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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Normann; Normann-Ehrenfels; Normannen

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Normann - Normannen.

land. Als sein jüngster Sohn, Johann ohne Land, nach dem Tod seiner Brüder, Richards I. und Gottfrieds von Bretagne, des letztern Sohn Arthur aus dem Besitz des Herzogtums N. verdrängte und ermorden ließ, erhob der französische König Philipp August auf dasselbe als auf ein französisches Lehen Anspruch und eroberte es 1204. Die hierauf folgenden Kämpfe zwischen England und Frankreich endeten damit, daß Heinrich III. 1259 die N. förmlich an Ludwig den Heiligen von Frankreich abtrat. Am 19. März 1315 gab Ludwig X. der N. einen Freiheitsbrief (Charte normande, Ch. aux Normands), wonach das Herzogtum seine eigne Gerichtsbarkeit und Rechtsverfassung behalten sollte. Eduard III. von England eroberte die N. 1346, Heinrich V. 1417 bis 1419; doch ward sie schon 1450 von Karl VII. wieder für Frankreich gewonnen, bei dem sie seitdem verblieb. In der ersten Zeit des Besitzes hießen die Thronerben von Frankreich Herzöge von der N., welcher Titel nachher durch den Titel Dauphin verdrängt wurde. Vgl. Licquet, Histoire de la N. (Par. 1835, 2 Bde.); Barthélemy, Histoire de la N. ancienne et moderne (neue Aufl., Tours 1862); Hippeau, Le gouvernement de N. au XVII. et au XVIII. siècle (Caen 1863-69, 9 Bde.); Frère, La N. (Rouen 1873); Baudrillart, La N. passé et présent (Par. 1880); Douin, La N. archéologique (das. 1886 ff.); N. Oursel, Nouvelle biographie normande (das. 1886, 2 Bde.); Le Héricher, Littérature populaire de N. (Avranches 1884); Joanne, N. (Reisehandbuch, Par. 1885); Aubert, Côtes normandes (das. 1887); die "Revue normande"; "Mémoires de la Société des antiquaires de N."

Normann, 1) Adelsteen, norweg. Maler, geb. 1. Mai 1848 zu Bodö, war anfangs Kaufmann und widmete sich nach einigen Vorstudien in der Heimat seit 1869 der Landschaftsmalerei an der Akademie in Düsseldorf, wo er in Eugen Dücker einen ihm zusagenden Lehrer fand, unter dessen Leitung er bis 1873 arbeitete. Die Motive zu seinen Landschaften holt er aus seiner Heimat, wohin er jährlich zu reisen pflegt. Die norwegischen Fjorde weiß er mit poetischer Auffassung der majestätischen Natur und mit leuchtendem, in der Darstellung der Wasserfläche äußerst durchsichtigem Kolorit zu schildern. 1874 erhielt er in London die Albert-Medaille und 1877 eine silberne Medaille. Seine Hauptwerke sind: Sognefjord (Nationalmuseum in Stockholm), Stamsund in den Lofoten, Hafen in den Lofoten, Mitternacht in den Lofoten, Romdalsfjord, Foldenfjord und Saltenfjord. Er lebt in Düsseldorf.

2) Ludwig, s. Neruda 2).

Normann-Ehrenfels, Karl Friedrich Lebrecht, Graf von, geb. 14. Sept. 1784 zu Stuttgart, trat 1799 in österreichischen, 1803 in württembergischen Militärdienst und schwang sich in den Feldzügen von 1806 und 1809 zum Obersten auf. In dem russischen Feldzug von 1812 befehligte er das Leib-Chevau-legers-Regiment und 1813 als General eine Brigade Reiterei, welche 17. Juni an dem auf Arrighis Befehl erfolgten hinterlistigen Angriff auf die Lützowsche Freischar bei Kitzen teilnahm. In der Schlacht bei Leipzig ging er 18. Okt. zu den Verbündeten unter der Bedingung über, daß er seine Brigade sogleich nach Württemberg zurückführt dürfe. Ehe er aber Württemberg erreichte, erfuhr er, daß der König seine Verhaftung und strenge Bestrafung befohlen habe. Er verließ daher die Brigade, ehe seine Kassation erfolgte. Des Überfalls von Kitzen wegen erhielt er in dem Heer der Verbündeten keine Anstellung. 1816 fand er zu Waldsee in Oberösterreich als Lehrer der Söhne des Landgrafen Ernst von Hessen-Philippsthal in militärischen und mathematischen Wissenschaften ein Unterkommen, bis er nach dem Tode des Königs Friedrich die Erlaubnis zur Rückkehr in sein Vaterland erhielt. Seit 1822 nahm er an dem griechischen Freiheitskampf teil, bildete in Korinth ein Bataillon Philhellenen, wohnte als Chef vom Generalstab des Fürsten Maurokordatos, mit dem er nach Missolunghi zog, 24. Juni dem Gefecht bei Kombotti bei und setzte den Gebirgskrieg fort, bis er sich nach Missolunghi werfen mußte, wo er 15. Nov. 1822 einem Nervenfieber erlag.

