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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Otto - Ottokar.

Porträte zeichnen sich durch feine Charakteristik und virtuose Marmortechnik aus, während seine größern Werke einen stark malerischen, über die Grenzen der Plastik hinausgehenden Zug haben. 1886 siedelte er nach Berlin über, wo er unter andern eine Statue Chodwieckis für das Alte Museum ausführte. Er ist königlicher Professor.

6) Karl, s. Reventlow.

Otto, bei naturwissenschaftl. Namen, s. O., S. 290.

Otto von Botenlauben, Minnesänger, ein jüngerer Sohn des Grafen Poppo VI. von Henneberg, zwischen 1175 und 1180 geboren, nahm 1197 das Kreuz und zog über Unteritalien nach dem Heiligen Land. In Syrien vermählte er sich mit Beatrix, der Tochter eines französischen Herrn, Josselin v. Courtenay, die ihm reichen Besitz in Syrien zubrachte. Erst 1220 kehrte er nach Deutschland zurück, nachdem er die syrischen Erbgüter seiner Gemahlin veräußert hatte. 1234 verkaufte er die ihm gehörige Stammburg bei Kissingen (s. Botenlauben) an den Bischof von Würzburg und verlebte seine letzten Jahre in dem nahen, von ihm gestifteten Kloster Frauenroda, wo er und seine Gemahlin begraben liegen. Er starb gegen Ende 1244. Vgl. Bechstein, Geschichte und Gedichte des Minnesängers O. v. B. (Leipz. 1845); Wegele, Graf O. von Hennenberg-Botenlauben (Würzb. 1875).

Otto von Freising, Geschichtschreiber des deutschen Mittelalters, geboren um 1114, dritter Sohn des Markgrafen Leopold IV. von Österreich und Agnes', der Tochter Kaiser Heinrichs IV., der Witwe Friedrichs von Staufen, wurde in seinem 14. Jahr von seinem Vater zum Propst des Stifts Kloster-Neuburg ernannt und studierte zu Paris. 1130 ließ er sich zu Morimund in Burgund in den Cistercienserorden aufnehmen, wurde 1132 Abt dieses Klosters und 1137 Bischof zu Freising, wo er den äußern Bestand der Kirche sicherte und ihre innere Reformation mit Erfolg betrieb. 1147-49 machte er den unglücklichen Kreuzzug Konrads II. mit. Er starb auf einer Reise in Morimund 21. Sept. 1158. Er verfaßte 1143 bis 1146 ein geschichtsphilosophisches Werk: "De duabus civitatibus", d. h. über die zwei Reiche (das himmlische und das elende irdische), welches sich durch Reinheit der Sprache und Beherrschung des Stoffes auszeichnet und auch manche wichtige Nachrichten enthält; es wurde weit verbreitet und übte auf die Geschichtsauffassung der damaligen Zeit großen Einfluß. Historisch wertvoller sind die auf Anregung des Kaisers selbst verfaßten "Gesta Friderici imperatoris" (bis 1156), die sein Schüler Ragewin fortgesetzt hat. Herausgegeben wurden sie zuerst von Cuspinian (Straßb. 1515), dann von Wilmans in Pertz' "Monumenta", Bd. 20 (Separatausgabe, Hannov. 1884), übersetzt von Kohl (Leipz. 1881 u. 1884). Vgl. über ihn die Schriften von Huber (Münch. 1847), Wiedemann (Pass. 1849), Grotefend (Hannov. 1870) u. Sorgenfrey (Greiz 1873).

Otto von St. Blasĭen, Geschichtschreiber des deutschen Mittelalters, Mönch des Benediktinerkloster St. Blasien im Schwarzwald, seit 1222 Abt desselben, gest. 23. Juli 1223, schrieb eine Fortsetzung des Geschichtswerks von Otto von Freising 1153-1209 im kaiserlichen Sinn. Sie ist abgedruckt in Pertz' "Monumenta", Bd. 20. Vgl. Thomä, Die Chronik des O. v. St. B. (Leipz. 1877).

Ottobad (König Otto-Bad), s. Wiesau.

