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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Par nobĭle fratrum; Parnell; Parnes; Parnitz; Parny; Parochīe; Parŏchus; Parodīe

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Parnell - Parodie.

großen Militärübungen der im Brucker Lager (an der Leitha) konzentrierten Truppen abgehalten. Am 16. Dez. 1848 fand hier ein Gefecht zwischen Österreichern und Ungarn statt. Das Dorf P. hat 2558 Einw. und ist Station der Ungarischen Staatsbahn.

Parnell, Charles Stewart, irischer Agitator, geb. 1846 zu Avondale in der Grafschaft Wicklow als Sohn des Gutsbesitzers John Henry P., aus englischer protestantische Familie, studierte zu Cambridge, übernahm 1871 das väterliche Gut und ward 1875 für South Meath ins Parlament gewählt. Innerhalb der Partei der Homeruler, welcher er sich anschloß, gehörte er zu den entschiedensten Gegnern der englischen Herrschaft. In dem kleinen Häuflein der sogen. Obstruktionisten, welche durch systematische Verzögerung aller parlamentarischen Geschäfte die Regierung zwingen wollten, die irischen Wünsche zu erfüllen, spielte P. schon nach kurzer Zeit die erste Rolle, und seine demagogische Beredsamkeit machte ihn in der Heimat zum populärsten der Abgeordneten Irlands. Als 1879 der ungünstige Ausfall der Ernte einen Notstand in Irland befürchten ließ, trat P. an die Spitze einer Agitation, der Landliga, welche sich eine radikale Reform der Grundbesitzverhältnisse zur Aufgabe stellte, und begab sich im Januar 1880 nach Amerika, um die dortigen Iren zu kräftiger Unterstützung der irischen Sache anzufeuern. Er wurde dort mit Begeisterung aufgenommen und erlangte ansehnliche Geldmittel. Heimgekehrt, wurde er nach den Neuwahlen 17. Mai 1880 zum Führer der auf 68 Mitglieder angewachsenen Homerulepartei gewählt. Nach dem Schluß der Parlamentssession und nach Verwerfung der von der Regierung Angebrachten Bill zum Schutz irischer Pachter (August 1880) entfaltete die von P. gestiftete und geleitete Landliga eine ungemeine Thätigkeit. P. selbst wurde als der "ungekrönte König" der grünen Insel gefeiert. Die Regierung klagte ihn des Landesverrats an, konnte aber von den Geschwornen keine Verurteilung erreichen. Im Oktober 1881 ließ sie ihn verhaften und im Kilmainhamgefängnis in Dublin einkerkern, gab ihn aber im Mai 1882 frei, nachdem er gegen Zugeständnisse in der Pachtfrage Mäßigung versprochen hatte. Als Anerkennung für seine Verdienste wurden 1883-84 von den Iren 40,000 Pfd. als Fonds für P. gesammelt. Bei den Neuwahlen 1885 brachte er seine Anhänger im Parlament, die Parnelliten, auf die Zahl von 85 und unterstützte die Konservativen, wodurch er Gladstones Sturz herbeiführte. Er spielt seitdem eine maßgebende Rolle im Parlament und wußte Gladstone 1886 dazu zu bringen, daß dieser und die entschieden Liberalen die wesentlichen Punkte seines Homeruleprogramms, ein irisches Parlament und legislative Unabhängigkeit Irlands, annahmen. Parnells kühler, berechnender Verstand, seine Selbstbeherrschung, sein zäher Wille und seine Beredsamkeit sichern ihm die Führerschaft der irischen Partei. Vgl. O'Connor, The P. movement (1886).

Parnes (chald.), jüd. Gemeindevorsteher.

Parnes, ein bis 1413 m ansteigendes Waldgebirge im nördlichen Teil von Attika, eine östliche, bis zum Meer bei Rhamnus sich hinziehende Fortsetzung des Kithäron, war sehr wald- und wildreich (Wildschweine, Bären) und trug auf seinem Gipfel eine Erzstatue sowie einen Altar des Zeus. Jetzt Nozea.

Parnitz, einer der beiden Arme, in welche sich derjenige Oderarm, der nach der ersten Trennung des Hauptstroms bei Garz den Namen Oder fortführt, bei Stettin zerteilt.