Normannen ("Nordmannen"), die germanische Bevölkerung Skandinaviens, vorzugsweise aber jene kühnen Seeräuberscharen, welche von den skandinavischen Küsten aus geraume Zeit die Küsten des Abendlandes heimsuchten und von den Deutschen und Franzosen N., von den Engländern Dänen, von den Iren Ostmannen genannt wurden. Die Veranlassungen zu jenen Raubzügen, welche die normännischen "Wikingar", d. h. Krieger, wie sie sich selbst nannten, unter Anführern (See- oder Heerkönigen) in kleinen Schiffen über das Meer unternahmen, waren die Unfruchtbarkeit der Heimat, das Erbrecht, welches die jüngern Söhne auf Seeraub und Heerfahrten anwies, dann auch der angestammte Wandertrieb der Germanen, Lust nach Waffenruhm, Abenteuern und Beute, endlich auch Unzufriedenheit mit der Begründung von Königsherrschaften in Skandinavien. Für ehrenvoll galten nur die Fahrten unter der Führung von Seekönigen, welche an Kraft und Abhärtung den Gefährten vorangehen mußten; "nur wer nie unter rauchgeschwärzten Balken schlief, nie am häuslichen Feuer sein Trinkhorn leerte, glaubte Seekönig heißen zu dürfen". Ihre Schiffe, die "schaumhalsigen Wellenrosse", waren so klein, daß eine Räuberschar oft 300-400 brauchte, und hatten nicht einmal ein Verdeck. Dafür konnten sie mit ihnen die kleinsten Flüsse befahren, sie auch über Land tragen. Sie kämpften auch zu Land auf erbeuteten Pferden und erlernten bald die Belagerungskunst. Anfangs zogen sie bloß im Sommer aus; wenn der Winter kam und ihr Durst nach Thaten und Beute gestillt war, kehrten sie in die Heimat zurück. Bald begannen sie jedoch an den Mündungen der Flüsse und auf Inseln feste Niederlassungen zu gründen, und zu größern Kriegsheeren vereinigt, wurden sie kühne Eroberer und Gründer neuer Reiche.

Schon zu Karls d. Gr. Zeiten suchten sie die Küsten des Frankenreichs heim; der berühmte Normannenheld Ragnar Lodbrok, der in England in einer Schlangengrube endete, war ein Zeitgenosse Karls, der zum Schutz der Küsten seines Reichs Befestigungen anlegen und eine Flotte erbauen ließ. Besonders aber wurden die Niederlande und Frankreich nach seinem Tod von den Raubzügen der N. betroffen, und zwar drangen dieselben auf ihren leichten, flachen Fahrzeugen die Flüsse hinauf tief in das Innere des Landes ein, plünderten Städte und Dörfer aus und schleppten deren Bewohner als Sklaven mit sich fort oder mordeten sie. Die innern Zwistigkeiten im fränkischen Reich und die Schwäche der karolingischen Könige, namentlich Karls des Kahlen, erleichterte ihnen ihre Unternehmungen. Unter diesem faßten sie zuerst an verschiedenen Stellen in Frankreich festen Fuß, auf der Insel Oissel an der Seinemündung, auf Noirmoutier an der Loiremündung, und unternahmen von beiden Punkten aus nach allen Richtungen hin Beutezüge; dreimal eroberten sie Paris (845, 857, 861), dran-^[folgende Seite]