Ottobeuern, Marktflecken im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, Bezirksamt Memmingen, an der westlichen Günz, 645 m ü. M., hat ein Benediktinerpriorat (sonst Reichsabtei, welche mit ihrem Gebiet von 206 qkm und 10,000 Einw. 1802 an Bayern kam) mit berühmter Wallfahrtskirche, ein Amtsgericht, ein Forstamt, 2 Dampfbrauereien, Käsefabrikation, Gerberei, Sägemühlen, Holzhandel und (1885) 1748 fast nur kath. Einwohner.

Ottobraten (ital., von Ottobre, "Oktober"), den ländlichen Dionysien der alten Römer entsprechende Herbstfeste der modernen Römer, die auch von den Ärmsten mit ähnlichem Eifer wie die Karnevalsbelustigungen gefeiert werden. Die Familie zieht dazu hinaus nach den Wirtshäusern der Umgebung Roms und gibt sich für mehrere Tage ländlichen Vergnügungen, Schmäusen und Trinkgelagen hin.

Otto Heinrichs-Bau, ein Teil des Heidelberger Schlosses, s. Heidelberg.

Ottŏkar, Könige von Böhmen: 1) O. I. Przemysl, kämpfte lange Zeit mit verschiedenen Prätendenten um die Herrschaft, wurde 1194 von Heinrich VI. abgesetzt und mußte seinem frühern Helfer und Bürgen, dann Nebenbuhler Heinrich Bretislaw, Bischof von Prag und Landesherzog, durch kaiserliche Einsetzung weichen, zwang aber seinen 22. Juni 1197 auf den Herzogsstuhl erhobenen Bruder Wladislaw Heinrich zum Ausgleich (6. Dez.), dem zufolge dieser das Markgraftum Mähren als böhmisches Lehen, O. selbst den böhmischen Thron erhielt. Bald darauf erwarb er von Philipp von Schwaben für seinen Anschluß an denselben 1198 die Königswürde und fast vollständige Landeshoheit. 1203 ward er zwar von Philipp abgesetzt, weil er parteiflüchtig wurde und seine Gemahlin Adela von Meißen verstieß, erlangte aber dafür Anerkennung seiner Herrschaft durch Innocenz IV. und Otto von Braunschweig; 1204 versöhnte er sich wieder mit Philipp. Mit Otto IV., den er anfangs anerkannt, entzweite er sich wieder und schloß sich 1212 Friedrich II. an. Er starb nach unruhiger, wechselvoller Regierung 1230.

2) O. II. Przemysl, Sohn des Königs Wenzel I., geboren um 1230, ward schon bei Lebzeiten seines Vaters auf Veranlassung des Kaisers Friedrich II., dessen Partei jener 1247 verlassen, 1248 von einigen böhmischen Großen zum König gewählt, aber von Wenzel 1249 wieder unterworfen. Nach dem mit Friedrichs des Streitbaren Tod (1246) erfolgten Erlöschen der Babenberger von den österreichischen Ständen 1251 zum Herzog gewählt, setzte er sich mit Hilfe der päpstlichen Partei in den Besitz der österreichischen Lande und vermählte sich im Alter von 23 Jahren zu größerer Befestigung seiner Herrschaft mit der doppelt so alten Margarete, Tochter des Herzogs Luitpold VI. von Babenberg und Witwe des hohenstaufischen Königs Heinrich VII. Nach seines Vaters Tod (1253) kam er auch in den Besitz von Böhmen und Mähren. 1254 unternahm er in Gemeinschaft mit den Deutschen Rittern und dem Markgrafen Otto von Brandenburg einen erfolgreichen Kreuzzug gegen die heidnischen Preußen und ließ 1255 am Pregel den Grund zur Stadt Königsberg legen. 1267-68 zog er zum zweitenmal nach Preußen. Die Ungarn, welche Steiermark hart bedrängten, schlug er 12. Juli 1260 bei Kroissenbrunn auf dem Marchfeld u. erwarb im Wiener Frieden (31. März 1261) Steiermark. Da seine erste Ehe kinderlos blieb, trennte er dieselbe 1261 und vermählte sich mit Kunigunde, Belas IV. von Ungarn Enkelin. Am 9. Aug. 1262 wurde O. von dem zum römischen Kaiser gewählten Richard von Cornwallis mit Österreich und Steiermark förmlich belehnt. Einen neuen Zuwachs von Land erhielt O. 1269 durch den Tod des Herzogs Ulrich von Kärnten und Krain, der ihn zu seinem Erben und Nachfolger eingesetzt hatte.