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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ohrtrompete; Ohrwurm; Ohrwürmer; Öhse; Oïdĭum; Oignon; Oigob; Oil; Oil City; Oirat; Oiron-Fayencen; Oirschot; Oisans; Oise

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Ohrtrompete - Oise.

zündungen beobachtet; sie ist ein Zeichen, daß die Grundkrankheit einen besonders schweren Verlauf nimmt. Auch die metastatische O. kann sich zerteilen und verschwinden, besonders wenn sie langsam entstanden und nicht zu umfangreich geworden ist. Ebenso kann sie in Eiterung übergehen; ihre Behandlung ist wie bei der idiopathischen Form.

Ohrtrompete, s. v. w. Hörmaschine.

Ohrwurm, bei Hunden als äußerer O. eine Entzündung der Ohrmuscheln (Ohrlappen), hauptsächlich langohriger Hunde (Jagdhunde, Pudel), infolge von Quetschungen und Verletzungen, z. B. bei dem als Strafe beliebten Ohrenschütteln. Der innere O. ist eine Entzündung des äußern Gehörganges, durch Erkältung, Eindringen fremder Körper, Hautausschläge hervorgerufen und danach sehr verschieden zu beurteilen. Beide sind sehr lästige, schwer heilbare Übel. Oft erweist sich die Anwendung einer halbprozentigen Lösung von Sublimat oder Karbolsäure in Wasser vorteilhaft. Die Behandlung ist im Bedarfsfall zu wiederholen.

Ohrwürmer (Forficulina Burm.), Insektenfamilie aus der Ordnung der Geradflügler, steht den echten Geradflüglern (Orthoptera genuina) durch die allgemeine Anlage der Unterlippe sehr nahe, weicht aber durch die Bildung der Flugorgane so weit von ihnen ab, daß man sie auch als eigne Zunft (Dermatoptera Burm.) abgezweigt hat. Die O. haben einen freien, verkehrt herzförmigen Kopf, eine große, kreisrunde Oberlippe, gespaltene Unterlippe, runde Netzaugen, keine Nebenaugen, fadenförmige Fühler, einen flachen, viereckigen Prothorax, abgekürzte hornige oder lederartige Flügeldecken, sehr dünnhäutige Hinterflügel mit horniger Platte am Vorderrand, dreigliederige Tarsen, langgestreckten, unbedeckten Hinterleib und am letzten Ring desselben bei beiden Geschlechtern zwei große gebogene Zangen, welche zur Verteidigung und zum Entfalten und Zusammenlegen der Flügel dienen. Sie halten sich lichtscheu unter Steinen, Rinden etc. verborgen und gehen nachts auf Nahrung aus, welche aus Blüten, Saft von Früchten und Insekten besteht. Ihren Namen verdanken sie dem irrigen Volksglauben, daß sie sich mit Vorliebe in die Ohren der Menschen verkriechen. Die einzige Gattung Forficula L. umfaßt meist gelbliche oder braun gefärbte Arten, welche über die ganze Erde verbreitet sind. Der gemeine Ohrwurm (Öhrling, F. auricularia L., s. Tafel "Geradflügler"), 9-20 mm lang, glänzend dunkelbraun, mit rostrotem Kopf und gelblichen Beinen, ist überall in Europa sehr gemein, lebt gesellig, richtet an Nelkenblüten, Georginen, Blumenkohl, süßen Früchten etc. Schaden an, frißt auch Insekten. Das überwinterte Weibchen bewacht die im Frühjahr hinter Rinde oder unter einen Stein gelegten Eier und die nach etwa einem Monat ausschlüpfenden weißen Jungen, welche im Juli erwachsen sind. Man fängt die O. in den Hornschuhen der Klauentiere, kleinen Blumentöpfen, hohlen Stengeln etc. Der große Ohrwurm (F. gigantea L., s. Tafel "Geradflügler"), 11-13 mm lang, mit einem Zahn an jeder Zangenhälfte des Männchens, findet sich vereinzelt in Europa (Deutschland, England etc.), auch in Vorderasien und Nordafrika.

Öhse, s. Öse.

