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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pasch - Pas de Calais.

Pasch (niederländ.), im Würfelspiel Wurf von gleich viel Augen auf zwei oder drei Würfeln; im Dominospiel Stein mit Doppelzahl.

Pascha (türk., "Fuß des Schahs"), Titel für hohe türkische Militärs und Beamte. Ursprünglich wurde dieser Titel in jedem einzelnen Fall vom Großherrn besonders verliehen und zwar ohne Unterschied des Standes an Männer, die sich um den Staat verdient gemacht hatten. Später wurde der Titel rein militärisch. Man unterschied damals drei Rangstufen der Paschas: von drei, zwei und einem Roßschweif, nach dem Feldzeichen, welches den betreffenden Paschas vorausgetragen wurde. P. von drei Roßschweifen war der Muschir (General der Infanterie, s. Muschir), von zwei der Divisionsgeneral (Ferik), von einem Roßschweif der Brigadegeneral (Liwa). Die Roßschweife sind vom Sultan Mahmud II. abgeschafft worden, die drei Rangstufen bestehen jedoch zur Zeit noch. Gegenwärtig ist der Paschatitel ebenfalls noch mit der Generalswürde verbunden, nicht minder obligatorisch mit einigen bestimmten Zivilämtern, z. B. den Gouverneuren der Provinzen (Walis). Mit dem Amt eines Ministers, Botschafters, Gesandten etc. ist er nicht notwendig verbunden. Auch der Scheich ul Islam ist niemals P., sondern führt trotz seines Ranges als Hoheit den Titel Efendi: Dagegen kann der Sultan die Paschawürde auch selbständig und allein verleihen. Keineswegs entspricht der Ehrentitel P. unsrer Exzellenz. Die offizielle Exzellenz erstreckt sich bis auf die erste Klasse der Ulas.

Páscha, flößbarer Fluß in Rußland, entspringt im Gouvernement Nowgorod und ergießt sich nach einem 212 km langen Laufe, von denen 45 km schiffbar, im Gouvernement St. Petersburg in den Ladogasee.

Paschah, jüd. Fest, s. Passah.

Paschalik (türk.), die einem Pascha untergeordnet Provinz oder Gegend.

Paschalis, Name mehrerer Päpste: a) P. I., ein Römer, war Abt im Benediktinerkloster bei St. Peter in Rom, dann Kardinalpriester und bestieg 25. Jan. 817 den päpstlichen Stuhl. Als Ludwigs des Frommen Sohn Lothar 823 nach Italien kam, empfing er denselben in Rom mit allen Ehren und krönte ihn zum Kaiser. Da aber einige Anhänger der fränkischen Partei mit Vorwissen des Papstes im Lateran enthauptet wurden, so mußte sich P. einer Untersuchung unterwerfen und sich durch einen Eid von der Anklage reinigen. Er starb im Mai 824. -

b) P. II., eigentlich Rainieri, geboren zu Biedo bei Viterbo, ward Mönch zu Clugny, unter Gregor VII. Kardinalpriester und 13. Aug. 1099 gegen seinen Willen auf den päpstlichen Stuhl gehoben. Er besaß zwar dieselben Grundsätze, aber nicht die gleiche Energie wie sein Vorgänger und zeigte sich äußerst nachgiebig gegen Frankreich und England. Fester trat er gegen Deutschland auf; auf dem Laterankonzil bestätigte er den Bann gegen Heinrich IV. und reizte dessen zweiten Sohn, Heinrich, zur Empörung auf. Sobald aber Heinrich V. den Kaiserthron bestiegen hatte, nahm dieser die alten Rechte über die Kirche wieder in Anspruch, zog 1110 nach Italien, wo P. in einem Vertrag, um die weltliche Investitur nicht zugesehen zu müssen, auf alle weltlichen Güter und Rechte der Kirche verzichtete, und nahm den Papst, als er wegen des Widerstandes der Geistlichkeit den Vertrag nicht halten konnte, in der Peterskirche zu Rom nebst 22 Kardinälen 1111 gefangen. Auf einem Schloß bei Rom zwei Monate in Haft gehalten, mußte P. endlich die weltliche Investitur zugestehen und Heinrich V. krönen. Auf einer Lateransynode 1112 ward jedoch dieser Vergleich für erpreßt und daher für ungültig erklärt. Seinem Versprechen gemäß that zwar P. den Kaiser nicht selbst in den Bann, ließ es aber durch seinen Legaten Guido von Vienne thun. Überdies brach nach dem Tode der Markgräfin Mathilde von Tuscien 1115 über deren Güter ein neuer Streit zwischen Kaiser und Papst aus. Als Heinrich 1117 wiederum nach Rom zog, entwich P. nach Unteritalien, kehrte aber nach Heinrichs Abzug mit Hilfe der Normannen nach Rom zurück. Er starb 21. Jan. 1118. Vgl. Schmitz, Der englische Investiturstreit (Innsbr. 1884). -

