Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

910

Peter der Ehrwürdige - Peterloo.

die "Scriptores historiae Augustae" (2. Aufl., Leipz. 1884, 2 Bde.) sowie die "Veterum historicorum romanorum reliquiae" (das. 1870, Bd. 1), Ovids "Fasti" (2. Aufl., das. 1879) und "Historicorum romanorum fragmenta" (das. 1883) heraus und schrieb: "Die Quellen des Plutarch" (Halle 1868).

Peter der Ehrwürdige, s. Petrus Venerabilis.

Peter von Amiens (P. der Einsiedler oder der Eremit), der Geistliche, welcher nach gewöhnlicher Überlieferung, durch eine Vision in der Kirche des Heiligen Grabes begeistert, die abendländische Christenheit zum ersten Kreuzzug entflammt haben soll. Als geschichtliche Thatsache bleibt bestehen, daß P., der aus der Gegend von Amiens stammte, schon vor 1095 eine Wallfahrt nach Palästina antrat, zwar Jerusalem nicht erreichte, aber durch seine feurige Beredsamkeit das Volk in Mittel- und Nordfrankreich so begeisterte, daß eine große Menge niedern Volkes sich ihm anschloß, mit der er durch Deutschland die Donau abwärts vor Konstantinopel zog. Die ungeduldigen Kreuzfahrer zwangen ihn, sie über den Bosporus zu führen, worauf sie bei Nikäa von den Seldschukken vernichtet wurden (Oktober 1096). Er schloß sich hierauf dem Kreuzheer des Herzogs Gottfried an. Nach der Eroberung von Jerusalem kehrte er nach dem Abendland zurück und starb 8. Juli 1115 als Prior des von ihm begründeten Augustinerklosters zu Huy. Vgl. Hagenmeyer, P. der Eremit (Lpz. 1879).

Peter von Aspelt (Aichspalter), Erzbischof von Mainz, von geringer Herkunft, aus dem Dorf Aspelt im Luxemburgischen gebürtig, erlangte in der Heilkunde so tüchtige Kenntnisse, daß er Leibarzt König Rudolfs I. wurde. Auch der Papst Nikolaus IV., den er von einer Krankheit geheilt, schenkte ihm seine Gunst und verlieh ihm mehrere Pfründen. 1296 wurde er Bischof von Basel und 1305 Erzbischof von Mainz. Ehrgeizig und geschickt, übte er fortan einen maßgebenden, aber nicht immer heilsamen Einfluß auf die Geschicke Deutschlands aus. Das Haus Habsburg haßte er, weil er als Baseler Bischof mit Albrecht I. in Streit geraten, und reizte 1308 Johann von Schwaben zu dessen Ermordung an. Er verhalf nicht nur 1307 Balduin von Luxemburg zum Erzbistum Trier, sondern auch dessen Bruder Heinrich 1308 zur Kaiserkrone. Ferner bewirkte er 1310 die Wahl von dessen Sohn Johann zum König von Böhmen, krönte ihn 7. Febr. 1311 in Prag und führte eine Zeitlang für ihn die Regierung. 1314 vereitelte er wiederum die Hoffnungen der Habsburger auf den Thron, indem er an der Spitze der luxemburgischen Partei die Wahl Ludwigs von Bayern zu stande brachte. In seinem Stift hielt er strenge Kirchenzucht und vermehrte das Vermögen desselben durch königliche Schenkungen und Käufe beträchtlich. Er starb 4. Juni 1320. Vgl. Heidemann, P. v. A. (Berl. 1875).

Peter von Bruys, s. Bruys.

Peter von Dusburg, preuß. Geschichtschreiber des Mittelalters, aus Duisburg a. Rh. gebürtig und Priesterbruder des Deutschen Ritterordens, verfaßte ein "Chronicon terrae Prussiae", welches er 1326 dem Hochmeister Werner von Orseln widmete; dasselbe behandelt die Geschichte des Deutschen Ordens bis zu seiner Zeit und ist die Grundlage der Geschichtschreibung des Deutschen Ordens in Preußen geworden. Herausgegeben ist es von M. Töppen in den "Scriptores rerum prussicarum", Bd. 1 (Leipz. 1861), besonders bekannt geworden durch die deutsche metrische Bearbeitung des Nikolaus Jeroschin (s. d.). Vgl. Töppen, Geschichte der preußischen Historiographie von P. bis auf Kaspar Schütz (Berl. 1853).

