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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Orientieren; Orientkrieg; Orificium; Oriflamme; Origanum; Origenes

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Orientieren - Origenes.

einen Flächeninhalt von 161,400 qkm (2931 QM.). Die Ansprüche der Regierung von Ecuador reichen indes viel weiter. Das Gebiet ist fast ganz mit Urwald bedeckt und spärlich von herumziehenden Indianern bewohnt, unter denen die im 16. und 17. Jahrh. von Dominikanern und Jesuiten dem Christentum gewonnenen Indios catequizados nur einen Bruchteil bilden. Hauptprodukte des Landes sind: Gold und dann Kanel, Palmenwachs, Kopal, Pita (Aloehanf) und Häute. Die halbzivilisierten Quijos (s. d.) am obern Napo bauen auch Yukka, Bananen, Tabak und Zuckerrohr. Von Indianos infieles sind namentlich die Záparo (zwischen Napo und Pastaza) und die Jivaro am Pastaza bekannt. Hauptort ist Santa Rosa de Otas am Napo, der in neuerer Zeit von Dampfschiffen befahren wird.

Orientieren (franz.). Sich o. heißt eigentlich am Horizont den Orient (Osten) suchen, um danach die übrigen Himmelsgegenden zu bestimmen, daher überhaupt s. v. w. sich zurechtfinden; den Meßtisch o., ihn parallel zu einer gewissen Richtung stellen (s. Aufnahme, topographische); einen Himmelsglobus o., demselben seine richtige Lage gegen die Weltgegenden geben. - In der Kirchenbaukunst (s. d.) ist Orientierung (Ostung) die Richtung der Längenachse der Kirche von Westen nach Osten (heilige Linie), die in den ältesten christlichen Kirchen das Vorbild des Tempels zu Jerusalem befolgte, so daß der Altar im Westen, die Haupteingangsthür im Osten war, also der hinter dem Altar stehende Priester nach Osten schaute. In dieser Weise sind noch die ältesten Basiliken Roms gebaut. Erst von 420 an änderte man die Richtung um und legte das Chor im Osten, den Haupteingang im Westen an, wobei der amtierende Priester vor dem Altar mit dem Rücken der Gemeinde zugekehrt stand. Diese Orientierung wird im allgemeinen noch jetzt befolgt.

Orientkrieg, s. Krimkrieg.

Orificium (lat.), Mündung, Öffnung.

Oriflamme, s. Fahne, S. 1016.

Origanum L. (Dosten), Gattung aus der Familie der Labiaten, perennierende Kräuter oder Halbsträucher mit kleinen, ganzrandigen oder mittelgroßen, gezahnten Blättern, einzeln endständigen, gebüschelten oder rispig angeordneten, dichten Ähren, die aus meist einblütigen Halbquirlen in den Achseln von oft sehr großen und gefärbten, dachziegeligen Hochblättern gebildet sind. 25 Arten, meist in den Mittelmeerländern. O. smyrnaeum L. (O. creticum Hayne, spanischer Hopfen, kretischer Diptam oder Dosten), mit fast herzförmigen, kurz- und dichtfilzigen Blättern, ovalen oder länglichen Blütenähren und vierzeilig ziegeldachförmig gestellten, eiförmigen, zugespitzten Deckblättern, riecht durchdringend aromatisch, schmeckt scharf gewürzhaft, wächst in Griechenland, Kleinasien und Nordafrika und war früher offizinell. Auch bereitet man daraus ein ätherisches Öl. O. Majorana L. (Majoran, Mairan), mehrjährig, bei uns im Freien einjährig, 30 cm hoch, mit oben rispig verästeltem Stengel, gestielten, elliptischen bis verkehrt-eiförmigen, stumpfen, ganzrandigen, graugrünen oder grauen, kurz und dicht behaarten Blättern, fast kugeligen, zu dreien dicht beisammenstehenden Blütenköpfchen, weißen Blüten und vierzeilig ziegeldachförmig gestellten, rundlichen, grünen, graufilzigen Deckblättchen, riecht und schmeckt eigentümlich aromatisch, stark kampferartig, ist in Nordafrika und dem Orient heimisch und wird bei uns als Küchengewürz kultiviert. Das Kraut war früher offizinell. Man unterscheidet deutschen und französischen Majoran. Ersterer ist blätterreicher und dürfte in Deutschland fast ausschließlich gebaut werden. Er gedeiht in jedem nicht dürren und nicht nassen Boden, verlangt aber reiche Dungkraft des Ackers. Durch Destillation mit Wasser gewinnt man aus dem Kraut ein ätherisches Öl. O. vulgare L. (gemeiner Dosten), perennierend, 30-60 cm hoch, mit eiförmigen, ganzrandigen oder undeutlich gesägten, auf der Oberseite dunkelgrünen, kaum behaarten Blättern und kurzen, eiförmigen, in einer Doldentraube stehenden Ährchen mit violetten, angedrückten Deckblättchen und roten Blüten, riecht stark aromatisch, majoranähnlich, schmeckt gewürzhaft, bitterlich herb, wächst in Europa und Mittelasien und war früher, wie das daraus gewonnene ätherische Öl, offizinell.

