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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Polytypen - Pombal.

rasenförmig; sechs Arten kommen in Europa vor. P. commune L., mit 16-32 cm hohem Stengel, flachen, abstehenden, gesägten Blättern und regelmäßig vierkantiger Kapsel, eins der größten, schönsten und gemeinsten unsrer Moose, überzieht in tiefen, schwellenden, dunkelgrünen Rasen feuchten Wald- und Moorboden und gehört hier zu den wichtigsten Torfpflanzen. Früher wurde es als goldener Widerthon arzneilich und als Mittel gegen Behexen benutzt. Aus den steifen, zähen Stengeln verfertigt man Bürsten. Die kleinern Arten: P. piliferum Schreb., mit weißer Haarspitze an den Blättern, und P. juniperinum Hedw., mit haarlosen, am Rand eingerollten Blättern, gehören zu den Charakterpflanzen des Sandbodens, auf welchem sie flurenartige Bestände bilden und zur Befestigung des Erdreichs beitragen.

Polytypen (griech.), eigentlich nur diejenigen Klischees (s. d.), auf welchen eine Anzahl Typen zu einem Wort vereinigt ist, um als Titel zu dienen, wie z. B. Rechnung, Preiskurant etc.; im allgemeinen aber auch angewandt auf Buchdruckvignetten, mögen dieselben vom Schriftgießer gegossen oder vermittelst des Klischierens, Stereotypierens oder auf galvanoplastischem Weg erzeugt sein. Polytypie, das Verfahren der Anfertigung von P. Vgl. Graphische Künste.

Polyurie (griech.), abnorme Vermehrung der Harnabsonderung; auch s. v. w. Diabetes.

Polyxen (griech.), natürlich vorkommendes Platin.

Polyxena, im griech. Mythus Tochter des Priamos und der Hekabe, wurde von Achilleus geliebt, der dem Priamos den Abzug der Griechen versprach, wenn er sie ihm zur Gemahlin gebe. Während man hierüber im Tempel des thymbräischen Apollon unterhandelte, brachte Paris dem Achilleus die tödliche Wunde in der Ferse bei. Vor seinem Tod verlangte dieser aber noch, daß man nach Trojas Eroberung die P. auf seinem Grab opfern solle, was dann auch sein Sohn Neoptolemos that. Sophokles und Euripides haben den Stoff in (verloren gegangenen) Tragödien behandelt. Vgl. Förster, Achilleus und P. (im "Hermes", Bd. 17).

Polyzetese (griech.), das viele Fragen; in der Dialektik Art verfänglicher Fragen, z. B. der "Acervus" und "Calvus" (s. d.).

Polyzoen, s. v. w. Bryozoen.

Polzin, Stadt und Badeort im preuß. Regierungsbezirk Köslin, Kreis Belgard, am Waggerbach, in der sogen. Pommerschen Schweiz, hat eine schöne evang. Kirche, ein Amtsgericht, 3 erdige Eisenquellen von -11° C., Tuchmacherei, Wagenbau, Gerberei, Likör- und Spritfabrikation, eine Dampfbierbrauerei und (1885) 4548 meist evang. Einwohner. Dabei ein altes Schloß.

