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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pettigrew; Pettinet; Petto; Petulánz; Petunia; Petuntse; Petzholdt; Petzold; Peu à peu; Peucedanum; Peucer

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Pettigrew - Peucer.

P. selbst begann mit Voit umfangreiche Arbeiten über Respiration und Ernährung der Tiere und des Menschen und trug durch dieselben wesentlich bei zur Förderung der Lehre vom Stoffwechsel. Auf seine Anregung wurden an den bayrischen Universitäten Lehrstühle für Hygieine errichtet und ihm selbst 1865 dieses Fach in München übertragen. Durch seine Arbeiten ist P. Begründer der experimentellen Hygieine geworden, die er selbst nach vielen Richtungen gefördert hat. 1873 war er Vorsitzender der vom Reichskanzler berufenen Cholerakommission. Er schrieb: "Untersuchungen und Beobachtungen über die Verbreitungsart der Cholera" (Münch. 1855); "Hauptbericht über die Choleraepidemie von 1854 in Bayern" (das. 1857); "Über den Luftwechsel in Wohngebäuden" (das. 1858); "Die atmosphärische Luft in Wohngebäuden" (Braunschw. 1858); "Choleraregulativ" (mit Griesinger und Wunderlich, Münch. 1866); "Über Ölfarbe und Konservierung der Gemäldegalerien" (2. Aufl., Braunschw. 1872); "Verbreitungsart der Cholera in Indien" (das. 1871); "Zur Ätiologie des Typhus" (Münch. 1872); "Beziehungen der Luft zu Kleidung, Wohnung und Boden" (4. Aufl., Braunschw. 1877); "Was man gegen die Cholera thun kann" (Münch. 1873); "Über Nahrungsmittel und über den Wert des Fleischextrakts" (2. Aufl., Braunschw. 1876); "Über den Wert der Gesundheit für eine Stadt" (3. Aufl., das. 1877); "Über den gegenwärtigen Stand der Cholerafrage" (Münch. 1873 u. 1887); "Künftige Prophylaxis gegen Cholera" (das. 1875); "Vorträge über Kanalisation und Abfuhr" (das. 1880); "Der Boden und sein Zusammenhang mit der Gesundheit des Menschen" (Berl. 1882). Ein großes Handbuch der Hygieine erscheint unter seiner und Ziemßens Leitung (Leipz. 1882 ff.). Mit Buhl, Radlkofer und Voit gibt er seit 1865 die "Zeitschrift für Biologie", mit Hofmann und Forster seit 1883 das "Archiv für Hygieine" heraus.

Pettigrew (spr. -gruh), James Bell, Physiolog, geb. 26. Mai 1834 zu Roxhill in Lanarkshire, studierte zu Edinburg und Glasgow Medizin, promovierte 1861, wurde 1862 zum assistierenden Kurator des Hunterschen Museums im College of surgeons in London erwählt und erhielt 1869 die Professur der Pathologie in Edinburg, wo er auch Kurator des anatomischen Museums wurde. 1875 erhielt er einen Ruf als Professor der Medizin und Anatomie an die Universität von St. Andrews, und 1877 wurde er Vertreter der Universitäten zu Glasgow und St. Andrews im General Council of medical education and registration. P. zählt zu den bedeutendsten Anatomen und Physiologen der Neuzeit, er untersuchte zuerst mit größerm Erfolg die sehr verworrenen Nerven und Muskeln des Herzens, des Mundes, der Blase und der Gebärmutter; auch gab er eine Theorie des Flugs der Insekten, Fledermäuse und Vögel und verglich damit die Versuche, welche bisher mit Flugmaschinen angestellt worden waren ("Animal locomotion or walking, swimming and flying etc.", Lond. 1873; deutsch: "Die Ortsbewegung der Tiere", Leipz. 1875). Andre Arbeiten betreffen die Physiologie der Saftbewegung in den Pflanzen, den niedern Tieren und im Menschen, die Beziehung der Pflanzen u. Tiere zum Reich des Unorganischen etc.

Pettinet, s. v. w. Petinet.

Petto (ital.), die Brust; daher in p. haben, im Sinn haben, im Schild führen.

Petulánz (lat.), Mutwille, Neckerei.

