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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nandu; Nanga Parbat; Nangasaki; Nangis; Nanibaum; Nänĭen; Nanīni; Nanking

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Nandu - Nanking.

und 5. Jan. 1477 kam es hier zu der berühmten Schlacht, in der die Burgunder gänzlich geschlagen wurden und Karl der Kühne selbst blieb. René und seine Nachfolger bauten nun an N. eine neue Stadt an, die Herzog Heinrich II. von Lothringen vollendete. 1670 besetzten es die Franzosen unter dem Marschall v. Créqui und erhielten im Nimweger Frieden das Besatzungsrecht. Im Ryswyker Frieden gab zwar Ludwig XIV. N. zurück, doch wurde es während des spanischen und polnischen Erbfolgekriegs wiederholt von den Franzosen besetzt. Durch den Wiener Frieden (1735) wurde es Residenz des vertriebenen Königs von Polen, Stanislaus Leszczynski, der bis zu seinem Tod Lothringen erhielt. Ihm verdankt N. eine Anzahl schöner Gebäude und Plätze. Nach seinem Tod 1766 fiel N. definitiv an Frankreich. Vgl. Cayon, Histoire physique, civile, etc., de N. (Nancy 1846); Lepage, Les archives de N. (das. 1865-66, 4 Bde.); Courbe, Les rues de N. du XVI. siècle à nos jours (das. 1883-86, 2. Bde.).

Nandu (Rhea Möhr.), einzige Gattung der Familie der Nandus (Rheïdae) aus der Ordnung der Kurzflügler, straußähnliche Vögel mit einem dem des Straußes sehr ähnlichen Schnabel, sehr langen, vorn mit breiten, queren Schildern versehenen Läufen, drei kurzen Zehen, mittellangen Krallen, verkümmerten Flügeln ohne weiche Federn, mit einem dornartigen Nagel an der Spitze und nicht sichtbarem Schwanz. Man kennt aus der auf Südamerika beschränkten Gattung drei Arten, von welchen der Pampasstrauß (R. americana Lath., s. Tafel "Straußvögel") 1,5 m lang und 2,5 m breit wird. Dieser Vogel ist am Oberkopf, Oberhals, Nacken und an der Vorderbrust schwarz, an der Halsmitte gelb, an der Kehle, den Backen und obern Halsseiten bleigrau, am Rücken, an den Brustseiten und Flügeln bräunlich aschgrau, an den Unterteilen schmutzigweiß; das Auge ist perlgrau, der nackte Teil des Gesichts fleischfarben, der Schnabel horngraubraun, der Fuß grau. Er bewohnt die Steppen der Staaten des Rio de la Plata, lebt mit meist 5-7 Hennen in gesonderten Familiengruppen, welche sich nach der Brutzeit zu Herden sammeln, ohne sich weit von ihrem Geburtsort zu entfernen. Er nährt sich hauptsächlich von Gras, Beeren, Samen und Kerbtieren. Er läuft ungemein schnell; seine Sinne sind scharf und seine geistigen Fähigkeiten nicht gering; er naht sich den Ansiedelungen, wenn auch vorsichtig, und mischt sich unter die Herden, meidet aber den Gaucho und den Indianer. Häufig mischt er sich den Rudeln des Steppenhirsches bei. Er nistet im Dezember; der Hahn füttert eine Mulde im Boden notdürftig mit Gras aus, und das Gelege besteht aus 13-17, angeblich auch aus 50 Eiern. In der Umgebung des Nestes findet man wie beim Strauß verstreute Eier. Diese sind von schwankender Größe, bis zu 13 cm im Durchmesser, gelblichweiß, grüngelb gepunktet und werden vom Männchen allein ausgebrütet, aber auch stundenlang verlassen, in der Gefahr verteidigt. Die Jungen wachsen ungemein schnell. Die Steppenbewohner genießen die Eier, das grobe Fleisch der erwachsenen Vögel und das zartere der Jungen; auch das Fett, die Halshaut und die Federn werden benutzt. In der Gefangenschaft wird der N. sehr schnell zahm und hat sich in Berlin regelmäßig fortgepflanzt. In Südamerika fängt man an, ihn zu züchten, um die Federn zu gewinnen.

