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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pappel, weiße; Pappelbock; Pappelrose; Pappelsalbe; Pappelstein; Pappelweide; Pappenheim

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Pappel, weiße - Pappenheim.

man in Persien oder Zentralasien sucht. Ende des 17. Jahrh. kam ein Exemplar nach Warschau, 100 Jahre später ein männliches Exemplar nach Wörlitz (aus der Lombardei), und von diesem stammen alle deutschen Exemplare ab. Man kennt in ganz Deutschland nur acht weibliche Bäume. Anfänglich in fürstlichen Anlagen gern benutzt, wurde sie später namentlich Alleebaum; wegen der den benachbarten Äckern schädlichen Ausläufer und des vielen auf ihr vorkommenden Ungeziefers aber wird sie in neuerer Zeit weniger angepflanzt. Die kanadische P. (P. canadensis Mnch., P. monilifera Ait.) wird 30 m hoch, bildet eine längliche Krone, hat mehr oder weniger eckige, in der Jugend von Korkrippen kantige Zweige, beim Entfalten klebrige Knospen, rautenförmige, in der Jugend am Rand behaarte Blätter, völlig unbehaarte Blattstiele, stammt aus Nordamerika und kam erst im vorigen Jahrhundert nach Frankreich, von wo sie sich sehr schnell verbreitete. Sie ist ungemein schnellwüchsig und gewährt viel höhere Erträge als die Schwarzpappel. Sie hat letztere bei uns stark zurückgedrängt und ist für Alleen und Parkanlagen sehr empfehlenswert. III. Tacamahaca Spach, Zweige und Knospen klebrig, Blätter rundlich oder länglich; Blattstiele kurz, rundlich, 20-30 Staubgefäße. Die Balsampappel (P. balsamifera. L.) ist ein in Nordamerika, Sibirien und Nordchina heimischer und dort eine Höhe von 25 m erreichender Baum mit länglicher oder eirund-länglicher Krone, rundlichen oder eckigen, braunroten Zweigen, sehr veränderlichen, eirunden oder herzförmigen, mit verlängerter Spitze versehenen, auch länglichen, gesägten, auf der Unterseite weißlichen, in der Jugend mehr oder weniger behaarten Blättern. Sie wird in mehreren Varietäten kultiviert und wurde früher viel an Wegen angepflanzt, während man sie jetzt der vielen Ausläufer halber nur noch wenig benutzt. Die Pappeln haben vor allem einen hohen landschaftlichen (italienische P., Silberpappel) und wegen der schnellen und reichlichen Holzproduktion auch praktischen Wert. Das Holz ist weich, leicht, regelmäßig spaltbar, nur im Trocknen dauerhaft und wird zu manchen Zwecken als Nutzholz, namentlich auch in der Papierfabrikation und zu Zündhölzern, benutzt. Die Knospen der Schwarzpappel und andrer Arten sind sehr balsamisch und dienen zur Bereitung der Pappelsalbe. Die Pappeln sind nicht wählerisch in Bezug auf den Boden und gedeihen fast überall, sie sind unter allen Bäumen am raschwüchsigsten und eignen sich deshalb gut zu Deckpflanzungen und als Mittelpunkt größerer Gruppen. Sie vertragen auch das Köpfen gut (am wenigsten P. alba, tremula und balsamifera) und machen leicht Stockausschlag.

Pappel, weiße, s. Althaea.

Pappelbock, s. Bockkäfer.

Pappelrose, s. Althaea und Lavatera.

Pappelsalbe (Unguentum populeum), veraltetes Arzneimittel, welches durch Digerieren von Schmalz mit Pappelknospen bereitet und gegen Verstauchungen und Hämorrhoidalknoten angewandt wurde.

Pappelstein, s. v. w. Malachit.

Pappelweide, s. v. w. Schwarzpappel, s. Pappel.

