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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Planscheibe; Planschen; Planspiegel; Planta; Plantage; Plantagenet; Plantagineen; Plantago; Plantamour

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Planscheibe - Plantamour.

kalk in der Nähe des Dorfs Steinheim (Württemberg, Schwäbische Alb) finden sich nämlich die Schalen der P. massenhaft angehäuft und variieren dabei in der Form von den flachgedrückten zu den turmartig erhobenen so bedeutend, daß man ohne Kenntnis der Übergangsformen etwa 20 getrennte und gut charakterisierte Spezies unterscheiden müßte und auch wirklich unterschieden hat. Dabei zeigt es sich, daß diese Zwischenglieder auch in betreff ihrer Lagerungsverhältnisse den theoretischen Anforderungen genau entsprechen, daß sie also stets vertikal über der Stammform und vertikal unter der abgeleiteten Form vorkommen, nicht aber auch noch in beliebigen andern Schichten auftreten. Von der Grundform P. steinheimensis entwickelt sich durch die Arten tenuis, sulcatus etc. eine Reihe bis zum supremus; seitlich zweigen sich andre Arten, wie elegans von trochiformis, rotundus von discoideus, ab, sterben jedoch ohne weitere Veränderungen aus. Ein andrer Stamm geht von der Form P. parvus aus und endet gleichfalls in mehreren Zweigen. Der Prozeß der Umwandlung scheint im Vergleich zu der Epoche der Beständigkeit einer Form meist von kurzer Dauer gewesen zu sein. Die Zwischenglieder sterben rasch aus, so daß in den einzelnen Schichten die zusammen gefundenen Gehäuse fast stets in scharf voneinander gesonderte Typen zerfallen. Anderseits tritt keine Form unvermittelt auf, sondern steht immer mit einer den ältern Schichten angehörigen in genetischem Zusammenhang. Die Bedeutung der Funde im Steinheimer Becken liegt nach dem Angeführten nicht in der Variabilität des P. überhaupt, sondern in der Sicherheit, mit welcher sich die Variationen auseinander herleiten lassen. Ähnliche, aber bei weitem nicht so vollständige Reihen sind in Steinheim für die Schnecken Limnaeus socialis und Hydrobia entdeckt worden. Von der Schneckengattung Paludina zeigen sich in den tertiären Ablagerungen Slawoniens fünf aus einer einfachen Grundform entstehende und am Ende der Reihen voneinander bedeutend abweichende Typen, indessen sind diese horizontal über eine viel größere Strecke verbreitet, als es die Schnecken des nur 3-4 km im Durchmesser haltenden Steinheimer Beckens sind.

Planscheibe, s. Drehbank, S. 124.

Planschen (Planchen, franz.), s. Barren.

Planspiegel, s. Spiegelung.

Planta (lat.), s. v. w. Pflanze.

Planta, Martin von, Pädagog und Naturforscher, geb. 1727 zu Süs im Kanton Graubünden, studierte in London Theologie und Philosophie sowie Physik und Mathematik und ward hier 1750 Prediger der deutsch-reformierten Gemeinde, kehrte aber aus Gesundheitsrücksichten einige Jahre später in sein Vaterland zurück, ward Prediger in Zizers, gründete daselbst eine Erziehungsanstalt und erweiterte sie 1763 in Haldenstein zu einem Seminar, welches bald einen großen Ruf erlangte, besonders nachdem es 1771 in das Schloß Marschlins bei Igis verlegt worden war. Seine Mußestunden verwandte P. auf Forschungen im Gebiet der Mathematik und Physik. Von seinen Arbeiten auf diesem Feld ist besonders die Erfindung der Scheibenelektrisiermaschine (1755) zu nennen. P. starb im März 1772 in Haldenstein.

Plantage (franz., spr. -ahsche), Pflanzung, besonders von Nutzpflanzen in fernen Gegenden, namentlich in den beiden Indien. Nach den Produkten, die auf solchen Pflanzungen erzeugt werden, nennt man dieselben Zucker-, Kaffee-, Baumwoll-, Indigo- etc. Plantagen; doch spricht man auch von Hopfenplantagen.

