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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ozĕanographie; Ozĕlot; Ozēne; Oziēri; Ozokerīt; Ozŏler; Ozōn

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Ozeanographie - Ozon.

gruppen im Südwestteil des Ozeans aufnahm; Freycinet, der 1818 Neuguinea, die Ladronen und Hawaiinseln besuchte; Duperrey, der 1823 die Gesellschaftsinseln, einzelne der Marshall- und Gilbertinseln und Teile von Neuguinea erforschte, und ganz besonders Dumont d'Urville, der auf der ersten seiner zwei Reisen 1825 Neuseeland, Neubritannien, Neuguinea, Wanikoro und die Ladronen, auf der andern 1838 besonders viele der Archipele des Ozeans, obschon nicht immer gründlich, untersuchte. Die Deutschen endlich, welche sich um die Erforschung dieser Inseln Verdienste erwarben, haben dies überwiegend im Dienste der russischen Regierung gethan. Krusenstern erforschte 1804 zum erstenmal die Markesas gründlich, Kotzebue in Begleitung des Naturforscher Chamisso 1816 f. vor allem die Gruppe Ratak der Marshallinseln, Bellingshausen 1819 f. besonders die Tuamotu; endlich untersucht Lütke 1828 f. in wahrhaft musterhafter Weise den Archipel der Karolinen. Ihnen schließt sich die österreichische Expedition unter v. Wüllerstorf-Urbair 1858 f. an, welche jedoch die Kenntnis von O. nicht erheblich gefördert hat. Unter den von andern Nationen unternommenen Forschungsreisen verdienen besondere Erwähnung die amerikanische unter Wilkes 1839 f., welche, in großartigem Maßstab angelegt, auch sehr bedeutende Resultate geliefert und sich über den ganzen Ozean, nur mit Ausschluß Melanesiens, ausgedehnt hat, und die schwedische unter Virgin, der besonders Hawai, die Gesellschaftsinseln und Tonga besuchte.

In den letzten Dezennien haben sich die Forschungen besonders mit den Völkern, welche einzelne Inseln und Inselgruppen bewohnen, beschäftigt. Große Verdienste hat sich namentlich das große Hamburger Haus Godeffroy um die Kenntnis der Südseeinseln durch wiederholte Aussendung von Reisenden und Anlegung einer großen ethnographische Sammlung erworben. Die über größere Gebiete des Stillen Ozeans sich erstickenden Fahrten des Challenger (1873-76), der Tuscarora (1873 und 1874) und der Gazelle (1876) haben sich nur vorübergehend mit den Ländern, welche sie berührten, beschäftigt. Die Reise Bastians 1878, welche sich auf Neuseeland, Hawai u. a. erstreckte, hat uns wie die von Finsch, der 1879-82 Hawai, Mikronesien, Melanesien und Neuseeland und 1884 die Nordostküste von Neuguinea erforschte, sehr reiches Material für die genauere Kenntnis der betreffenden Gebiete geliefert. Durch die erfolgte Besitzergreifung so vieler Inseln in neuerer Zeit und ihre Erforschung behufs Nutzbarmachung ihrer Hilfsquellen wird diese Kenntnis fortdauernd erweitert. Auch den Missionären, von denen jetzt die evangelischen allein 99 Stationen besitzen, auf denen 82 europäische und 3173 eingeborne Missionäre wirken und 254,036 eingeborne Christen leben, verdanken wir sehr wichtige Beiträge, namentlich für die Ethnographie der Inseln, wie auch von einzelnen europäischen Ansiedlern uns wertvolle Mitteilungen gemacht worden sind.

Vgl. Hartwig, Die Inseln des Großen Ozeans (Wiesb. 1861); Turner, Nineteen years in Polynesia (Lond. 1860); Murray, Missions in Western Polynesia (das. 1862); Derselbe, Forty years' mission work in Polynesia (das. 1876); Angus, Polynesia, or the islands of the Pacific (das. 1867); Pritchard, Polynesian reminiscences (das. 1866); Meinicke, Die Inseln des Stillen Ozeans (Lpz. 1875, 2 Bde.); Kirchhoff, Die Südseeinseln u. der deutsche Südseehandel (Heidelb. 1880); Blin, Voyage en Océanie (Par. 1881); Francis, The isles of the Pacific (das. 1882); Jung, Der Weltteil Australien, Bd. 2-4 (Leipz. 1882-83); Fornander, Account of the Polynesian race (Lond. 1877-85, Bd. 1-3); Bastian, Inselgruppen in O. (Berl. 1883); Ratzel, Völkerkunde, Bd. 2 (Leipz. 1887).

