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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Norwegen

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Norwegen (Bergbau, Industrie, Handel und Schiffahrt).

und Oktober, vorzüglich in den Fjorden des Stifts Drontheim und in Nordland, gefischt. Im Durchschnitt beschäftigen sich mit der Fischerei auf Groß- und Fettheringe 40,000 Personen mit ca. 8000 Booten; der jährliche Ertrag beläuft sich auf 6⅖ Mill. Kr. Auch Makrelen (deren man jährlich über 6 Mill. Stück fängt, und die neuerdings frisch in Eis verpackt vorzugsweise nach England exportiert worden), Lenge, Heiligbutten u. a. werden in Menge gefangen, bilden aber keinen so bedeutenden Ausfuhrartikel; Lachse kommen zahlreich in allen Flüssen vor, namentlich aber in der Mandals-, Namsen-, Alten- und Tanaelv. Mehrere Haiarten, besonders die großen, Brygde (Selache maxima) und Haakjärring (Scymnus microcephalus), werden im nördlichen Teil gefangen; doch benutzt man davon nur die Leber, woraus "blanker Thran" gewonnen wird. Anschovis werden im Christianiafjord, Hummern (jährlich 1 Mill. Stück) und Austern im S. und W. des Landes gefischt. Auch der Walfisch- und Seehundfang im Nördlichen Eismeer gibt einen bedeutenden Ertrag (1883 zusammen 2⅔ Mill. Kr.). Der Gesamtertrag der Fischerei schwankte 1869-77 zwischen 18⅔ und 29½ Mill. Kr. Die Ausfuhr wertete 1885 an frischen Fischen 1,982,800 Kr., an Stockfisch 5,122,500 Kr., an Klippfisch 11,847,000 Kr., an Heringen 8,128,500 Kr., andern gesalzenen Fischen 574,500 Kr., an Hummern 401,000 Kr. Vgl. Mohn, Bericht über die Fischereien Norwegens (Christ. 1876); Wallem, Notes on the fish supply of Norway (Lond. 1883).

Bergbau; Industrie und Handel.

Einen hohen Rang unter den Erwerbsquellen Norwegens nimmt der Bergbau ein, der besonders Silber, Kupfer, Eisen und Kobalt liefert. Das dem Staat gehörige, 1623 entdeckte Silberbergwerk zu Kongsberg ergab 1884-85: 7200 kg feinen Silbers. Von den Kupferwerken war bisher Röraas das wichtigste (entdeckt 1645); doch hat seine Produktion, die 1866-70 jährlich 31,000 Ton. Erz lieferte, neuerdings abgenommen (jährliche Produktion 500-800 T. Rohkupfer) und bleibt hinter den neueröffneten Kupferwerken zu Vignäs auf der Insel Karmö zurück. Denselben Rückgang zeigen die Eisengruben von Röraas; sie hatten ihre Blütezeit 1781 (8000 T. jährlich) und 1841-45 (10,000 T. jährlich), während die Produktion 1882 nur 1412 T. betrug. Ein großer Teil der früher sehr zahlreichen Eisenwerke hat wegen des Steigens der Holzpreise seine Thätigkeit eingestellt. Daher kommt es, daß nicht nur Eisen (rohes und verarbeitetes) in Menge, sondern auch alle (selbst grobe) Fabrikate aus Eisen sowie aus Kupfer und den mit Kupfer gemachten Metallen, wie Messing, Bronze, Neusilber, eingeführt werden müssen. Auch der Ertrag des Blaufarbenwerks in Modum (einer deutschen Gesellschaft gehörig) ist gegenwärtig gering; ebenso hat die Produktion von Nickel neuerdings bedeutend abgenommen (noch ca. 100 T.). Vor kurzem hat man Manganerze (im Amt Norddrontheim) und Asbest gesunden. Von geringer Bedeutung sind: Chrom, Mühl- und Schleifsteine, Schiefer, Granit, Tropfstein, Kiesel, Apatit, Meerschaum, Zement, Kalk, Ziegelerde etc.; wichtig ist in den westlichen und nördlichen holzarmen Gegenden der Torf.