Par nobĭle fratrum (lat.), "ein edles Bruderpaar", Citat aus Horaz' Sat., II, 3, 243, durchgängig in ironischem Sinn gebraucht.

Parny, Evariste Désiré Desforges, Vicomte de, franz. Dichter, geb. 6. Febr. 1753 auf der Insel Bourbon, kam als Kind nach Frankreich, schlug die militärische Laufbahn ein und zog sich, nachdem er als Offizier in Ostindien gedient hatte, auf ein Landgut zwischen St.-Germain und Marly zurück, wo er mit gleichgesinnten Genossen sich der Poesie, der Liebe und dem Wein ergab. Durch die Revolution um sein Vermögen gebracht, sah er sich genötigt, untergeordnete Ämter anzunehmen; erst 1813 erhielt er von Napoleon eine Pension. Seit 1803 Mitglied des Instituts, starb er 5. Dez. 1814. P., welcher von seinen Zeitgenossen für den ersten klassischen Dichter des Zeitalters Ludwigs XVI. gehalten wurde, den Voltaire seinen "lieben Tibull" nannte, und zu dessen Bewunderern Chateaubriand, Béranger und Lamartine gehörten, ist bedeutend überschätzt worden. Berühmt wurde er durch seine "Poésies érotiques" (1778), entstanden infolge einer unglücklichen Liebe, aber erst durch die Ausgabe von 1781 ein einheitliches und wohlgeordnetes Werk. Seine frivole Sinnlichkeit zeigt sich besonders in dem "Portefeuille volé" (1805; enthaltend: "Les déguisements de Vénus", "Les galanteries de la Bible" und "Le paradis perdu"), in "Le voyage de Céline", "Les Rose-Croix" (1808) u. a. Der Erfolg seines cynischen und gottlosen Gedichts "La guerre des dieux" in 10 Gesängen (1799; 1827 verboten, aber dennoch öfter wieder aufgelegt, z. B. 1830; n. A. Brüss. 1886) bewog den Autor, es um 14 Gesänge zu vermehren. Von diesem Werk, "La Christianide" genannt, sind aber nur Bruchstücke gedruckt worden; die Regierung der Restauration soll das Manuskript angekauft und vernichtet haben. Parnys Werke erschienen 1808, 5 Bde.; 1830, 4 Bde.; von Béranger herausgegeben, 1831, 4 Bde.; eine Auswahl von Boissonade 1827. "Œuvres inédites de P." veröffentlichte Tissot (1826, 2 Bde.). Eine neue Ausgabe seiner "Poésies complètes" erschien 1887.

Parochīe (griech.), Kirchsprengel, in der alten christlichen Kirche der gesamte bischöfliche Sprengel, also s. v. w. Diözese, seit dem 5. Jahrh. die einzelne, selbständige Kirchengemeinde, deren Mitglieder Parochianen heißen, und welcher die Beschaffung aller zur Erhaltung des Kirchen- und Pfarrwesens nötigen Mittel (Parochiallasten) zukommt. Der Geistliche einer solchen Genossenschaft heißt Parochus (Pfarrer). Nächst der Mutterkirche (Parochialkirche, Pfarrkirche) umfaßt eine P. oft mehrere Filialkirchen oder eingepfarrte Gemeinden. Parochialschule heißt die gemeinschaftliche Schule eines ganzen Kirchspiels im Gegensatz zu Schulen für einzelne Orte ohne Kirche. S. Kirchengemeinde, Kirchspiel.

Parŏchus (griech.), Pfarrer, s. Parochie.

Parodīe (griech., "Gegengesang"), in der Rhetorik die Umformung einer ernstlich gemeinten Rede eines andern in eine scherzhafte, satirische Phrase unter möglichster Beibehaltung derselben Worte; in der Poetik eine besondere satirische Dichtungsart, in welcher ein ernst gemeintes poetisches Erzeugnis dadurch lächerlich gemacht wird, daß seine äußere Form beibehalten, aber derselben ein andrer (zu ihr nicht passender) Inhalt gegeben wird, während bei der Travestie (s. d.) das Umgekehrte geschieht, d. h. der Inhalt beibehalten und demselben ein andre (zu ihm nicht passende äußere) Form gegeben wird. Beide haben das Gemeinsame, daß sie durch den Kontrast