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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pastor - Patagonien.

(2544 m ü. M.) gelegen, mit höherer Schule, Seminar, Fabrikation von Wollenstoffen und Hüten und (1870) 10,049 Einw. - P. wurde 1539 gegründet und 1827 durch ein Erdbeben verwüstet; es ist immer Mittelpunkt der klerikalen Partei gewesen.

Pastor (lat., "Hirt"), s. v. w. Seelsorger, Geistlicher, besonders evangelischer; P. loci, Ortsgeistlicher; P. primarius, erster Pfarrer, Hauptpastor.

Pastor, Vogel, s. Hirtenstar.

Pastorāl (lat.), hirtenmäßig, idyllisch; das Hirten- oder Landleben schildernd; den Pastor und sein Amt betreffend.

Pastorālbriefe, im Neuen Testament die Briefe des Apostels Paulus an seine Gehilfen Timotheus und Titus, worin diese Instruktionen für die Amtsführung bei ihren Gemeinden erhalten. Ihre Echtheit wird von der wissenschaftlichen Kritik in Abrede gestellt. Vgl. Holtzmann, Die P. (Leipz. 1880).

Pastorale (ital.), eigentlich s. v. w. Hirtenstück, d. h. ländliche Szene, kommt zuerst als Name kleiner Bühnenstücke und zwar schon vor der Erfindung des Stilo rappresentativo (s. Oper, S. 398) vor und wurde später Bezeichnung für das kleinere idyllische Genre der Oper. Auch Instrumentalstücke, die etwa an ein Musizieren der Hirten auf der Schalmei u. dgl. erinnern, einfach in Rhythmus, Melodie u. Modulation gehalten, in der Regel im ungeraden Takt, heißen Pastorales.

Pastoralĭen (lat.), die Amtsgeschäfte eines Geistlichen, mit Ausnahme der Predigten und Kasualreden.

Pastorālring (Annulus pastoralis episcopalis), der geweihte Ring, welcher bereits im 4. Jahrh. dem Bischof bei der Konsekration übergeben wurde. Er trug ihn ehedem am Zeigefinger, seit dem 9. Jahrh. am Ringfinger der rechten Hand. Wie der Stab die Macht, so soll der Ring die Vermählung des Bischofs mit seiner Diözese andeuten.

Pastorāltheologie (lateinisch-griech., Pastoralwissenschaft, praktische geistliche Disziplin), die wissenschaftliche Darstellung der Grundsätze, welche der Geistliche als Seelsorger zu befolgen hat. Die hier zur Geltung kommenden Grundsätze werden wohl auch als Pastoralweisheit oder, nicht ohne zweideutige Nebenbeziehung, als Pastoralklugheit bezeichnet. Das Beste auf diesem Gebiet wurde neuerlich von Hüffell, Harms, Nitzsch, Palmer, Vilmar und Schweizer ("P.", Leipz. 1879) veröffentlicht.

Pastorāt (lat.), Amt und Amtswohnung eines Pastors.

Pastōs (ital. pastoso, franz. pâteux, "teigartig") bezeichnet in der Malerei das fette Auftragen von Farben übereinander zur Herbeiführung plastischer Wirkung und größerer Leuchtkraft. Die pastose Malweise ist durch die venezianischen Koloristen (Tizian und seine Nachfolger) eingeführt, durch Rubens und Rembrandt weiter ausgebildet worden und in der modernen Malerei allgemein üblich, wobei natürlich die beabsichtigte Wirkung in Betracht zu ziehen ist. Allzu starkes Auftragen von Farben wird im Atelierjargon "mauern" genannt. Den Gegensatz bildet das Lasieren (s. d.); vgl. auch Impasto. - In der Medizin bedeutet p. (pastös) s. v. w. gedunsen, aufgeschwemmt und wird vom Aussehen lymphatischer Individuen gebraucht, welche weite Saftkanäle der Haut und Überschuß von Lymphe besitzen.

