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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Niederlande

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Niederlande (Geschichte: 16. Jahrhundert).

helm von Oranien, begab sich nach Deutschland, zwei andre, Egmond und Hoorne, wurden 5. Sept. verhaftet. Nachdem Margarete im Dezember ihre Würde niedergelegt hatte, ward die gesamte öffentliche Gewalt in den Niederlanden Alba übertragen, der nun zur Ausführung der von Madrid befohlenen Schreckensregierung schritt. Er setzte einen "Rat der Unruhen" ein, den das Volk den "Blutrat" nannte, und der ohne Rücksicht auf Gesetz und Recht Tausende dem Schafott überlieferte; Egmond und Hoorne wurden 5. Juni 1568 in Brüssel hingerichtet. Ein Versuch Wilhelms von Oranien und seines Bruders Ludwig von Nassau, durch Einfälle in Brabant und Friesland einen Aufstand in den Niederlanden hervorzurufen, scheiterte an der Überlegenheit der spanischen Truppen. Zahlreiche Einwohner flüchteten ins Ausland. Alba schlug dem Handel und Gewerbfleiß weitere Wunden, indem er eine drückende Steuer von 1 Proz. am Vermögen, 5 Proz. von erkauftem Grundeigentum und 10 Proz. von jedem Warenumsatz einführte. Endlich glückte es den Meergeusen, kühnen Freibeutern, sich 1. April 1572 der Stadt Brielle an der Mündung der Maas zu bemächtigen, welchem kühnen Handstreich der Abfall der festen Stadt Vlissingen und des größten Teils von Zeeland sowie kurze Zeit darauf der meisten Städte Hollands folgte.

Am 18. Juli 1572 traten die Abgeordneten von 12 Städten und mehrere vom Adel in Dordrecht zusammen, erkannten Wilhelm von Oranien als Statthalter von Holland, Zeeland und Utrecht an und schlossen einen Bund zu gemeinsamer Verteidigung ihrer Freiheit unter seiner Führung. Die Spanier rächten sich durch blutige Züchtigung der Städte Zütphen, Naarden und Haarlem, wogegen die spanische Flotte auf dem Zuidersee 12. Okt. 1573 von der niederländischen vernichtet wurde. Alba wurde zwar 1573 abberufen, der neue Statthalter, Requesens, setzte indes nach einigen vergeblichen Versöhnungsversuchen die gewaltsame Unterwerfung der Aufständischen energisch fort. In der unglücklichen Schlacht auf der Mooker Heide (14. April 1574) fielen Oraniens Brüder Philipp und Heinrich von Nassau. Dagegen wurden die Spanier durch die Eroberung von Middelburg (21. Febr.) aus Zeeland und durch den Entsatz von Leiden (3. Okt.) aus Holland vertrieben. Die zügellosen Ausschreitungen der spanischen Truppen nach Requesens' Tod (15. März 1576) bewogen auch die südlichen Provinzen, sich gegen Spanien zu erklären und sich auf Andringen Oraniens mit Holland und Zeeland durch die Pazifikation von Gent (November 1576) zur Vertreibung der Spanier und Aufrechterhaltung ihrer Freiheiten und Privilegien zu verbinden. Der neue Statthalter, Don Juan d'Austria, mußte die Genter Pazifikation durch das ewige Edikt (Febr. 1577) bestätigen und die spanischen Truppen entlassen, ehe er 1. Mai in Brüssel einziehen durfte. Doch erlangte er weder die Zustimmung des Königs zu seiner versöhnlichen Politik, noch gewann er das Vertrauen des Volkes, das Oranien als seinen Retter und Herrn begrüßte und ihn zum Ruwart von Brabant ernannte. Nur war ein Teil des brabantischen Adels auf ihn eifersüchtig und rief den Erzherzog Matthias von Österreich, Kaiser Rudolfs II. Bruder, zum Statthalter aus, während es in Hennegau, Artois und Südflandern zum heftigen Zwist zwischen den Calvinisten und den Katholiken (Malkontenten) kam, welch letztere im August 1578 den franz. Prinzen Franz von Anjou ins Land riefen.

