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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Oenanthe; Omsk; Onager; Onagraceen; Onanie; Önanthäther

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Omsk - Oenanthe.

andern Nebenbuhler, Tibni, verlegte die Residenz nach Schomron (Samaria), herrschte mit Klugheit und Kraft und vererbte die Krone auf seinen Sohn Ahab. Seine Dynastie endete mit Joram 843 v. Chr.

Omsk, Hauptstadt des Gouvernements Akmollinsk in Russisch-Zentralasien, an der Mündung des Om in den Irtisch, mit großen öffentlichen Militär- und Zivilgebäuden, großem Steinpalast des Gouverneurs des Steppengouvernements, einer griechisch-kath. Kathedrale, römisch-kath. Kapelle, mehreren Moscheen, einer luther. Kirche, großer Kadettenanstalt (1879: 332 Schüler), Gefängnis, Museum und (1879) 30,890 Einw. nebst 4000 Mann Garnison. Die Stadt war früher Sitz des Generalgouverneurs von Westsibirien und trieb bedeutenden Handel, der aber mehr und mehr abgelenkt worden ist.

Onager (lat.), wilder Esel (s. Esel); auch ein Wurfgeschütz der Römer (s. Katapult).

Onagraceen (Önothereen, Nachtkerzen), dikotyle Familie aus der Ordnung der Myrtifloren, meist krautartige Gewächse mit ganzen, fiedernervigen Blättern und vollständigen, meist regelmäßigen, entweder einzeln achselständigen, oder in Trauben oder Ähren vereinigten, oft vierzähligen, oberständigen Blüten. Der Kelch hat eine klappige, die Krone eine gedrehte Knospenlage, die Staubblätter bilden einen oder zwei Kreise; die Karpiden sind verwachsen. Der unterständige, meist vierfächerige, selten zweifächerige Fruchtknoten hat mehr oder weniger zahlreiche anatrope Samenknospen am Innenwinkel jedes Faches und einen fadenförmigen Griffel, der sich in so viele linealische Narben teilt, als Fächer vorhanden sind. Die Früchte sind kapsel-, beeren- oder nußartig. Die Kapseln springen mit Längsklappen auf, so daß die Klappen die Scheidewände tragen oder eine samentragende Mittelsäule stehen bleibt. Die Samen sind bei mehreren Gattungen an der Spitze mit einem Haarschopf versehen, sie enthalten einen geraden Keimling und kein Endosperm. Die ca. 300 Arten der O. sind zwar über die ganze Erde verbreitet, finden sich aber in der größten Anzahl in den außertropischen Zonen. Als Zierpflanze ist die Gattung Fuchsia Plum. bemerkenswert.

