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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pheiditien; Phellandrium; Phellogen; Phelloplástik; Phelps; Phenacetin; Phengit; Phénicienne; Phenol

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Pheiditien - Phenol.

nung, aus reinem Gold hergestellt, hatte einen Wert von 44 Talenten, die Augen waren von Edelsteinen eingesetzt. Die Göttin stand aufrecht und hielt in der vorgestreckten Rechten ein dem Beschauer zugewandtes Bild der Siegesgöttin. An der Innenseite des Schildes, in dessen schützender Höhlung die Burgschlange sich barg, war der Kampf der Giganten gegen die Götter, an der Außenseite die Amazonenschlacht angebracht, an den Sandalen der Kampf zwischen Lapithen und Kentauren. Eine unvollendete Marmorstatuette, gefunden 1859 in Athen, ferner eine fast unversehrt erhaltene, 1878 ebendaselbst entdeckte, etwa meterhohe Marmorkopie und verschiedene mehr oder weniger verstümmelt größere Nachbildungen geben eine schwache Vorstellung von der Statue. Ein andres kolossales Athenebild war dasjenige, welches zwischen den Propyläen und dem Parthenon, beide überragend, stand. Sein zweites Hauptwerk, eins der sieben Wunder der Alten Welt, war der Zeus von Olympia; der König der Götter war dargestellt zugleich als huldreicher Allvater, der den Menschen ihre Bitten gewährt; er saß auf reichgeschmücktem Thron, sein Haupt reichte fast bis an die Decke des Tempels, dessen Höhe auf 17,5 m berechnet wird. In der einen Hand hielt er das Zepter, auf der andern eine Nike. An plastischem und ornamentalem Schmuck, an Gold, Elfenbein und edlem Gestein war alles aufgeboten, um das Überwältigende des Eindrucks zu erhöhen. Auch von diesem Werk ist außer kleinen Nachbildungen auf Münzen von Elis aus Hadrianischer Zeit nichts übriggeblieben. Außerdem werden noch 13 Erzstatuen der Schutzgötter Athens genannt, von den Athenern aus der marathonischen Siegesbeute zu Delphi aufgestellt; ferner Kolossalbilder der Athene in Pellene und Platää, Statuen des Hermes, Apollon und der Aphrodite, einer auf den Speer gestützten Amazone u. a. Das Porträt des Künstlers befand sich am Schilde der Parthenos und ist in skizzenhafter Form noch in einer Nachbildung desselben (Strangfordscher Schild im Britischen Museum zu London) sichtbar. Unvergängliche Denkmäler der Perikleischen Epoche, unübertroffene Schöpfungen der griechischen Kunst sind die unter P.' Hilfe und Leitung entstandenen Parthenonskulpturen (s. Taf. "Bildhauerkunst II", Fig. 3), deren wunderbare Vollendung und Schönheit, gepaart mit Grazie und ernster, aber nun nicht mehr altertümlich strenger Würde, uns den "hohen Stil" der griechischen Kunst vor Augen führen. Auch die Skulpturen des Theseustempels stehen dem P., vielleicht aber noch mehr seinem großen Schulgenossen Myron nahe. Vgl. Otfr. Müller, Commentatio de Phidiae vita et operibus (Götting. 1827); Brunn, Geschichte der griechischen Künstler, Bd. 1 (Braunschw. 1853); Petersen, Die Kunst des P. am Parthenon und zu Olympia (Berl. 1874); Schreiber, Die Athena Parthenos des Phidias und ihre Nachbildungen (Leipz. 1882); Collignon, Phidias (Par. 1886).

Pheiditien, s. Syssitien.

Phellandrium (Wasserfenchel), s. Oenanthe.

Phellogen, s. Kork, S. 92.

Phelloplástik (griech.), s. Korkbildnerei.

