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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Öle, ätherische - Olearius.

Öle, ätherische, s. Ätherische Öle.

Öle und Fette liefernde Pflanzen und Tiere (hierzu Tafel; die abgebildeten Arten sind mit * bezeichnet). Fette sind im Pflanzenreich sehr weit verbreitet und namentlich in Früchten und Samen in größerer Menge aufgespeichert, so daß die vegetabilischen Fette, die festen sowohl als die Öle, fast ausschließlich aus jenen gewonnen werden. Speziell zum Zweck der Ölgewinnung werden bei uns in weitaus überwiegendem Umfang Kruciferen und zwar aus der Gattung Brassica (Raps, Rübsen etc.) gebaut. Von viel geringerer Bedeutung sind Rettich (Raphanus), Senf (Sinapis) und Leindotter (Camelina). Aus der Familie der Lineen baut man in größerer Menge den Lein (Linum), von den Urticeen den Hanf (Cannabis) und von den Papaveraceen den Mohn (Papaver). Die große Familie der Kompositen liefert uns an Ölpflanzen nur die Sonnenblume (Helianthus), die für Chile wichtigere Madi (Madia) und die afrikanischen Polymenia abyssinica, Guizotia oleïfera sowie den Safflorsamen (Carthamus). Als wichtigere Öl liefernde Pflanzen kommen dann ferner für unsre Gegenden noch in Betracht der Walnußbaum (Juglans) aus der Familie der Juglandeen, die Buche (Fagus) und der Haselstrauch (Corylus) aus der Familie der Kupuliferen, der Mandelbaum (Amygdalus) und der Pfirsichbaum (Persica) aus der Familie der Amygdaleen, allenfalls noch der Mais (Zea) aus der Familie der Gramineen und der Weinstock (Vitis) aus der Familie der Ampelideen. Die Familie der Oleaceen liefert den für Südeuropa so wichtigen Ölbaum (*Olea), die Familie der Bignoniaceen den Sesam (*Sesamum) und die Familie der Papilionaceen die Erdnuß (Arachis). Aus der verwandten Familie der Moringaceen ist Moringa pterygosperma, welche das Behenöl liefert, zu nennen, ferner von den Myrtaceen die Bertholletia, von den Burseraceen Irvingia Barteri, von den Terebinthaceen Rhus succedanea (japanisches Wachs), von den Dipterokarpeen die Gattungen Vateria und Hapea, von den Euphorbiaceen Ricinus, Aleurites triloba, Croton Tiglium und *Stillingia sebifera, welche den chinesischen Talg liefert, von den Büttneriaceen der Kakao (Theobroma), von den Malvaceen die Baumwolle (Gossypium), von den Sapindaceen die Gattung Sapindus, von den Ternströmiaceen mehrere Carapa-Arten, von den Laurineen der Lorbeer, von den Myristiceen der Muskatbaum (Myristica), von den Sapoteen die Bassia-Arten, von den Sterkuliaceen Sterculia foetida, von den Myrikaceen der Wachsgagel (Myrica) etc. Sehr reich an Fett liefernden Pflanzen ist die Familie der Palmen, von denen in erster Linie die Kokospalme (*Cocos), die Ölpalme (Elaeis), die Wachspalme (*Copernicia) und die Andespalme (*Ceroxylon) zu nennen sind. Sehr zahlreiche andre Pflanzen enthalten außerdem Fette in großer Menge, und es ist vorauszusehen, daß noch viele derselben für die Industrie Bedeutung gewinnen werden. - Im Tierreich liefern die Rinder verschiedene Fettarten: Butter, Talg, Knochenmarkfett und Klauenfett, die Schafe namentlich Talg, Klauenfett und Wollfett, die Schweine Schmalz; von geringerer Bedeutung sind Pferd und Ziege sowie einige Vögel. Hühnereier liefern Eieröl, und auch aus Schildkröteneiern wird Öl gewonnen. Für die Technik kommen außerdem namentlich die Thrane in Betracht: Walfischthran vom Grönlandswal, Delphinthran vom Grindwal und Döglingthran vom Zwergwal, außerdem Pottfischthran und Robbenthran von Ohrenrobben, Seehunden, Walrossen. Von den Fischthranen ist der Stockfisch- oder Dorschthran aus der Leber dieser Fische (Leberthran) am wichtigsten, außerdem ist im Handel der Thran von Heringen, Rochen, Haifischen, Thunfisch und Meerpricke. Ein eigenartiges tierisches Fett ist das Walrat (Cetaceum) vom Pottfisch.

