat er sich um die Lehre vom Geburtsmechanismus sowie um die Ausbildung der geburtshilflichen Auskultation erworben. Er schrieb: "Die Lehre vom Mechanismus der Geburt" (Mainz 1838); "Die geburtshilfliche Auskultation" (das. 1838); "Lehrbuch der Geburtshilfe" (das. 1843-45, 2 Bde.; 8. Aufl. von Grenser, 1871).

Nägeleinwurzel, s. Geum.

Nagelfluh (Gompholith), s. Tertiärformation.

Nägeli, 1) Hans Georg, Komponist und Musikschriftsteller, geb. 26. Mai 1768 zu Wetzikon im Kanton Zürich, errichtete 1792 zu Zürich eine Musikalienhandlung, bethätigte sich jedoch gleichzeitig nach künstlerischer Seite als Gründer und Dirigent verschiedener Gesangvereine sowie durch Herausgabe der Pfeifferschen "Gesangbildungslehre nach Pestalozzischen Grundsätzen" (1812), der er später eine eigne "Chorgesangschule" (1820) folgen ließ. Von 1819 bis 1825 hielt er in verschiedenen süddeutschen Städten Vorlesungen über Musik (veröffentlicht u. d. T.: "Vorlesungen über Musik mit Berücksichtigung des Dilettanten", Tübing. 1826), welche ihn in einen polemischen Briefwechsel mit dem Heidelberger Professor Thibaut (s. d.) verwickelten. Seine bei dieser Veranlassung ausgesprochenen, später von ihm unter dem Titel: "Der Streit zwischen der alten und neuen Musik" veröffentlichten Ansichten lassen ihn als warmen Freund des musikalischen Fortschritts erkennen, und in dieser Richtung konnte er um so nachhaltiger wirken, als er während seiner letzten Lebensjahre Mitglied des Züricher Erziehungsrats, später auch des Großen Rats und zugleich Präsident der Schweizerischen Musikgesellschaft in Zürich war. Als Förderer des Volksgesanges bewährte er sich auch in seinen Kompositionen, von denen namentlich die volkstümlichen Lieder (darunter das allbekannte "Freut euch des Lebens") weite Verbreitung fanden. Er starb 26. Dez. 1836 in Zürich. Vgl. A. Keller, H. G. N. (Aarau 1849), Festrede zur Einweihung von Nägelis Denkmal in Zürich 1848.