Petunia Juss. (Petunie), Gattung aus der Familie der Solaneen, südamerikanische, mit klebrigen Drüsenhaaren besetzte Kräuter mit wechselständigen, ganzen Blättern, einzelnen, achselständigen Blüten mit großer, präsentiertellerförmiger Blumenkrone und vielsamiger Kapsel. Von P. nyctaginiflora Juss., einem Sommergewächs in Südamerika (La Plata), mit weißen, und von P. violacea Hook., einem Sommergewächs in Buenos Ayres, Chile, Montevideo, mit leuchtend dunkel karmesinroten, im Schlund schwarzvioletten, gestreiften Blüten, hat man eine Menge schöner, auch gefüllter Varietäten und Blendlinge erzeugt, welche sich vorzüglich zur Anpflanzung von Gruppen auf Rasenflächen, auch zur Kultur in Töpfen eignen.

Petuntse, s. Feldspat.

Petzholdt, Julius, Bibliograph, geb. 25. Nov. 1812 zu Dresden, studierte in Leipzig Philologie, wurde 1839 Bibliothekar des Prinzen (nachmaligen Königs) Johann, 1853 auch des Kronprinzen Albert, in welcher Stellung er 1859 den Hofratstitel erhielt. Sein Hauptwerk ist der von ihm 1840-84 herausgegebene "Anzeiger für Litteratur und Bibliothekwissenschaft", dem sich das "Adreßbuch der Bibliotheken Deutschlands mit Einschluß von Österreich und der Schweiz" (Dresd. 1844, 5. Ausg. 1875) und die "Bibliotheca bibliographica" (Leipz. 1866) anschließen. Außerdem veröffentlichte er: "Litteratur der sächsischen Bibliotheken" (Dresd. 1840); "Urkundliche Nachrichten zur Geschichte der sächsischen Bibliotheken" (das. 1855); "Katechismus der Bibliothekenlehre" (3. Aufl., Leipz. 1877); "Catalogus bibliothecae Theocriteae" (Dresd. 1866); "Zur Litteratur der Kriege infolge der französischen Revolution" (das. 1868); "Bibliographica Dantea ab anno 1865 inchoata" (2. Aufl., das. 1876, und 2 Supplem.) u. a. Auch gab er die Biographie des Freiherrn v. Falkenstein nach dessen eignen Aufzeichnungen heraus (Dresd. 1882).

Petzold, Hans, Goldschmied, geb. 1551, gestorben um 1600, war in Nürnberg thätig und fertigte in der Art von W. Jamnitzer Pokale und andre Prunkstücke, von denen sich einige im Besitz des deutschen Kaisers, beim Fürsten Esterházy und in der Rothschildschen Sammlung in Frankfurt a. M. befinden.

Peu à peu (franz., spr. pö a pöh), nach und nach.

Peucedanum L. (Haarstrang), Gattung aus der Familie der Umbelliferen, ausdauernde, sehr selten einjährige Kräuter, auch Sträucher oder Bäume, mit ein- bis dreimal fiederspaltigen Blättern, großen, vielstrahligen Blütendolden, meist vielblätterigen Hüllen und Hüllchen und zusammengedrücktem elliptischen, eiförmigen, selten fast kreisrunden Früchten. Etwa 100 Arten auf der nördlichen Erdhälfte, den tropischen Andes und dem tropischen wie südlichen Afrika. Von. P. officinale L. (Schwefelwurzel, Himmelsdill, Saufenchel), in Mittel- und Südeuropa, war die scharf bitterlich schmeckende Wurzel offizinell. Sie enthält Gummiharz und kristallisierbares, farb- und geruchloses, brennend aromatisch schmeckendes, durch Kalilauge in Angelikasäure und Oreoselin spaltbares Peucedanin C12H12O3 ^[C_{12}H_{12}O_{3}]. Von P. Oreoselinum Mönch (Bergeppich, Bergpetersilie), in Europa, war die möhrenartig gewürzhaft riechende Wurzel nebst Kraut und Samen ebenfalls offizinell und wird noch jetzt zuweilen angewendet.

Peucer, Kaspar, Gelehrter des 16. Jahrh., geb. 6. Jan. 1525 zu Bautzen, studierte in Wittenberg Medizin, sodann unter Melanchthons Leitung, dessen Schwiegersohn er ward, klassische Litteratur, wurde 1554 daselbst Professor der Mathematik, 1560 der Medizin, kurfürstlicher Leibarzt und Rektor der Universität. Als das Haupt der sogen. Kryptocalvinisten