Nanga Parbat (Diarmer), Berg an der Nordwestgrenze von Kaschmir gegen Kafiristan, unter 35° 14' nördl. Br. und 74° 14' östl. L. v. Gr., erhebt sich bei 8116 m absoluter Höhe über alle Berge in seiner Umgebung um 2000 m. Er bildet den westlichen Eckpfeiler der zentralen Kette des Himalaja. Gletscher steigen von seinen Seiten bis zu 2865 m herab, sein steiler Gipfel aber ist fast völlig kahl. Von der Seite dieses Bergs stürzten 1841 die Gesteinsmassen herab, welche den an seinem Fuß vorüberfließenden Indus aufdämmten, bis derselbe die Schranke durchbrach und furchtbare Verheerungen bis in das Pandschab trug.

Nangasaki, Stadt, s. Nagasaki.

Nangis (spr. nāngschi oder -īs), Stadt im franz. Departement Seine-et-Marne, Arrondissement Provins, an der Bahn von Paris nach Troyes, mit alter Kirche, Vieh- und Geflügelmärkten, Gerbereien und (1881) 2423 Einw. Hier 17. Febr. 1814 Sieg Napoleons I. über die Russen unter Pahlen.

Nanibaum, s. Metrosideros.

Nänĭen (Neniae, lat.), Trauerlieder, Klagegesänge, dergleichen bei Leichenzügen der Römer von den Hinterbliebenen oder von gemieteten Klageweibern gesungen wurden. Auch kommt Nänia als Gottheit, d. h. als Personifikation der Todesklage, vor und hatte als solche vor dem Viminalischen Thor in Rom eine Kapelle.

Nanīni, Giovanni Maria, ital. Komponist, geboren um 1540 bei Rho im Mailändischen, ein Schüler Claudio Goudimels, war 1571-75 Kapellmeister an Santa Maria Maggiore zu Rom, wurde 1577 ins Kollegium der päpstlichen Sänger aufgenommen und starb 11. März 1607. N. ist der Stifter der später berühmt gewordenen römischen Musikschule, welche zum Unterschied von der ältern des Goudimel die "jüngere" genannt wurde. Seine Kompositionen, bestehend in geistlichen und weltlichen mehrstimmigen Gesängen, sind in großer Zahl erhalten und neuerdings durch Partiturausgaben (z. B. in Proskes "Musica divina") dem Publikum zugänglich gemacht.

Nanking, chinesisches glattes, festes Baumwollgewebe, dessen sehr echte rötlichgelbe Farbe der dazu verwendeten Baumwolle (von Gossypium religiosum) eigentümlich ist, aber auch durch Färben weißer Baumwolle erzeugt wird. In Europa nachgeahmter N., aus weißer, mit Eisen gefärbter Baumwolle, ist minder echt und dauerhaft. Später verstand man unter N. auch anders gefärbte, selbst geköperte Baumwollenstoffe, welche indes, wie die chinesische Ware, wieder durch neuere Gewebe verdrängt wurden.

Nanking ("südliche Hauptstadt", im Gegensatz zu Peking, "nördliche Hauptstadt", offiziell Kiangning), Hauptstadt der chines. Provinz Kiangsu, am Unterlauf des Jantsekiang, ungefähr 210 km von seiner Mündung gelegen, war bis zu Ende des 14. Jahrh. die Hauptstadt des chinesischen Reichs und damals wohl die größte und volkreichste Stadt der Erde. Ihre Größe schwand seit der Verlegung der Hauptstadt nach Peking. Einen neuen Aufschwung nahm N. während der Revolution der Taiping (s. China, S. 20), wo N. seit 1853 Mittelpunkt des neuen Reichs war, bis es 19. Juli 1864 wieder an die Kaiserlichen übergeben wurde. Damals war die Stadt in einen Trümmerhaufen verwandelt, wobei auch der berühmte Porzellanturm nebst allen andern Prachtbauten, an denen N. reich war, zerstört wurde. Zwar wurde N. neu aufgebaut, aber als Handelsplatz ist es vom nahen Tschingkiang überflügelt worden. Die chinesische Regierung hat bei der Stadt ein Arsenal angelegt; die Industrie liefert die als "Nankings" bekannten Baumwollzeuge sowie schönen Atlas. Seinen ersten Rang als Hauptsitz chinesischer Künste und Wissenschaften hat N. wiedergewonnen; jährlich