Die Industrie ist nicht sehr vorgeschritten. Am bedeutendsten ist die Holzindustrie, in welcher ca. 1000 Sägemühlen, 4 Cellulosefabriken, eine große Anzahl Streichholzfabriken (1885 Produktion 4 Mill. kg, wovon 3,6 Mill. kg ausgeführt wurden) beschäftigt waren (vgl. Holmboe, The export of forest produce from Norway, Christ. 1885). Außerdem gibt es Papierfabriken, Spinnereien und Webereien in Wolle, Baumwolle und Flachs (in Christiania und Bergen), ferner Fabrikation von Seilen und Tauen (seit dem Rückgang der Segelschiffahrt im Verfall), Glas (5 Hütten), Tabak, 25 Brennereien (1885 Produktion 7 Mill. Lit.), 47 Bierbrauereien (Ausfuhr 1885: 1 1/10 Mill. L.), Hufnägelfabriken (Ausfuhr 1885: 2⅔ Mill. kg) und mechanische Werkstätten. Besonders eifrig wird der Schiffbau betrieben, vor allem auf der Strecke von Tönsberg bis Christianssand an der Südküste. Alle diese Fabriken sowie eine regsame Hausindustrie (besonders Baumwollweberei) auf dem Land, welche mancherlei Gewebe zum Verkauf anfertigt, können jedoch das Bedürfnis nicht befriedigen; nächst dem Getreide sind baumwollene, leinene, wollene und seidene Waren Haupteinfuhrartikel.

Bei weitem wichtiger als die Industrie sind Handel und Schiffahrt. Der innere Verkehr wird befördert durch die lange Küste mit ihren vielen tiefen Einschnitten und vortrefflichen Häfen, wodurch eine regelmäßige Dampfschiffahrt nach allen Seestädten von der schwedischen Grenze am Skagerrak bis zur russischen am Eismeer ermöglicht worden ist; ferner im Innern durch die großen Fjorde an der Westküste und in den östlichen Gegenden durch mehrere Landseen, durch künstliche Wasserstraßen und durch Eisenbahnen, so von Christiania nach Hamar am Mjösen; von dieser sich abzweigend längs des Glommen über Kongsvinger bis an die schwedische Grenze, wo sie sich an die schwedische nordwestliche Stammbahn anschließt; von Hamar durch Österdalen nach Drontheim; von Christiania nach Drammen, Kongsberg, dem Kröderensee und dem Randsfjord; von Ski im Amt Akershus nach Sarpsborg; von Bergen nach Vossevangen; von Drontheim nach Schweden über Meraker; von Drammen über Laurvik nach Skien. Die im Betrieb befindlichen Eisenbahnen haben eine Länge von 1562 km. Die Telegraphen hatten Ende 1886 eine Gesamtlänge von 7487 km. Der Handel mit dem Ausland ist äußerst lebhaft und in beständiger Zunahme begriffen. Die Hauptgegenstände der Ausfuhr sind die oben erwähnten Produkte der Waldwirtschaft und der Fischerei (zusammen 71½ Proz. der Ausfuhr), nächstdem Eis (1885: 230,000 Ton.); die der Einfuhr, außer den bereits bei dem Ackerbau und der Viehzucht erwähnten, waren 1885: Kolonialwaren im Wert von 14,621,700 Kronen, Branntwein, Spiritus und Weine 3,191,700 Kr., Spinnstoffe 4,904,000 Kr., Garn- und Reepschlägerarbeiten 3,988,100 Kr., Manufakturwaren 18,508,800 Kr., Steinkohlen 7,765,700 Kr., rohe und halb verarbeitete Metalle 5,364,200 Kr., verarbeitete Metalle 5,229,000 Kr. In der Einfuhr bilden die Hauptverkehrsländer folgende Reihe: Deutschland, Großbritannien, Schweden, Rußland, Dänemark und Belgien, während in der Ausfuhr nach Großbritannien und Schweden Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Belgien folgen. Die Zahl der 1885 in N. angekommenen Schiffe betrug 11,049 mit einer Tragfähigkeit von 2,359,000 Ton. (darunter 6387 norwegische von 506,770 T.) und die der abgegangenen 11,911 von 2,378,149 T. (darunter 6408 norwegische von 1,524,003 T.). Der Wert der Einfuhr ward 1886 berechnet zu 135,2 Mill. Kr. (1885: 145,6 Mill. Kr.) und der der Ausfuhr zu 102,8 Mill. Kr. (1885: 101,9 Mill. Kr.). N. verliert also jährlich bei dem auswärtigen Handel 30-40 Mill. Kr. Dieser bedeutende Verlust wird mehr als ersetzt durch die Schiffahrt, denn überall, nicht nur in den europäischen, sondern auch in den entferntesten Gewässern, ist eine große