Plantagenet (spr. plangtahsch'nä oder engl. plentéddschenet), Beiname des franz. Hauses Anjou, der von einem Ginsterzweig (planta geneta), der Helmzier im Wappen dieses Hauses, herrührt. Das Haus Anjou oder P. gelangte 1154 mit Graf Heinrich, dem Sohn Geoffroys von Anjou und der englischen Prinzessin Mathilde, auf den Thron von England und regierte in direkter Linie bis 1399, in den Seitenzweigen Lancaster und York bis 1485. Die Dynastie zählt 14 Könige, deren letzter, Richard III., 1485 in der Schlacht von Bosworth von Heinrich VII. Tudor gestürzt wurde. S. Großbritannien, S. 789 f.

Plantagineen, dikotyle, etwa 210 Arten umfassende, in der gemäßigten Zone einheimische Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Labiatifloren, perennierende Kräuter und einige Halbsträucher mit meist vierzähligen, durch ein trockenhäutige Deckblatt gestützten, nicht lippenförmigen Blüten, die oft vier verwachsene, trockenhäutige Blumenblätter, vier langfädige Staubblätter u. einen oberständigen, zweifächerigen Fruchtknoten mit variabler Zahl von Samenknospen besitzen. Vgl. Decaisne in De Candolles "Prodromus", Bd. 13.

Plantago L. (Wegerich, Wegebreit, Wegtritt), Gattung aus der Familie der Plantagineen, ein- oder mehrjährige Kräuter oder Halbsträucher mit wechsel- oder gegenständigen oder eine grundständige Rosette bildenden, einfachen, ganzrandigen oder fiederig eingeschnittenen Blättern, axillaren, dichten, verlängerten oder kopfigen Ähren, unscheinbaren Blüten und vielsamiger Kapsel. Etwa 200 über die ganze Erde zerstreute Arten. P. major L., mit perennierendem Wurzelstock, grundständigen, rosettenförmig angeordneten, eiförmigen, gestielten Blättern, blattlosem Stengel und länglicher Ähre, wächst fast überall, und ihre Blätter werden als kühlendes Verbandmittel bei äußern Entzündungen benutzt. Ähnlich sind P. media L. mit eilanzettförmigen und P. lanceolata L. mit länglich lanzettförmigen Blättern, die als gute Futterkräuter in Betracht kommen. P. Psyllium L., einjährig, 15-30 cm hoch, mit ästigem Stengel, gegenständigen, sitzenden, schmalen Blättern, achselständigen, langgestielten, kopfigen Ähren und kleinen, kahnförmigen, flöheähnlichen Samen, wächst am Mittelmeer, in Süddeutschland, Österreich und liefert den Flohsamen, der wegen seines großen Schleimgehalts (schleimig quellende Epidermis) früher als einhüllendes Mittel, jetzt aber namentlich in der Kattundruckerei und Färberei, zum Appretieren von Seide, zum Glänzen von Leder, zum Steifen von Wäsche, Hüten etc. benutzt wird. Er kommt aus Südfrankreich, auch aus Italien in den Handel und soll in Frankreich von der sehr ähnlichen P. arenaria W. et Kit., die man zu diesem Zweck auf Sandfeldern kultiviert, gewonnen werden.

Plantamour (spr. plangtamuhr), Emile, Astronom, geb. 14. Mai 1815 zu Genf, studierte in Lausanne, Paris und seit 1837 in Königsberg unter Bessel, wo er auch mit der "Disquisitio de methodis traditis ad cometarum orbitas determinandas" 1838 promovierte. 1839 wurde er an Gautiers Stelle Direktor der Sternwarte zu Genf, welches Amt er bis zu seinem Tod (6. Sept. 1882) bekleidete. Kometographie und Meteorologie waren Hauptgegenstände seiner Aufmerksamkeit; auf dem Großen St. Bernhard errichtete er eine Beobachtungsstation, wohl die erste Höhenstation, und veröffentliche die Ergebnisse in den Schriften: "Du climat de Genève" (Genf 1863) und "Nouvelles études sur le climat de Genève" (das. 1876). Auch führte er in Verbindung mit Burnier das