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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pagōde; Pagodīt; Pagūrus; Pagus; Pah Utah; Pahang; Pahlen; Pahthanf; Pahuin; Pai-Choi; Paignton

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Pagode - Paignton.

Pagōde (v. ind. bhaguvati, "heiliges Haus"), frei stehende Tempelanlage der Hindu und andrer südasiatischer Völker. Durch Massenhaftigkeit, Originalität des Stils, Pracht der Ausstattung und Feinheit der daran befindlichen Skulpturen gleich ausgezeichnet, bilden die Pagoden meist Gebäudegruppen, die von einem oder mehreren Höfen umgeben und durch hohe, bisweilen von Türmen unterbrochene Umfangsmauern umschlossen sind, und bestehen aus Haupt- und Nebentempeln, Kapellen, Sälen zur Beherbergung der Pilger, Säulenhallen, Galerien und Reinigungsbassins verschiedener Art (s. Tafel "Baukunst I", Fig. 6). Später ist der Name P. auch auf die in diesen Tempeln befindlichen Statuen der Götter übertragen worden, die, meist von gebrannter Erde gefertigt, unförmlich und fratzenhaft, aber reich vergoldet, nackte oder bekleidete, stehende oder mit gekreuzten Beinen dasitzende Figuren darstellen. Pagoden heißen ferner auch die kleinen bunten, gewöhnlich nach chinesischen Mustern gebildeten Figuren von Gips mit beweglichen Händen und Köpfen, die man als Nachahmungen jener Götzen zur Rokokozeit als Verzierung auf Kamingesimsen, Schränken etc. aufzustellen pflegte. Der neuere Geschmack hat die Pagoden in kleinern Verhältnissen aus Porzellan nachgebildet und in die Nippsachen eingereiht. - Im übertragenen Sinn braucht man die Bezeichnung P. von Menschen, welche, ohne selbständiges Urteil zu haben, zu allem ja sagen.

Pagōde, 1) ostind. Goldmünze, 1 Sternpagode in Madras gesetzlich = 8,025 Mk., nach gewöhnlicher Annahme 7,5226 Mk.; 1 P. = 42 Fanams. -

2) Ostind. Gold-, Silber- und Juwelengewicht, = 3,4058 g.

Pagodīt, s. Agalmatolith.

Pagūrus, Einsiedlerkrebs.

Pagus (lat., "Flur, Gau"), in altröm. Zeit Name der ländlichen Distrikte, in welche das römische Gebiet von Numa oder nach andern von Servius Tullius eingeteilt wurde. Sie bildeten seit letzterm Unterabteilungen der Tribus (s. d.) und hatten ihre eignen Vorsteher (magistri pagi), welche die Flurbücher führten, die Paganalien (s. d.) leiteten und bei Aushebungen und Tributverteilung Dienste zu leisten hatten. Die Römer trugen den Namen auch auf fremde Völker über, so auf die Germanen und die Helvetier.

Pahang (Pahan, Pakang), mohammedan. Malaienstaat an der Ostküste der Halbinsel Malakka, wird vom Fluß P. durchflossen und hat ein Areal von 25,900 qkm (470 QM.) mit 50,000 Einw.; Hauptstadt ist Pekan. Der Radscha weiß klug seine Stellung zu wahren gegenüber England, dessen Ratschläge er sich gefallen läßt, und gegenüber dem König von Siam, dem er jährlich eine goldene Vase und eine silberne Rose übersendet.

Pahlen, in Livland ansässiges, von der eingebornen livländischen Familie von Koskult abstammendes, seit 1679 freiherrliches Geschlecht. Zu erwähnen sind:

1) Peter Ludwig von, geb. 1746, trat jung in die russische Armee, focht im Türkenkrieg von 1769 unter Rumjanzow und kommandierte beim Sturm auf Otschakow eine Kolonne. 1790 Generalleutnant, ging er als Gesandter nach Stockholm, ward 1793 Gouverneur von Livland und, als Kurland 1795 an Rußland fiel, Gouverneur dieser Provinz. Kaiser Paul I. erhob ihn 1797 zum Generalgouverneur von Ingermanland, 1799 zum Grafen und zum General der Kavallerie und 1800 zum Ministerpräsidenten und Minister des Äußern. Gleichwohl stellte er sich an die Spitze jener Verschwörung, welche in der Nacht zum 5. April 1801 zur Ermordung des Kaisers führte. Von dem Kaiser Alexander I. mit Mißtrauen behandelt, nahm er 1804 seinen Abschied. Er starb 25. Febr. auf seinem Landgut bei Mitau.