Peter von Zittau, mittelalterlicher Geschichtschreiber, geboren zu Zittau, trat 1303 als Novize in das Cistercienserkloster Königsaal in Böhmen und wurde 1316 Abt des Klosters. Er starb 1339. P. verfaßte eine schon von seinem Vorgänger, dem Abt Otto, begonnene, zum Teil in leoninischen Versen geschriebene Chronik von Königsaal (Chronicon aulae regiae), die für die Zeitgeschichte sowohl Deutschlands als Böhmens wertvoll ist (hrsg. von J. ^[Johann] Loserth in "Fontes rerum austriacarum, Scriptores", Bd. 8, Wien 1875).

Peterborough (spr. pihterbörro), 1) Stadt in Northamptonshire (England), am Nen, Bischofsitz (seit 1541), hat eine schöne, großenteils 1117-40 erbaute Kathedrale anglonormännischen Stils, deren Turm 1882 abgetragen werden mußte, mit bewundernswerter Westfassade, ein Lehrerseminar, eine Lateinschule, ein Theater, Börse, Wollmanufakturen, lebhaften Handel mit Getreide, Holz, Steinkohlen etc. und (1881) 21,219 Einw. P. (lat. Petuaria) verdankt seinen Ursprung einer berühmten, 655 von den Sachsen gegründeten Benediktinerabtei, die während der Bürgerkrieg zerstört ward. 7 km westlich davon Castor, mit Resten der römischen Station Durobrivä. - 2) Stadt in der britisch-nordamerikan. Provinz Ontario, am obern Trent (Zufluß des Ontariosees), mit (1881) 6812 Einw.

Peterhead (spr. piterhédd), Hafenstadt in Aberdeenshire (Schottland), an der Nordsee, ein Hauptsitz des britischen Walfischfanges und Robbenschlages, mit Schiffswerften, Granitschleifereien, lebhaftem Küstenhandel (1886 Einfuhr 41,405 Pfd. Sterl., Ausfuhr 397,466 Pfd. Sterl.) und (1881) 10,953 Einw. P. besitzt (1886) 57 Seeschiffe von 6587 Ton. Gehalt und 1120 Fischerboote. P. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Peterhof, Kreisstadt und kaiserliche Sommerresidenz im russ. Gouvernement St. Petersburg, am südlichen Ufer des Finnischen Meerbusens, mit Petersburg durch Dampfschiffe und die nach Oranienbaum führende Eisenbahn verbunden, besteht aus zwei Teilen: Alt- und Neu-P., hat ein kaiserliche Schloß mit wertvoller Gemäldesammlung, 8 Kirchen (darunter eine lutherische), schöne Datschen (Villen), eine kaiserliche Steinschleiferei und 7954 Einw., im Sommer in der Regel bedeutend mehr. Peter d. Gr. gründete hier 1711 zuerst eine Sommerresidenz. Das terrassenförmig zum Meer absinkende Terrain begünstigte die Anlage prachtvoller, im Geschmack von Versailles gehaltener Gärten und großartiger, kunstvoller Wasserleitungen. Am Geburtstag der Kaiserin Alexandra (gest. 1860) fand hier ehedem jeden 1. (13.) Juli das weltberühmte Fest statt, zu dem sich mehr als 100,000 Personen einzufinden pflegten, um den feenhaften Anblick der Kaskaden, Fontänen, Nymphen, Tritonen etc. bei voller Illumination des Gartens zu genießen. Auch gegenwärtig hält sich die kaiserliche Familie einen Teil des Sommers hier auf. Bemerkenswert sind außer dem Schloß die in den weitläufigen Parken gelegenen Landhäuser Monplaisir, Marly und Eremitage (sämtlich von Peter d. Gr. erbaut), die Ferme, wo Alexander II. gern weilte; in der Nähe das Lustschloß Alexandria, von Alexander III. öfters bewohnt, und im obern Park das von Nikolaus in klassischem Stil erbaute Schloß Babygon mit umfassender Aussicht.

Peterlein, s. v. w. Petersilie.

Peterlingen, Ort, s. Payerne.

Peterloo (spr. pīterlo), ehedem ein Platz in Manchester (jetzt verbaut), auf welchem 16. Juli 1819 eine Volksversammlung stattfand, die durch Waffengewalt gesprengt wurde (P.-Massacre).