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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Papier

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Papier (Sorten, Formate, Qualitäten).

maschine P. von bedeutend geringerer Qualität und findet hauptsächlich Verwendung in der Pappenfabrikation. Bedeutend verbessert hat man in neuerer Zeit das Produkt dieser Maschine dadurch, daß man 2-4 Cylinder anwendet und die 2-4 Bahnen unter der Gautschpresse aufeinander führt und verbindet. Solche Cylindermaschinen haben wegen ihrer Einfachheit und großen Leistungsfähigkeit vielfach Aufnahme gefunden. Die von Sembritzky in Schlöglmühl erfundene Papiermaschine zum Schöpfen einzelner Bogen nach Art der Handfabrikation liefert vorzügliches P.

Im Lauf der Zeit haben sich zahlreiche Sorten und Formate des Papiers gebildet, welche, nach Zusammensetzung und Eigenschaften geordnet, folgende gebräuchlichste Gattungen ergeben.

Papiersorten.

A. Lösch-, Schrenz- und Packpapiere.

a) Löschpapier, Fließpapier, ungeleimt;

b) Schrenzpapier, eigentliches Packpapier von kleinerm Format und dünn, ungeleimt;

c) Packpapier, geleimt und halbgeleimt:

1) rotes (aus roten Hadern),

2) braunes (aus Stricken, Werg, Tauen etc.),

3) gelbes (aus Stroh und braunem Holzschliff),

4) blaues (entweder aus blauen Hadern oder gefärbt): Nadelpapier, zum Verpacken der Nähnadeln; Zuckerpapier, zum Verpacken der Zuckerbrote; Leinwandpapier, zum Verpacken der Leinwand etc.

B. Druckpapiere, ungeleimt oder halbgeleimt, weiß.

a) Eigentliches Druckpapier:

1) Konzeptdruck, ordinärste Sorte,

2) Kanzleidruck, Mittelsorte,

3) Postdruck, feinere Sorte, gerippt,

4) Velindruck, in verschiedener Feinheit (auch Filtrierpapier);

b) Notendruckpapier, besonders stark;

c) Kupferdruckpapier, dick, velin, ungeleimt;

d) Gold- und Seidenpapier, in verschiedener Feinheit.

C. Schreib- und Zeichenpapiere, geleimt, weiß.

a) Schreibpapier, gerippt und velin:

1) Konzept, die geringste Gattung,

2) Kanzlei, mittelfeines und feines,

3) Post, feines und feinstes, namentlich Briefpapier,

4) Velinschreib, die feinern Sorten, dazu Postvelin etc.;

b) Notenpapier, dick;

c) Zeichenpapier, velin, nicht gebläut;

d) Tapetenpapier.

^[Leerzeile]

Formate (in Millimetern):

breit hoch

Groß Elefant 1028 675

Klein Elefant 900 633

Colombier 821 590

Imperial 766 554

Groß Regal 736 529

Super Regal 688 487

Mittel Regal 657 498

Klein Regal (Regal Royal) 621 487

Lexikonformat (Emoisin) 590 462

Groß Median 578 444

Mittel Median 542 444

Schmal Median 529 420

Klein Median (Register) 511 402

Schmal Register 487 396

Mittel Register 475 383

Propatria (Dikasterial) 450 471

Klein Format bis 402 320

432 371

Pandekten 371 264

Seit dem Jahr 1883 hat man auf Vorschlag des Vereins deutscher Papierfabrikanten im Einverständnis mit den Hauptbeteiligten angefangen, die große Zahl der oft ganz willkürlichen Abmessungen erheblich zu verkleinern und folgende Normalformate mit Weglassung der Benennungen, dahingegen nach 12 Nummern bezeichnet, einzuführen.

Nummer: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Höhe: 33 34 36 38 40 42 44 46 48 50 54 57 cm.

Breite: 42 43 45 48 50 53 56 59 64 65 68 78 cm.