c) P. III., eigentlich Guido, Sprößling einer vornehmen Familie zu Cremona, wurde nach Viktors II. Tod 1164 von der kaiserlichen Partei als Gegenpapst gegen Alexander III. gewählt, krönte 1166 den Kaiser nebst seiner Gemahlin und blieb bis zu seinem Tod, 20. Sept. 1168, im Besitz des päpstlichen Stuhls.

Paschasius Radbertus, Abt des Klosters Korvei 844-851, starb um 865; lehrte zuerst in der Schrift "De corpore et sanguine Domini" die Brotverwandlung beim Abendmahl (s. d.) und verteidigte in seinem Buch "De partu virginis" eine wunderbare, schmerzlose Entbindung der Maria. Seine Werke wurden herausgegeben in der "Bibliotheca patrum" (Bd. 14). Vgl. Hauscher, Paschasius Radbertus (Mainz 1862); Sardemann, Der theologische Lehrgehalt der Schriften des P. R. (Marb. 1877).

Paschen, in der Gaunersprache s. v. w. schmuggeln, Schleichhandel treiben; Pascher, Schmuggler.

Paschen, Karl, deutscher Admiral, geb. 9. Juni 1835 zu Schwerin, besuchte die Marineschule zu Triest, trat 1853 als Kadett in die österreichische Marine, wurde 1854 Offizier, machte 1864 das Gefecht bei Helgoland und 1866 die Schlacht von Lissa mit, ging 1867 als Kapitänleutnant in die deutsche Marine über, befehligte 1868-70 die Korvette Leipzig auf einer zweijährigen Reise nach Ostasien, ward 1880 Dezernent in der Admiralität, dann Kommandeur der Werftdivision in Kiel und erhielt 1884 mit dem Titel Kommodore den Oberbefehl über das ostasiatische, 1885 über das ostafrikanische Geschwader, mit dem er den Sultan von Sansibar zur Anerkennung der deutschen Schutzherrschaft in Ostafrika zwang. Er ist jetzt Konteradmiral und Vorstand des hydrographischen Amtes der Admiralität.

Paschmalik (richtiger Baschmaklik, v. türk. baschmak, Pantoffel), "Pantoffelgeld", eigentlich Nadelgeld der Frauen in der Türkei. Dasselbe beläuft sich bei höhern Familien auf bedeutende Summen; im Harem des Sultans haben einzelne Frauen zu diesem Behuf die Steuern gewisser Ländereien oder die Zolleinnahmen von Handelsstädten erhalten.

Pascholl (russ.), vorwärts!

Paschtu (Puschtu), einheimischer Name für die Sprache der Afghanen (s. Afghanistan, S. 144).

Pasco, s. Cerro de Pasco.

Pas de Calais (spr. pa d'kaläh, engl. Strait of Dover), die nach der Stadt Calais benannte Meerenge, welche als engster Teil des Kanals La Manche die östliche Südküste Englands von dem östlichen Teil der Nordküste Frankreichs trennt und den Atlantischen Ozean mit der Nordsee verbindet. Sie reicht auf der englischen Küste von Folkestone bis Dover, auf der französischen vom Kap Grisnez bis zum Hafen von Calais; ihre Breite zwischen Calais und Dover beträgt 42 km, an welcher Stelle auch ein submariner Telegraph England mit dem Kontinent verbindet.

Das von der Meerenge bespülte und nach ihr benannte französische Departement, gebildet aus der