Phelps, Samuel, engl. Schauspieler, geb. 1806 zu Devonport, erst Setzer in einer Buchdruckerei zu Plymouth, debütierte als Schauspieler 1828 in York. Nachdem er nacheinander an den bedeutendern Theatern Londons engagiert gewesen, namentlich als Darsteller Shakespearescher Charaktere, übernahm er 1844 die Direktion des Sadlers-Wellstheaters und wußte diese Bühne für längere Zeit zur eigentlichen Shakespeare-Bühne Londons zu erheben. P. hat fast die sämtlichen Dramen des großen Nationaldichters neu inszeniert, viele derselben überhaupt zum erstenmal zur Aufführung gebracht. Er besaß eine prächtige Gestalt mit ausdrucksvollen Gesichtszügen und mächtigem Organ; seine Glanzrolle war König Lear. Später war er am Lyceum, sodann am Drurylane-Theater engagiert, wo er einige Winter hindurch regelmäßig auftrat. 1859 unternahm P. auch eine Kunstreise durch Deutschland. Er starb 6. Nov. 1878 in Epping bei London. Vgl. May Phelps und Forbes-Robertson, Life and life-work of Sam. P. (Lond. 1886); Coleman, Memoirs of S. P. (das. 1886).

Phenacetin (Acetphenitidin), chem. Verbindung, welche durch einen ziemlich verwickelten Prozeß aus Phenol dargestellt wird, bildet eine graurötliche, fein kristallinische Masse und ist geruch- und geschmacklos. Es wurde durch Kast und Hinsberg in den Arzneischatz eingeführt und dient als sehr wirksames Fiebermittel, welches keine lästigen Nebenerscheinungen hervorbringt. Als beruhigendes und schmerzstillendes Mittel wird es bei Migräne, Schlaflosigkeit und neurasthenischen Beschwerden benutzt, auch hat es sich bei Gelenkrheumatismus bewährt.

Phengit, s. v. w. körniger Anhydrit oder Kaliglimmer.

Phénicienne (spr. -ßjénn), s. Phenylfarbstoffe.

Phenol (Monoxybenzol, Phenylalkohol, Phenylsäure, Karbolsäure, Steinkohlenkreosot) C6H6O^[C_{6}H_{6}O] findet sich in sehr geringer Menge im Harn des Menschen und der Grasfresser, auch im Bibergeil, entsteht bei zahlreichen chemischen Prozessen, unter andern bei trockner Destillation des Holzes, der Stein- und Braunkohlen, und kommt daher im Stein- und Braunkohlenteer vor, aus welchem es fabrikmäßig dargestellt wird. Man benutzt dazu das bei der Teerdestillation als Mittelöl oder Karbolöl gewonnene Produkt, welches außer Phenolen auch flüssige Kohlenwasserstoffe und Naphthalin enthält, und entzieht demselben das P. durch inniges Mischen mit verdünnter Natronlauge, in welcher sich die Phenole unter Bildung von Phenolnatrium lösen, während die andern Bestandteile ungelöst bleiben. Mit der gewonnenen Lösung von Phenolnatrium mischt man die beim Reinigen der leichten Teeröle mit Natronlauge erhaltene Lösung von Phenolnatrium und zersetzt diese mit Schwefelsäure, wobei schwefelsaures Natron entsteht, während die Phenole sich als Öl abscheiden. Letzteres wird einigemal mit Wasser gewaschen und kommt als rohe Karbolsäure in den Handel. Es enthält neben P. noch Kresol, Wasser, Naphthalin, harzartige Bestandteile etc. und besitzt das spez. Gew. 1,050-1,065. Zu weiterer Reinigung wird es destilliert und das zwischen 180 und 205° übergehende Destillat durch Kälte zur Kristallisation gebracht. Die Darstellung der reinen kristallisieren Karbolsäure ist sehr schwierig, und ihre Einzelheiten werden noch vielfach geheim gehalten. 100 Teile Teer geben etwa 5-6 Teile reine Karbolsäure. Diese ist zwar nicht reines P. C6H6O^[C_{6}H_{6}O], sondern enthält noch andre Phenole, wie Kresol C7H8O^[C_{7}H_{8}O] und Phlorol C8H10O^[C_{8}H_{10}O], ersetzt aber für die meisten Zwecke das reine P., welches aus Benzol C6H6^[C_{6}H_{6}] erhalten wird, wenn man dieses mit konzentrierter Schwefelsäure erwärmt, die hierbei entstehende Benzolsulfosäure an Kali bindet und das Kalisalz mit Ätzkali schmelzt. Das rohe P. ist ein braunes Öl und riecht durchdringend empyreumatisch; das reine bildet farblose, glänzende Kristalle vom spez. Gew. 1,084, riecht eigentümlich, schwach kreosotartig, schmeckt brennend, ätzend, schmilzt bei