Ozĕanographie (griech.), Meeresbeschreibung, Meereskunde, s. Meer.

Ozĕlot, s. Pantherkatzen.

Ozēne, bei Ptolemäos Name der Hauptstadt des Reichs Larika, das heutige Udschain in Zentralindien, war im 1. und 2. Jahrh. n. Chr. Sammelpunkt der indischen Weisen.

Oziēri, Kreishauptort in der ital. Provinz Sassari (Sardinien), ist Bischofsitz, hat eine Kathedrale, ein Seminar, eine Sekundärschule, Getreidebau, Schafzucht, Handel und (1881) 8413 Einw.

Ozokerīt (Erd- oder Bergwachs, Bergtalg, Neftgil), Mineral aus der Ordnung der Harze, findet sich nur amorph, ist in der Konsistenz dem Bienenwachs ähnlich, heller oder dunkler grünlich oder bräunlich bis schwarzbraun gefärbt, wird zwischen den Fingern klebrig und nach und nach sehr bildsam, riecht wie Petroleum, oft noch penetranter, spez. Gew. 0,94-0,96, schmilzt bei 58-98°, sehr selten bei höherer Temperatur, und besteht im wesentlichen aus Kohlenwasserstoffen. Eine geringere Sorte, Kenderbal, von grünlichbrauner Farbe und butterartiger Konsistenz, schmilzt bei 58-60°. O. verbrennt mit heller Flamme mit geringem Rückstand oder ohne solchen, er löst sich leicht in Terpentinöl oder fetten Ölen, schwer in Alkohol und Äther, nicht in Wasser und Alkalien. Er findet sich bei Gamming in Niederösterreich, bei Boryslaw und Dzwieniasz in Ostgalizien, auch in Westgalizien, Ungarn, Kroatien, in der Walachei und Moldau, bei Newcastle in England, Swätoi-Ostrow und auf der Insel Tscheleken im Kaspischen Meer, in Transkaukasien, Persien, Ägypten, Algerien, Kanada und Mexiko. In ausbeutefähiger Menge kommt er nur bei Boryslaw und allenfalls bei Dzwieniasz vor. Das Neftgil von Swätoi-Ostrow ist mit dem O. nahezu identisch, weicht aber doch in der Konsistenz nicht unerheblich ab. Man gewinnt den O. bergmännisch, er bildet wie Kohle eigne, sich vielfach wiederholende Flöze, die nicht nur nahe der Oberfläche, sondern auch in bedeutender Tiefe lagern (in Boryslaw über 160 m tief). Die Nester stehen nicht selten unter sehr hohem Druck, und wenn sie geöffnet werden, treibt bisweilen das mit eingeschlossen Gas den O. wie eine weiche Masse hervor, so daß die Arbeiter nach höher gelegenen Stellen des Schachts flüchten müssen. O. erscheint jedoch auch in eingesprengten runden Stücken (Wanzen) oder als Blasenwachs, welches mit eignem hohen Gasdruck durch eine Kluft förmlich ausgeblasen wird. Zur Verarbeitung des Ozokerits wird das rohe Material mit Dampf geschmolzen und nach dem Absetzen in Formen gegossen. Diese Kuchen verarbeitet man auf Ceresin, Paraffin und Mineralöle. Vgl. Perutz, Die Industrie der Mineralöle, des Petroleums etc. (Wien 1868-80, 2 Bde.); Pichler, Über Erdwachs, Erdöl etc. (das. 1879); Gintl, Galizisches Petroleum und O. (das. 1873); Windakiewicz, Erdöl und Erdwachs in Galizien (das. 1875); Bergmann, Petroleum und Erdwachs (das. 1880); Paul, Die Petroleum- und Ozokeritvorkommnisse Ostgalizien (das. 1881).

Ozŏler (Ozolae, die "Stinkenden"), Beiname eines Zweigs des lokrischen Volksstammes (s. Lokris).

Ozōn (aktiver, polarisierter Sauerstoff), eine Modifikation des Sauerstoffs, welche sich durch