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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Panzertiere; Panzerturm; Panzerungen; Panzerwangen; Panzerwaren; Paola; Páoli

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Panzertiere - Paoli.

man sich zur Durchbohrung der Panzer bediente; dann ein bei den Ungarn gebräuchlicher, 1-1,5 m langer Stoßdegen, der später im 17. Jahrh. von Reitern als Waffe geführt wurde, die einen Kettenpanzer trugen und gleichfalls P. hießen.

Panzertiere, mit Knochen oder Hornplatten gepanzerte Säugetiere, wie Gürteltier, Schuppentier u. a. - Panzertier (Chlamydophorus), s. Zahnlücker.

Panzerturm, s. Panzerschiff und Panzerungen.

Panzerungen. Die zunächst zur Bekleidung von Schiffen benutzten Panzerplatten hat man in der Folge zum Schutz gegen das Artilleriefeuer auch auf Land- und Küstenbefestigungen übertragen. Für die vorgeschobenen Werke der Küstenbefestigung stellten sie sich bald als unentbehrlich heraus, da Erde und Mauerwerk gegen die Geschosse der Schiffsartillerie nicht genügenden Widerstand leisteten. Die Verwendung des Eisenpanzers ist bisher in folgender Weise geschehen: 1) als Panzer- (Scharten-) Schild an der hintern Schartenöffnung offener Erdbrustwehren; 2) als Stirnpanzer kasemattierter Batterien oder Geschützstände; 3) als kasemattierte Panzerbatterien oder Türme, Turm- oder Panzerforts (stehende Panzertürme). Letztere sind geschlossene Werke von rundem oder ovalem Grundriß, auf kasemattiertem, nicht verteidigungsfähigem Unterbau, häufig (namentlich in England) in der See und, zur möglichsten artilleristischen Ausnutzung der kostspieligen Fundamentierung, meist in zwei Stockwerken mit einem oder mehreren drehbaren Panzertürmen auf der Plattform erbaut. Da bei diesen fortifikatorischen Werken dem Gewicht des Panzers keine Grenze gesetzt ist, so sucht man die größere Widerstandsfähigkeit durch Vermehrung nicht der Plattenstärke, sondern der Plattenzahl zu erreichen, deren Zwischenräume mit Beton ausgefüllt sind. Die Platten werden durch Bolzen nach der Konstruktion des Leutnants English von 9 bis 10 cm Dicke, an jedem Ende mit einem aufgeschraubten kugelförmigen Kopf, zusammengehalten. Diese Konstruktion (cup-and-ball, Schale und Kopf) soll das Zerreißen und Abscheren der Bolzen verhindern, wenn Geschosse den Panzer treffen. Die P. finden ferner 4) bei den drehbaren Panzertürmen Anwendung. Diese sind entweder konisch, kuppelförmig oder cylindrisch um eine feste senkrechte Achse durch Hand- oder Dampfbetrieb drehbar. In der Regel sind sie für zwei Geschütze bestimmt, die auf parallel in den das Festungswerk überragenden Turm eingebauten Rahmen stehen, so daß den den ganzen Horizont beherrschenden Geschützen die Seitenrichtung durch das Drehen des Turms gegeben wird. 1865 machte Gruson (Erfinder der Hartgußgranaten) den Vorschlag, kugelförmige Panzerdrehtürme aus Hartguß herzustellen. Ein solcher Versuchsturm wurde 1869-1870 bei Berlin beschossen und nach weitern Versuchen 1874 für die deutschen Küstenwerke und einige Festungen eingeführt. Diese Konstruktion bietet den Vorteil, daß die bis 2000 Ztr. schweren Gußstücke in beliebiger Form gegossen werden können und bei ihrer Zusammensetzung keiner Niete und Bolzen bedürfen. In neuerer Zeit hat Schumann flache Panzerkuppeln für je ein Geschütz gebaut und Panzerlafetten genannt. In Frankreich sind in den vielen Sperrforts an der deutschen Grenze und bei Paris zahlreiche Panzertürme aufgestellt. Um die Geschützbedienung vor den Nieten, Bolzen, Eisensplittern etc. zu schützen, welche durch die den Panzer treffenden Geschosse in die Batterie geschleudert werden, hängt man in England zu beiden Seiten des Geschützes Taumäntel verschiebbar auf, die aus einem Flechtwerk von 3-4 cm dicken Tauen und dünnern Strängen bestehen und sich vorzüglich bewährt haben; gleichzeitig erzielt man durch sie auch Schutz gegen den Luftdruck und Feuerstrahl beim Schießen.