Pastourelle (franz., provençal. pastorela, pastoreta, "Schäferin, Schäferlied"), in der altfranzösischen und provençalischen Litteratur ein lyrisches Gedicht, das in der Regel einen Dialog zwischen einem werbenden Ritter und einer Schäferin enthält oder Szenen aus dem Schäferleben darstellt, meist durch kunstvolle Form und natürliche Anmut der Sprache ausgezeichnet, nicht selten aber auch ins Schlüpfrige ausartend. Eine Sammlung derselben veröffentlichte Bartsch ("Altfranzösische Romanzen und Pastourellen", Leipz. 1870). Vgl. Gröber, Die altfranzösischen Romanzen u. Pastourellen (Zür. 1872).

Pastrieren, s. v. w. Pasteurisieren.

Pästum (früher Poseidonia), eine von den Sybariten an der Westküste Lukaniens gegründete Kolonie, lag ursprünglich südlich von der Mündung des Silarus, am Golf von P., wurde aber der sumpfigen Gegend wegen weiter ins Innere gerückt und gelangte bald zu Größe und Reichtum. Um 400 v. Chr. mußte sie sich den Lukanern unterwerfen und verlor dadurch nach und nach ihren griechischen Charakter. Unter der Herrschaft der Römer, die P. 273 durch Latiner kolonisierten, sank die Stadt immer mehr, und nur die schönen Rosen der Umgegend erhielten ihr Andenken. 871 n. Chr. ward sie von den Sarazenen zerstört. Noch stehen aber die bedeutenden Ruinen von zwei altgriechischen Tempeln im dorischen Stil (Neptun- und Cerestempel), den besterhaltenen in Europa, und einer durch eine Säulenreihe in der Mitte geteilten Säulenhalle (sogen. Basilika) und andre Baureste (Stadtmauer, Aquädukt etc.), welche erst seit 1745 genauer bekannt geworden sind. Jetzt befindet sich hier das zur Gemeinde Capaccio (s. d.) der Provinz Salerno gehörige Dörfchen Pesto mit (1881) 1642 Einw., Station der Eisenbahnlinie Battipaglia-Agropoli. Vgl. Delagardette, Les ruines de P. (Par. 1799; neuer Abdruck 1840, 14 Tafeln); Labrouste, Les temples de P. (das. 1878, 21 Tafeln).

Pasture (engl., spr. pástschör), Weide, Weideplatz, besonders in Nordamerika ein eingefenzter Raum in der Nähe des Hofs für Vieh und Pferde.

Pasuruan ("Betelgarten"), niederländ. Residentschaft im Ostteil von Java, 5308 qkm (96,4 QM.) groß mit (1886) 826,924 Einw., darunter 1507 Europäer, 5910 Chinesen und 935 Araber, wird vom Brantas bewässert und liefert in dem schön gelegenen Malang den besten Kaffee und Tabak Javas. Auf der Ostseite liegt das Tengergebirge mit seiner merkwürdigen, dem Brahmanismus noch ergebenen Bevölkerung, der Vulkan Bromo (2651 m) und der sogen. Landsee. Die Insel Sempu an der Südküste ist reich an eßbaren Vogelnestern. Hauptort und Regierungssitz ist die Stadt P., an der Eisenbahn Surabaja-Malang, mit 20,000 Einw. und einem von europäischen Handelsschiffen vielbesuchten Hafen.

Pata, Insel, s. Patta.

Pataca (Peça), brasil. Silbermünze, = ⅓ Patacão = 1,4792 Mark; in Portugal Name des span. Piasters; in Ägypten und Abessinien Name des sogen. Mariatheresienthalers (s. d.).

Patache (spr. -tātsche), Hafenort der Provinz Tarapacá des südamerikan. Staats Chile, unter 20° südl. Br., zwischen Pabellon und Punta de Lobos, mit (1876) 4693 Einw. und Ausfuhr von Guano.

Patagones, Stadt, s. Carmen de Patagones.

Patagonĭen, das südlichste Land des amerikan. Kontinents, zwischen dem Atlantischen und dem Großen Ozean, im N. durch den Rio Negro von den Argentinischen Staaten getrennt, erstreckt sich von 39° 50' bis 55° 34' südl. Br. (Kap Froward) und hat ohne Feuerland, aber mit den an der Westküste liegenden Inseln, mit Einschluß von Chiloe, einen Flächenraum von 844,895 qkm (15,344 QM.), wovon auf das Festland 793,775 qkm (14,415,8 QM.) kommen. Die Ostküste ist wenig einladend und durch heftige Strömungen und Wirbel den Schiffern gefährlich.