Gründung der Republik der Vereinigten Niederlande.

Während dieses Wirrwarrs starb Juan d'Austria 1. Okt. 1578. Sein Nachfolger Alexander Farnese von Parma, ein ebenso ausgezeichneter Feldherr wie kluger Politiker, benutzte geschickt die Zwistigkeiten unter den Niederländern und die Eifersucht der Befehlshaber gegeneinander, sprengte die Genter Pazifikation und machte die Vereinigung sämtlicher Provinzen zu Einem Bundesstaat mit nationaler und religiöser Freiheit unmöglich. Dem katholischen Bunde der wallonischen Provinzen (6. Jan. 1579) gegenüber verbanden sich 23. Jan. 1579 die sieben nördlichen Provinzen: Holland, Zeeland, Utrecht, Gelderland, Groningen, Overyssel und Friesland, zu der Union von Utrecht und sagten nach der Ächtung Oraniens im Haager Manifest vom 26. Juli 1581 dem König von Spanien den Gehorsam auf. Die mittlern Provinzen schwankten, schlossen sich eine Zeitlang teilweise der Utrechter Union an und wählten endlich den Herzog von Anjou zum Oberhaupt, der sich aber durch seine Herrschsucht so verhaßt machte, daß er im Juni 1583 zum zweitenmal die N. verlassen mußte. Wilhelm von Oranien wurde 10. Juli 1584 in Delft ermordet, noch ehe die neue Verfassung der N. vom 31. Dez. 1583, welche dem Oranier als erblichen Grafen die freilich beschränkten landesherrlichen Rechte übertrug, beschworen worden war. Parma unterwarf sich jetzt Flandern und Brabant und eroberte 17. Aug. 1585 Antwerpen, so daß die Union sich um Schutz an Elisabeth von England wandte, die den Grafen von Leicester als Oberstatthalter mit 6000 Mann Hilfstruppen sandte. Dieser verfolgte aber nur selbstsüchtige Herrschaftspläne und führte den Krieg mit Spanien so lau und unglücklich, daß die Spanier Herren des ganzen Laufs der Maas bis zur holländischen Grenze wurden. Endlich wich er dem allgemeinen Unwillen und verließ im Dezember 1587 die N. Der Ratspensionär von Holland, Johan van Oldenbarneveldt, bewirkte nun, daß Wilhelms ältester Sohn, der junge Prinz Moritz von Oranien, zum Statthalter von Holland und Zeeland ernannt und mit der Führung des Kriegs beauftragt ward. Derselbe nahm infolge des Feldherrntalents des jungen Prinzen eine immer günstigere Wendung, zumal sich Philipp gleichzeitig in einen Krieg mit England und Frankreich einließ. Moritz errang 2. Juli 1600 bei Nieuwpoort einen glänzenden Sieg und eroberte eine Stadt nach der andern. Gleichzeitig schlugen die niederländischen Flotten die Spanier auf den Meeren und eroberten die portugiesischen Kolonien in Ostindien. Unter diesen Umständen schloß Erzherzog Albrecht, dem Philipp II. 1598 die N. überlassen hatte, 9. April 1609 mit den Niederlanden einen zwölfjährigen Waffenstillstand ab.

Die Verfassung der Republik der Vereinigten N. ging aus der Utrechter Union, einem Kriegsbündnis, hervor und litt daher an mancherlei Mängeln. Träger der Souveränität waren die Provinzen, deren Staaten aus dem nur in den östlichen Provinzen zahlreichen Adel und den Vertretern des städtischen Patriziats, einer Oligarchie von 2000 Souveränen, gebildet waren, und denen ein Syndikus (Raadpensionaris, d. h. besoldeter Rat) zur Seite stand. Die Deputierten der Provinzialstaaten, die hochmögenden Herren Regenten, bildeten die Generalität oder die Generalstaaten, welche seit 1593 sich im Haag versammelte und die vollziehende Gewalt innehatten, die unter ihrer Autorität von den Statthaltern ausgeübt ward. Ein ebenfalls aus pro-^[folgende Seite]