Panzerwangen (Cataphracti Cuv.), Fischfamilie aus der Unterordnung der Acanthopteri, bei welcher der Knochen des untern Augenrandringes verbreitet, durch eine knöcherne Stütze mit dem Vordeckel verbunden und, wie die Deckelstücke und der Kopf, verschiedenartig bedornt ist. Der Körper ist nackt, beschuppt oder mit knöchernen Platten gepanzert. Die Bauchflosse ist brustständig, wenig entwickelt; die Brustflosse dagegen ist stark entfaltet. Die P., zu denen die originellsten Fischformen gehören, leben im Meer, nur der Kaulkopf (s. d.) kommt im Süßwasser vor.

Panzerwaren (Iserlohner P.), Haken, Ketten, Pack- und Schnürnadeln, Fischangeln, Bienenkappen, Pfeifenräumer und andre Stahl-, Messing- und Eisenarbeiten, welche in Iserlohn von einem besondern Gewerk (der ehemals privilegierten Panzerzunft) als gangbare Artikel in Masse angefertigt werden.

Paola, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Cosenza, am Tyrrhenischen Meer, hat ein Hauptzollamt, eine technische Schule, eine Reede (Schiffsverkehr 1886: 276 eingelaufene Schiffe mit 83,356 Ton.), Befestigungswerke, ein schönes Schloß, Wein- und Ölbau, Fischerei und (1881) 6161 Einw. Unfern mehrere warme Quellen und das ehemalige Kloster des 1416 in P. gebornen heil. Francesco di Paola.

Páoli, 1) Pascal (Pasquale), cors. Patriot, Sohn des corsischen Generals Giacinto P., der 1702 gegen die Genuesen und Franzosen für die Unabhängigkeit der Insel kämpfte und 1756 in Neapel starb, geb. 1726 zu Morosaglia auf Corsica, kam 1739 mit seinem Vater nach Neapel und besuchte dort die Kriegsschule, kehrte 1753 in sein im Aufstand gegen Genua begriffenes Vaterland zurück und ward hier 1755 durch eine Generalkonsulta der Patrioten zum Generalkapitän der Insel ernannt. Er kämpfte glücklich gegen die Genuesen und schuf sogar eine kleine Seemacht, die dem Handel der Republik beträchtlichen Schaden zufügte. Daneben hemmte er durch zweckmäßige Verordnungen die innere Zerrüttung, gab weise Gesetze, unter anderm gegen die Blutrache, suchte den Ackerbau zu heben und gründete Schulen. Nachdem die Genuesen 1768 Corsica den Franzosen abgetreten hatten, verteidigte P. die Insel noch ein volles Jahr gegen die letztern. Erst Graf von Vaux besiegte mit 22,000 Franzosen P. bei Ponte Nuovo und zwang P., ein Asyl in England zu suchen. Als 1789 die flüchtigen Freiheitsfreunde auf Mirabeaus Antrag durch Beschluß der Nationalversammlung zurückgerufen wurden, eilte P. nach Paris und erhielt von Ludwig XVI. den Titel eines Generalleutnants und das Kommando von Bastia, und hier ward er 1790 von seinen Mitbürgern an die Spitze der Nationalgarde gestellt und zum Präsidenten der Verwaltung erhoben. Nach Ludwigs XVI. Hinrichtung sagte er sich jedoch von der demokratischen Partei der Insel los. Deshalb beim Konvent als Verräter denunziert, pflanzte er nun offen die Fahne der Empörung gegen die Republik auf, rief die Engländer zu Hilfe, vertrieb mit Hilfe derselben die Franzosen von der Insel, und eine Versammlung zu Corte 10. Juni 1794 übertrug dem König von Großbritannien die Krone von Corsica und stellte die alte Verfassung wieder her. Da P. aber von Pozzo di Borgo verleumdet und von England nicht zum Vizekönig er-^[folgende Seite]