Pomaceen (Kernobstgehölze), dikotyle Familie aus der Ordnung der Rosifloren, Bäume und Sträucher mit wechselständigen, gestielten, ganzen oder fieder- oder handförmig gelappten oder unpaarig gefiederten Blättern, freien, meist abfallenden Nebenblättern und vollständigen, seltener durch Fehlschlagen eingeschlechtigen, regelmäßigen Blüten, welche in Trauben, Dolden, Trugdolden oder einzeln stehen. Der Kelch bildet auf dem unterständigen Fruchtknoten einen fünfteiligen Saum. Die fünf Blumenblätter stehen abwechselnd mit den Kelchabschnitten auf dem Kelchrand; daselbst entspringen auch die 10-50 in zwei bis fünf Kreisen stehenden Staubgefäße. Der unterständige Fruchtknoten ist ein-, zwei-, drei- oder fünffächerig und hat ebenso viele einfache, freie oder an der Basis etwas verwachsene Griffel mit einfachen Narben. Im Innenwinkel jedes Faches befinden sich je zwei, seltener zahlreiche anatrope Samenknospen. Die Frucht ist eine vom Kelchsaum gekrönte Apfelfrucht, die durch Verwachsung der Fruchtblätter unter sich und mit der fleischig werdenden ausgehöhlten Blütenachse entsteht. Die Samen haben eine lederartige Schale, kein Endosperm und einen geraden Keimling mit fleischigen Kotyledonen und kurzem, kegelförmigem Würzelchen. Vgl. Wenzig, Pomariae, in der "Linnaea", neue Folge, Bd. 4. Die P. bewohnen alle die nördliche Halbkugel, besonders Europa, Asien, Nord- und Mittelamerika. Mehrere sind wegen ihrer eßbaren und wohlschmeckenden Früchte (Kernobst), manche auch wegen ihres harten Holzes wichtige Nutz- und Kulturpflanzen; viele werden auch als Ziersträucher angepflanzt. Die wichtigsten Gattungen sind: Pirus, Sorbus, Mespilus, Cydonia und Crataegus. Eine größere Anzahl von Arten dieser Gattungen kommt fossil in Kreide- und besonders in Tertiärschichten vor.

Pomade (franz. pommade, ital. pomáta, von pomme [pomo], Apfel), Bezeichnung für parfümierte Fette, welche vorwiegend zu kosmetischen Zwecken benutzt werden. Über Gewinnung echter Pomaden s. Parfümerie. Früher bereitete man dieselben auf die Weise, daß man in einen Apfel Gewürze steckte, ihn einige Tage der Luft aussetzte und dann mit geschmolzenem Fett macerierte, welches die Riechstoffe aus den Gewürzen aufnahm. Die jetzt gebräuchlichen Pomaden sind Mischungen aus Schweinefett und Wachs (auch Stearin), seltener aus Rindsmark, Talg, Kokosöl etc., mit ätherischen Ölen parfümiert und oft auch gefärbt. Durch Zusatz von Kantharidentinktur, Chinaextrakt, Tannin etc. hat man versucht, auf die Thätigkeit der Kopfhaut zu wirken und den Haarwuchs zu befördern. Verändert man das Verhältnis zwischen Fett und Wachs, so erhält man die härtern Stangenpomaden. - In der Reitkunst bezeichnet P. den Schwung um den (apfelförmigen) Sattelknopf beim Voltigieren. - Der studentische Ausdruck Pomade für Gemächlichkeit, Phlegma (auch für gleichgültig) wird auf das slaw. pomale (gemächlich, ruhig) zurückgeführt.

Pomadenbohne, s. Ricinus.

Pomaken (Pomaci), die mohammedan. Bulgaren im Rhodopegebirge, deren Name nach einigen "Helfer" (vom altslaw. pomagati, "helfen") bedeuten soll. Ihre Sprache ist die bulgarische, der indessen manche türkische Bestandteile beigemengt wurden, als das christliche Volk durch die siegreichen Türken zur Annahme des Islam gezwungen wurde. Auf Grundlage alter poetischer Traditionen, die neuerdings unter ihnen gesammelt wurden, und die Geitler in tschechischer Sprache in Prag 1878 herausgab, hält man sie für Nachkommen der alten Thraker (vgl. Dozon, Rapport sur une mission littéraire en Macédoine, Par. 1874). Ihre Zahl wird auf ca. 400,000 angegeben. Im J. 1878 erhoben sie sich gegen die vorgedrungenen Russen und ihre christlichen Sprachgenossen zu gunsten der besiegten Türken.

Pomarance (spr. -ántsche), Ortschaft in der ital. Provinz Pisa, Kreis Volterra, im Cecinathal, hat eine Kirche aus dem 12. Jahrh. mit guten Gemälden, ein Schloß und (1881) 1578, als Gemeinde 7524 Einw. 6 km südlich liegt das Dorf Montecerboli mit berühmten Boraxwerken (s. Borsäure).

Pomare, König von Tahiti (s. d.).

Pombal (spr. pongbal), Stadt in der portug. Provinz Estremadura, Distrikt Leiria, im Thal des Soure, an der Eisenbahn Lissabon-Porto, mit schönem Schloß, altem Kastell und (1878) 4478 Einw.