Onanie (Manustupration, Masturbation, Selbstbefleckung), eine Form der unnatürlichen Befriedigung des Geschlechtstriebs, welche bei männlichen wie bei weiblichen Personen vorkommt und darin besteht, daß die betreffende Person sich selbst durch allerhand Manipulationen mit den Geschlechtsteilen diejenigen Wollustempfindungen zu verschaffen sucht, welche naturgemäß bei der Begattung empfunden werden. Der Name O. stammt her von Onan, einer biblischen Persönlichkeit (vgl. 1. Mos. 38, 4, 8-10). Die Gewohnheit der O., welche infolge des Säfteverlustes und der stets vorhandenen unnatürlichen Aufgeregtheit die körperliche und geistige Zerrüttung des betreffenden Individuums herbeiführen kann, ist mehr als eine geschichtliche Unart, wie sie einige nennen, aber sehr oft auch weniger als ein Laster, wie andre sie bezeichnen. Die O. beobachtet man in ungemein zahlreichen Fällen schon bei Kindern, und sie pflegt selten eher unterlassen zu werden, als bis das eheliche Verhältnis die natürliche Befriedigung des Geschlechtstriebs mit sich bringt. Man darf annehmen, daß oft Verführung zur O. führt, und daß nicht leicht von der Gewohnheit durch bloße sittliche Kraft abgegangen werden wird, wenn nicht ein Ersatz dafür sich bietet. Seltener sind Erkrankungen der Geschlechtsteile die erste Veranlassung der O. Die Folgen, welche die O. für den Körper hat, sind offenbar vielfach arg übertrieben worden; doch pflegen sich, zumal bei Kindern, mannigfache Zeichen einzustellen, welche darauf hindeuten, daß dieselben der O. frönen. Diese Zeichen bestehen vorzugsweise in Magerkeit und Blässe bei sonstiger Gesundheit und gutem Appetit, in einer gewissen geistigen Trägheit, Unaufgelegtsein zur Arbeit, Neigung zur Melancholie, in dem Aufsuchen der Einsamkeit etc. ohne direkte Erkrankung bestimmter Organe. Auch das Verhältnis der O. zu Geisteskrankheiten mancher Art ist so aufzufassen, daß bei Seelenstörungen, z. B. Epilepsie, Hysterie, Manie etc., bei den Kranken unter andern Symptomen auch O. beobachtet wird, nicht aber so, daß die O. als die Entstehungsursache der genannten Gehirnerkrankungen gelten dürfte. Daher kommt es denn auch, daß bei der O. der Arzt und die Medizin weniger in Frage kommen als der Erzieher und die Erziehungskunst. Der Arzt kann das Werk der Erziehung durch seine Anordnungen nur unterstützen. Die Hauptsache bleibt besonders bei der Pubertät sich nähernden jungen Leuten Verhütung des bösen Beispiels, angemessene körperliche und geistige Thätigkeit bei mäßiger Nahrungszufuhr und Vermeidung aller reizenden Speisen und Getränke, kühle Bekleidung, kühles Lager und Vermeidung der platten Rückenlage beim Schlafen. Die letzte Mahlzeit am Tag muß 3-4 Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen und eher knapp als reichlich sein; man dulde nie, daß Kinder, ohne zu schlafen, im Bett liegen bleiben. Im Sommer sind kühle Flußbäder und Schwimmübungen ein gutes Ableitungsmittel. Am meisten sind die, welche der O. sich hingegeben haben, vor ärztlichen Charlatanen zu warnen, welche durch die übertriebene Schilderung der Nachteile der O. die betreffenden Individuen in eine furchtbar quälende Gemütsverfassung zu bringen suchen, um sie desto sicherer zur Abnahme ihrer nutzlosen und unsinnigen Geheimmittel zu bestimmen.

Önanthäther (Weinbeeröl), s. v. w. Drusenöl.

Oenanthe L. (Rebendolde), Gattung aus der Familie der Umbelliferen, kahle Kräuter, meist Wassergewächse mit gefiederten oder mehrfach fiederig zusammengesetzten, selten auf einen röhrigen Blattstiel reduzierten Blättern, meist vielblätterigen Hüllen und Hüllchen, vielblütigen Dolden, weißen Blüten und walzen- oder kreiselförmigen, mit zwei langen, aufrechten Griffeln gekrönten Früchten. Etwa 35 Arten auf der nördlichen Erdhälfte, in Südafrika und dem tropischen Australien. O. fistulosa L., ausdauernd, mit 30-90 cm hohem, hin- und hergebogenem, an den Gelenken wurzelndem, hohlem, gestreiftem Stengel, zwei- bis dreifach gefiederten Wurzelblättern, gefiederten Stengelblättern, fehlender oder ein- bis zweiblätteriger Hülle und vielblätterigen Hüllchen, wächst auf sumpfigen Wiesen in Europa, ist narkotisch scharf und war als harntreibendes Mittel in Gebrauch. O. Phellandrium Lam. (Phellandrium aquaticum L., Wasser- oder Roßfenchel, Wasserkerbel), 0,5-1,5 m hoch, mit zwei- bis dreifach fiederteiligen Blättern (die untergetauchten Blätter mit vielspaltigen Blättchen mit linealischen bis fadenförmigen Zipfeln), blattgegenständigen, vielstrahligen Dolden ohne Hülle, mit mehrblätterigen Hüllchen und länglicher, fast stielrunder, nach oben allmählich verschmälerter, vom Kelche gekrönter, brauner Frucht, wächst in Gruben und Sümpfen in Europa und Nordasien. Die Früchte, früher als Semen Phellandrii offizinell, riechen stark, unangenehm gewürzhaft, schmecken widerlich, aromatisch bitter und scharf, enthalten ein ätherisches und fettes Öl und wirken flüchtig erregend auf die Verdauungsorgane