Origenes, von den Alten wegen seines eisernen Fleißes Adamantius ("der Stahlharte") genannt, jedenfalls der gelehrteste Schriftsteller der vorkonstantinischen Kirche, wurde 185 zu Alexandria geboren. Nachdem sein Vater Leonidas 202 den Märtyrertod gestorben und das Familienvermögen vom Fiskus eingezogen ward, ernährte O. seine Mutter und Geschwister durch Bücherabschreiben, während er zugleich an dem christlichen Katecheteninstitut lehrte. Schon selbst Lehrer, war er zugleich Zuhörer des Neuplatonikers Ammonios Sakkas. Sein so emsiges Studium der Philosophie befähigte ihn, zahlreiche Proselyten unter Heiden und Häretikern zu machen. Unter Caracalla (211) besuchte er Rom, 215 Arabien, 218 Antiochia. Mit seinem auf ihn eifersüchtigen Bischof Demetrios geriet er aber, nachdem er sich auf einer abermaligen Reise nach Palästina in Cäsarea 228 zum Presbyter hatte weihen lassen, in dauernden Zwiespalt. Eine alexandrinische Synode 232 exkommunizierte ihn, und das Abendland erkannte die Exkommunikation an, während O. fortan zu Cäsarea in Palästina wirkte. Der Verfolgung unter Maximinus Thrax entzog er sich durch die Flucht nach Kappadokien; um 238 begab er sich nach Athen, 244 zur Widerlegung des Beryll von Bostra nach Arabien. In der Verfolgung unter Decius erduldete er schwere Mißhandlungen, an deren Folgen er 254 in Tyros starb. Die Werke des O., angeblich 6000 an der Zahl, sind teils exegetischen und textkritischen, teils dogmatischen und dogmatisch-apologetischen Inhalts. Die exegetischen Schriften zerfallen in kürzere Scholien, in ausführlichere Kommentare über verschiedene Schriften des Alten und Neuen Testaments und in praktische Auslegungen oder Homilien. In allen übt O. die sogen. allegorische Auslegung (s. d.). Unter seinen textkritischen Arbeiten steht das große Bibelwerk "Hexapla" (s. d.) obenan. Unter den dogmatischen Werken bieten die vier Bücher "De principiis" einen ersten Versuch systematischer Entwickelung der Glaubenslehre. Die "Stromata" in zehn Büchern, welche eine Vergleichung der christlichen Lehren mit den Grundsätzen der griechischen Philosophen enthielten, sind verloren gegangen. Erhalten haben sich dagegen die acht Bücher "Contra Celsum" (deutsch von Mosheim, Hamb. 1745), eine "Ermahnung zum Märtyrertum" und die Schrift "Über das Gebet". Die beste ältere Ausgabe der Werke des O. (mit Einschluß der unechten) ist die Benediktinerausgabe von de la Rue (Par. 1733-59, 4 Bde.; neue Ausg. 1856), die neueste von Lommatzsch (Berl. 1831-48, 25 Bde.). Die Schule des O. pflanzte sich sowohl in Alexandria als in Cäsarea fort. Während aber noch im 4. Jahrh. mehrere der ausgezeichneten Kirchenlehrer, ein Eusebios von Cäsarea, Basilius d. Gr., Gregor von Nazianz, Gregor