2) Peter, Graf von, Sohn des vorigen, geb. 24. Aug. 1777, trat als Offizier in die russische Garde und stieg bis zum General. Als solcher erwarb er sich in den Feldzügen von 1812 und 1813 als Anführer einer Kavalleriedivision Ruhm, ward aber 17. Febr. 1814 bei Nangis geschlagen. Nachdem er 1823 seinen Abschied genommen, trat er nach der Thronbesteigung des Kaisers Nikolaus wieder in den Dienst, ward 1827 General der Kavallerie und befehligte im Türkenkrieg ein eignes Korps, mit welchem er zum Sieg bei Kulewtscha (1. Juni 1829) viel beitrug. Auch im polnischen Feldzug von 1831 focht er mit Auszeichnung, namentlich beim Sturm auf Warschau. Von 1835 bis 1841 war er Botschafter in Paris, und 1847 erhielt er die Charge eines Generalinspektor der ganzen russischen Kavallerie. Später ward er auch Mitglied des Reichsrats. Er starb, nachdem er 1862 seinen Abschied genommen, 1. Mai 1864.

3) Friedrich, Graf von, Bruder des vorigen, wählte die diplomatische Karriere und ward russischer Gesandter in Washington, dann in München. 1829 schloß er nebst dem Grafen Orlow den Frieden von Adrianopel ab; 1834 zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt, war er später Gesandter in Washington, Rio Janeiro und München; starb 20. Jan. 1863.

4) Magnus, Freiherr von, aus einer Nebenlinie stammend, geb. 1779 in Esthland, that sich 1813 als Oberst in dem Treffen von Lüneburg hervor, war 1830-45 Generalgouverneur von Livland, Esthland und Kurland, später General der Kavallerie, Senator und Mitglied des Reichsrats; starb 1. Juni 1863.

5) Konstantin, Graf von, russ. Staatsmann, ward in Petersburg erzogen, trat in den Staatsverwaltungsdienst und war Gouverneur von Pskow, als er 1868 vom Kaiser zum Justizminister ernannt und mit der Durchführung der 1864 verkündeten neuen Gerichtsverfassung beauftragt wurde. Er machte sich um die russische Justiz dadurch sehr verdient, daß er einen wissenschaftlich gebildeten, redlichen und politisch unabhängigen Richterstand schuf; sein Ressort gehörte zu den bestverwalteten Rußlands. Als er 1878 den Kaiser vermochte, den Prozeß gegen Wera Sassulitsch, die ein Attentat auf Trepow versucht, nicht dem außerordentlichen Gerichtshof für Staatsverbrechen, sondern dem ordentlichen Geschwornengericht zu überweisen, und dieses die Verbrecherin trotz ihres Geständnisses freisprach, ward P. im Juni 1878 in Ungnaden entlassen und zog sich als Mitglied des Reichsrats nach Kurland zurück.

Pahthanf (engl. Paut hemp), s. v. w. Jute.

Pahuin, afrikan. Volksstamm, s. Fan.

Pah Utah (Payutes, Piedes, Payuches), nordamerikanischer Indianerstamm, zu den mexikanischen Völkern Fr. Müllers gehörig, welche um den Großen Salzsee, namentlich im S. desselben, wohnen. S. Tafel "Amerikanische Völker", Fig. 9 u. 10.

Pai-Choi (samojed., "Stein-Bergrücken"), die über 200 km lange marine Fortsetzung der Gebirge auf den Inseln Nowaja Semlja und Waigatsch im russ. Gouvernement Archangel, erstreckt sich parallel der Südküste des Karischen Meers in der Richtung von OSO., im Wosai-Pai bis 500 m ansteigend. Durch das über 50 km breite, sumpfige Flußthal der Kara wird es vom Uralgebirge, von dem es nach Helmersen geologisch unabhängig ist, getrennt.

Paignton (spr. pähnt'n), Badeort in Devonshire (England), an der Torbai, dicht bei Torquay, mit Obst- und Gemüsebau und (1881) 4613 Einw.