Pappenheim, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, Bezirksamt Weißenburg, an der Altmühl und der Linie München-Bamberg-Hof der Preußischen Staatsbahn, 405 m ü. M., ist Hauptort der Herrschaft P. (183 qkm) und hat 2 Schlösser, ein ehemaliges Augustinerkloster mit der Familiengruft der Grafen von P., eine Burgruine, eine wertvolle Petrefaktensammlung, ein Amtsgericht, Bierbrauereien, eine Kunstmühle und (1885) 1790 meist evang. Einwohner. - P. erhielt 1288 durch König Rudolf die Rechte der Stadt Weißenburg. P. ist der Stammsitz des reichsgräflichen Geschlechts von P., das ursprünglich nach der Herrschaft Kalden (bei Kempten) Kalindin (Calatin) hieß und schon im 10. Jahrh. urkundlich vorkommt. Treu zu dem salischen Kaiserhaus und zu den Hohenstaufen haltend, thaten sie sich auch in den Kreuzzügen wie in den Fehden des Reichs überall hervor. Berühmt machte sich namentlich der Marschall Heinrich von Kalindin (s. d.). Die älteste Spur von der Erblichkeit des Reichsmarschallamtes findet sich in Urkunden von 1197 und 1298; Kaiser Ludwig der Bayer bestätigte 1334 Rudolf V. von P. im Besitz desselben. Die Goldene Bulle Karls IV. nennt einen von P. als den für den Reichserzmarschall, den Kurfürsten von Sachsen, fungierenden Vizemarschall. Mit Bezug auf das Reichsamt und die Lehen bestand in der Familie seit 1473 ein Seniorat; doch führte jeder Graf von P. den Titel Reichserbmarschall. Außerdem besaß die Familie P. das Reichsforst- und Jägermeisteramt im Nordgau. Erst 1618 ließ sie sich wegen der Landgrafschaft Stuhlingen ^[richtig: Stühlingen], mit der Graf Konrad 1582 belehnt war, in das schwäbische Grafenkollegium einführen, und seitdem schrieben sich ihre Glieder Grafen und Herren zu P. 1806 kam die Herrschaft unter bayrische Hoheit. 1807 bewilligte der König von Bayern der Familie die Standesherrlichkeit. Für den Verlust des Reichserbmarschallamtes wurde das Haus P. 1815 durch Besitzungen im bisher französischen Saardepartement entschädigt, überließ dieselben jedoch für Geld an Preußen. Ein Dekret des Königs von Bayern vom 5. Dez. 1818 ernannte das jedesmalige Haupt der Familie zum erblichen Reichsrat mit Sitz und Stimme in der bayrischen Kammer der Reichsräte, und ein andres verlieh 1831 dem jedesmaligen Chef des Hauses das Prädikat "Erlaucht". Von den vier Linien des Hauses P., die im 15. Jahrh. entstanden, erloschen die zu Gräfenthal, Algöw und Treutlingen schon früher; dagegen blüht die von Altzheim noch in dem protestantischen Zweig. Haupt desselben ist gegenwärtig Graf Maximilian von P., geb. 15. Febr. 1860, bayrischer Reichsrat, Sohn des Grafen Ludwig von P. (geb. 5. Dez. 1815, gest. 2. Aug. 1883).

Pappenheim, 1) Gottfried Heinrich, Graf von, kaiserl. Feldherr im Dreißigjährigen Kriege, geb. 29. Mai 1594 aus der Treutlinger Linie des Geschlechts der von P. auf deren Stammburg, besuchte seit seinem 14. Jahr die Hochschule Altdorf und ward zwei Jahre später zum Rector Magnifikus derselben ernannt. Nach Vollendung seiner Studien in Tübingen bereiste er Frankreich, England, Spanien und Italien, kehrte 1614 nach Deutschland zurück, trat zur katholischen Kirche über und ward vom Kaiser Matthias zum Reichshofrat ernannt. Nachdem er im Heer des Königs Siegmund von Polen gedient und den Pseudo-Demetrius auf seinem Zug nach Rußland unterstützt hatte, trat er in die Dienste des Kurfürsten Maximilian von Bayern, des Oberhauptes der katholischen Liga. In dem Kürassierregiment seines Stiefvaters, des Grafen Adam von Herbersdorf, welcher bayrischer Oberst und Statthalter zu Linz war, zog er 1620 als Oberstleutnant mit dem bayrischen Hilfskorps gegen die empörten Böhmen. Der ungestüme Mut, mit welchem er in der Schlacht am Weißen Berg an der Spitze der bayrischen Reiterei auf das Infanterieregiment des Grafen Schlick eindrang, trug nicht wenig zur Entscheidung des Siegs bei;