Zwischen den deutschen, französischen und englischen Formaten findet keine vollständige Übereinstimmung statt. Zum Vergleich kann jedoch nachstehende Tabelle dienen, welche neben den deutschen Formaten die der beiden andern Länder enthält, welche den erstern am nächsten kommen:

^[Liste]

Groß Elefant, Grand Aigle, Double Elephant,

Klein Elefant, Petit Aigle, Atlas,

Colombier, Soleil, Colombier,

Imperial, Grand Jésus, Imperial,

Groß Regal,

Klein Regal, Grand Raisin, Royal,

Groß Median, Coquille, Medium,

Klein Median, Écu, Demy,

Propatria, Couronne, Foolscap.

Vielfach wird in Europa das P. noch folgendermaßen eingeteilt, sortiert und benannt: Briefpapiere, in 3 Qualitäten und drei Formaten in plano (in folio, in quarto, in octavo) gelegt und verpackt; Schreibpapiere, in 5 Qualitäten Kanzlei- und 3 Qualitäten Konzeptstoff und in 7 Formaten in folio gelegt, in Lagen gebrochen (gebogen); Bücher- und Aktenpapiere in 3 Qualitäten und 5 Formaten in folio; Noten- und Zeichenpapiere in 2 Qualitäten und 9 Formaten in plano; Druckpapiere in 7 Qualitäten und 10 Formaten in plano; Noten-, Kupfer- und Steindruckpapiere in 2 Qualitäten und 5 Formaten in plano; Seiden-, Goldschlag-, Kopier- und Zigarrettenpapiere in 2 Qualitäten und 4 Formaten in folio; farbige Umschlag- und Zettel- (Affichen-) Papiere in 2 Qualitäten und 3 Formaten in plano; farbige, graue und halbweiße Packpapiere, Tütenpapiere, in 5 Formaten in plano; dann Karton-, Pappen-, Hanf-, Bast-, Stroh- und Löschpapiere in 8 Formaten und nach den Urstoffen sich ergebenden Qualitäten in plano. Endlich Papiere für Tapeten- und Buntpapierfabrikation, für Telegraphenstreifen, Photographie u. a.

Die Qualitäten oder Feinheitsgrade der Papiere sind in Fabrikation und Handel genau bestimmte; nur in der Farbe, Textur (Durchsicht, épair, Web) weichen die gleichen Qualitäten der verschiedenen Manufakturen und Fabriken voneinander ab. Die Benennungsweise der Qualitäten ist fast in jeder Fabrik eine verschiedene; am verbreitetsten waren bei der Handpapierbereitung (Büttenmanufaktur) die Bezeichnungen nach den Wasserzeichen, z. B. Adler, Lilien, Löwen, Propatria etc., oder nach Rang und Qualitäten der Papiersorten: superfein Post, fein Post, Post, fein Kanzlei, Kanzlei, fein Konzept, Konzept, ordinär Konzept, fein Pack, ordinär Pack etc. (wie man die Hadernsorte ebenfalls benannte, woraus die betreffenden Papiere meist ausschließlich gemacht wurden), oder nach Buchstaben oder Zahlen. Als ein Unterschied besteht dann noch die Bezeichnung: "geripptes" und "gleiches" (verge und vélin) P.

Da das P. durch verschiedene Zusätze (erdige Substanzen, Holzschliff u. dgl.) dermaßen an Qualität einbüßt, daß seine Dauerhaftigkeit eine sehr geringe ist, so sind in neuester Zeit besondere Qualitätsnormen für die bei Behörden etc. gebrauchten Papiersorten wissenschaftlich festgestellt und unter anderm von der preußischen Regierung angenommen. Diese Normen gründen sich auf Zusammensetzung, Festigkeit und Dehnbarkeit des Papiers und umfassen zunächst vier Stoffklassen:

Sorte I: Papier nur aus Hadern mit nicht mehr als 2 Proz. Asche, zu Urkunden, Standesamtsregistern, Geschäftsbüchern.

Sorte II: Papier aus Hadern mit Zusatz von Holzzellstoff, Strohstoff, Esparto, aber frei von Holzschliff, mit nicht mehr als 5 Proz. Asche, zu Kanzlei-Mundier, Briefpapier u. dgl. für dauernde Aufbewahrung.

Sorte III: Papier von beliebiger Stoffzusammensetzung, jedoch ohne Holzschliff, mit weniger als 15 Proz. Asche, zu Kanzlei, Mundier-Briefpapier, für kurze Aufbewahrung.