Oïdĭum Link (Eischimmel, Faulschimmel), schimmelartige Pilze, welche aus einem kriechenden Mycelium aufrechte, einfache, farblose Fruchthyphen entwickeln, die an ihrer Spitze kettenförmig eine Spore nach der andern abschnüren, so daß die unterste der kettenförmig verbundenen, farblosen, eiförmigen oder länglichrunden, einzelligen Sporen die jüngste ist. O. lactis Pers. (Milcheischimmel) lebt als zarter, flaumiger, weißer Schimmelüberzug auf dem Rahm saurer Milch und wird oft irrtümlich mit dem wesentlich andern Pilz verwechselt, welcher die Milchsäuregärung veranlaßt und zu den Schizomyceten gehört. O. albicans Rob. (Saccharomyces albicans Rees, Soorpilz), ein Schmarotzer auf der Zunge und der Mundschleimhaut des Menschen, wo er die Mundschwämmchen (Soor oder Aphthen) der kleinen Kinder verursacht. In dem weißen, schwammigen Beleg der erkrankten Teile finden sich auf den freien Rändern der Zellen des abnorm verdickten Epitheliums die Bestandteile des Pilzes als farblose, gegliederte Hyphen von verschiedener Länge, die an der Spitze und unter den Querrändern hefeartige, rundliche Sproßzellen austreiben. In diese Gattung stellte man früher auch die konidienbildenden Zustände der lebende Pflanzen bewohnenden Gattung Erysiphe, solange man sie für selbständige Pilze hielt, und vorläufig bedient man sich dieser Gattungsbezeichnung auch jetzt noch für diejenigen Arten von Erysiphe, die nur in der Konidienform bekannt sind, so besonders für O. Tuckeri Berk. (s. Traubenkrankheit).

Oignon (spr. onnjóng), Fluß, s. Ognon.

Oigob, s. Nilsprachen.

Oil (engl., spr. eul), Öl, oft auch s. v. w. Petroleum.

Oil City (spr. eul ssitti), Stadt im nordamerikan. Staat Pennsylvanien, an der Mündung des Oil Creek in den Alleghany, Hauptort der Petroleumregion, mit (1880) 7315 Einw. Das Vorkommen von Petroleum war dort schon seit längerer Zeit bekannt; aber erst seit 1859, in welchem Jahr Oberst E. L. Drake in einer Tiefe von 22 m Öl erbohrte, wird es in großem Maßstab ausgebeutet (s. Erdöl, S. 769).

Oirat, Volk, s. Kalmücken.

Oiron-Fayencen (spr. ŏaróng-fajangssen), s. Henri-deux-Gefäße.

Oirschot, Stadt in der niederländ. Provinz Nordbrabant, zwischen Eindhoven und Tilburg, mit Schloß (Bijsterveld), mehreren Kirchen (darunter die Kirche St. Petri, eine der schönsten in Holland), einem Franziskanerkloster, Kantonalgericht, Holzschuh- und Schuhfabriken, Ackerbau u. Viehzucht und (1886) 4205 Einw.

Oisans (spr. ŏasāng), Landschaft der Dauphiné, jetzt zum franz. Departement Isère gehörig, ein von der Romanche durchströmtes wildromantisches Thal in den Kottischen Alpen, mit dem Hauptort Le Bourg d'O. (1881: 1414 Einw.).

Oise (spr. ŏahs', sonst Esia oder Isaria), Nebenfluß der Seine, entspringt in der belg. Provinz Hennegau südlich von Chimay auf den Ardennen, tritt sehr bald nach Frankreich über und fließt dort in vorzugsweise südwestliche Richtung durch die Departements Aisne, Oise und Seine-et-Oise, wird bei Chauny schiffbar und mündet nach 305 km langem Lauf bei Conflans Ste.-Honorine rechts in die Seine. Von Nebenflüssen ist hauptsächlich die Aisne (links) zu nennen. Die O. steht durch Kanäle mit der Somme, Sambre und Schelde in Verbindung. Auch ist sie selbst teilweise kanalisiert und parallel mit ihr auf einer Strecke von 29 km ein Seitenkanal geführt worden.

Das danach benannte französische Departement umfaßt mehrere Landschaften der ehemaligen Provinz Isle de France (Beauvaisis, Noyonnais) und der Picardie, grenzt an die Departements Somme (nördlich), Aisne (östlich), Seine-et-Marne und Seine-et-Oise (südlich), Eure und Niederseine (westlich) und umfaßt 5855 qkm (106,3 QM.). Der Boden ist im allgemeinen eben und fruchtbar, nur im N. hügelig