Olea L., Pflanzengattung, s. Ölbaum.

Oleaceen (ölbaumartige Gewächse), dikotyle Familie aus der Ordnung der Kontorten unter den Monopetalen, Sträucher und Bäume mit gegenständigen, gestielten, einfachen, ganzen oder auch unpaarig gefiederten, nebenblattlosen Blättern und in Trauben, Rispen oder Büscheln stehenden, zwitterigen oder durch Fehlschlagen eingeschlechtigen Blüten. Letztere sind bei einigen nackt, bei den meisten mit einem vierzähnigen oder -teiligen Kelch und einer aus ebenso vielen Blättern bestehenden, meist trichterförmigen, regelmäßigen Blumenkrone versehen, deren Saumabschnitte klappige Knospenlage haben. Die Blüte enthält zwei Staubgefäße, deren Filamente mit der Blumenröhre verwachsen sind. Der oberständige, zweifächerige Fruchtknoten enthält meist zwei hängende Samenknospen in jedem Fach; der Griffel ist sehr kurz, die Narbe einfach und zweispaltig. Die Frucht ist bald eine durch Fehlschlagen meist einsamige Steinbeere, bald eine Flügelnuß, bald eine zweiklappige, fachspaltige Kapsel. Die Samen sind bisweilen mit einem häutigen Rand umgeben und enthalten ein fleischiges oder horniges Endosperm, in dessen Achse der gerade, fast ebenso lange Keimling liegt. Die ca. 280 Arten der O. sind hauptsächlich in der gemäßigten Zone, besonders der nördlichen Halbkugel, einheimisch; die wichtigsten Gattungen sind: Olea R. Br., Ligustrum Tournef., Fraxinus Tournef. und Syringa L. Blattüberreste sind fossil in Tertiärschichten gefunden worden von den Arten der Gattungen Elaeoides Ung., Notelaea Vent., Olea und Fraxinus. Einige sind wegen der an fettem Öl reichen Früchte, wie der Ölbaum (Olea europaea), andre wegen ihres Holzes und ihrer adstringierenden Rinde, noch andre, wie die Mannaesche (Fraxinus Ornus), wegen des aus den Stämmen ausschwitzenden zuckerhaltigen Safts wichtige Nutz-, bez. Arzneipflanzen, und mehrere sind ihrer schönen Blüten wegen beliebte Ziersträucher.

Oleander, Pflanzengattung, s. Nerium.

Oleanderschwärmer (Chaerocampa Nerii L.), Schmetterling aus der Familie der Schwärmer (Sphingidae), 10,5 cm breit, mit langen, beim Männchen stärkern und gesägten Fühlern, sehr verlängerter Rollzunge, schlankem, hinten zugespitztem Körper und ausgeschweiften Vorderflügeln, sattgrün, auf den Vorderflügeln weiß gestriemt, mit karmesinroter Binde nahe der Wurzel und violettem Feld nach außen, die Hinterflügel mit violettgrauer Basis, bewohnt Nordafrika und Kleinasien, gelangt im zeitigen Frühjahr nach Frankreich und erzeugt hier eine zweite Generation, welche seit den 30er Jahren weiter nördlich, bis Riga, zieht und hier in Gärten an Oleander Eier legt. Die Raupe ist grün, auf dem dritten Ring mit himmelblauem Augenfleck, an den Seiten mit verwaschener weißer Linie und weißen, lila oder blau umzogenen Punkten. Sie verpuppt sich in der Erde, und nach 4-6 Wochen schlüpft der Schwärmer aus, der sich aber im Norden nicht fortpflanzt.

Olearius (latinisiert für Ölschläger), 1) Adam, einer der besten deutschen Prosaiker seiner Zeit, geboren um 1600 zu Aschersleben, studierte in Leipzig, wurde 1633 Bibliothekar des Herzogs Friedrich III. von Holstein-Gottorp, nahm an der aus Flemings (s. d.) Leben bekannten Gesandtschaftsreise nach Per-^[folgende Seite]