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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pomeroy - Pommern.

sich "hinter der Stadtmauer" befindet, sei es, daß darunter das zu beiden Seiten der Mauer Befindliche oder nur der Raum hinter der Mauer innerhalb der Stadt, welcher in Rom nicht bebaut werden durfte, zu verstehen ist; dann überhaupt die Grenze zwischen Stadt und Feldmark, das Weichbild.

Pomeroy (spr. pommreu), Stadt im nordamerikan. Staat Ohio, am Ohiofluß, hat Steinkohlengruben, Salzwerke und (1880) 5560 Einw.

Pomesanien, ehemaliges Bistum im deutschen Ordensland Preußen, dessen Sprengel das rechte Ufer der untern Weichsel und der Nogat umfaßte und sich bis zur Grenze des heutigen Russisch-Polen erstreckte. Der Bischof besaß ein kleines Gebiet im S. von Marienwerder und residierte in Riesenburg. Das Bistum wurde 1249 gestiftet und ging 1524, als Bischof Erhard v. Queis zum lutherischen Glauben übertrat, ein. Fortan nahmen die Bischöfe von Kulm den Titel "Bischof von P." an.

Pomesine, s. v. w. Apfelsine, s. Citrus.

Poméstje (russ.), in Rußland s. v. w. adliges Gut, früher Dienstgut, seit 1714 durch Anordnung Peters d. Gr. erblich; Pomeszczik, adliger Gutsbesitzer.

Pomigliano d'Arco (spr. -miljano), Stadt in der ital. Provinz Neapel, Kreis Casoria, an der Eisenbahn Neapel-Nola-Bajano, mit schönem Blick auf den Vesuv, antiken Bauresten und (1881) 7730 Einw.

Pommer, s. v. w. Spitz, s. Hund, S. 800.

Pommer, Musikinstrument, s. Bomhart.

Pommerania-Expedition, 1871 und 1872, s. Maritime wissenschaftliche Expeditionen.

Pommerellen, s. Pomerellen.

Pommern (hierzu die Karte "Pommern"), preuß. Provinz, ehedem ein Herzogtum, grenzt gegen W. an Mecklenburg, gegen S. an Brandenburg, gegen O. an Westpreußen, gegen N. an die Ostsee und umfaßt 30,110 qkm (546,86 QM.). P. gehört zu den am niedrigsten gelegenen Ländern Deutschlands, jedoch ist zwischen der eigentlichen Küstenebene und dem Pommerschen Landrücken zu unterscheiden. Die Grenze der beiden Teile bildet etwa die Linie, welche von Demmin über Pasewalk und Gollnow geht. Im W. von der Oder tritt auf der Platte von Randow die liebliche Hügellandschaft bei Frauendorf (Vogelfang 130 m) hervor; an den Quellen der Rega, Persante, Drage und Küddow entwickelt sich die Pommersche Seenplatte mit dem 211 m hohen Ratzenberg im Kreis Dramburg, noch weiter östlich, an den Quellen der Grabow, Wipper etc., die Ostpommersche Platte. Hier sind der Steinberg (234 m) am Papenzinsee im Kreis Schlawe, der Burgwall bei Falkenhagen (239 m) und der Schimmritzberg (256 m) bei Plattenheim im Kreis Bütow, weiter nördlich der Pietschker Berg (183 m) im Kreise Stolp und der Dombrowaberg (210 m) am Lebathal zu erwähnen. Auf der andern Seite der Küstenebene erheben sich noch einzelne Hügelmassen, so auf Rügen die Stubbenkammer (im Königsstuhl 133 m), bei Köslin der Gollenberg (144 m), bei Schmolsin der Revekol (115 m) u. a. Der Hauptfluß der Provinz, die Oder, bildet zahlreiche Arme und bei Stettin den Dammschen See sowie das Pommersche Haff, aus dem die drei Arme Peene, Swine und Dievenow zur Ostsee abfließen. Zum Odersystem gehören noch: die Ihna, Ucker und Peene, alle drei streckenweise schiffbar. Unter den zahlreichen Küstenflüssen sind in Vorpommern einige schiffbar (Recknitz, Rykgraben), die hinterpommerschen (Rega, Persante, Wipper, Stolpe, Lupow, Leba) dagegen sowie die nach S. zur Netze gehenden Flüsse (Küddow, Drage) nur flößbar. Die Ostsee bildet an der Küste einige Busen, so bei Swinemünde die Pommersche Bucht, andre bei Rügen (s. d.). Nennenswerte Kanäle besitzt die Provinz nicht, jedoch ist sie reich an Landseen. Strandseen sind: der Leba-, Gardesche, Vietzkesche, Vitter, Bukowsche, Jamunder und Kampsee; im Tiefland sind: der Kummerowsee an der Peene, der Dammsche, Plöne- und der Madüesee. Überaus reich an Seen ist der Landrücken, von denen hier nur der Wothschwien-, Enzig-, Große Lübbe-, Dratzig-, Pielburger, Vilm- und Papenzinsee erwähnt werden. Die Küste von Hinterpommern ist auf ihrer ganzen Länge (427 km) mit Sandhügeln oder Dünen besetzt, deren Gestalt durch Stürme oft verändert wird. Von der Gesamtfläche entfallen auf Ackerland und Gärten 55,3, auf Wiesen 10,2, auf Weiden 9,2 und auf Waldungen 19,8 Proz. Die größten Ackerflächen finden sich im Regierungsbezirk Stralsund und im Tiefland (mit Ausnahme des Kreises Ukermünde) überhaupt, sodann in dem fruchtbaren Küstenstrich von Kolberg bis Stolp. Das Klima ist am mildesten in der Umgegend von Stettin und auf Rügen, rauher schon in der Küstenlandschaft in Hinterpommern. Die durchschnittliche Jahreswärme beträgt in Stettin 8,4, Putbus 7,6, Lauenburg 7,2 und Köslin 7,1° C. Die jährliche Regenmenge erreicht in Köslin 65, in Regenwalde 62, in Stettin und Putbus nur 54 cm Höhe.

Die Zahl der Bewohner in der Provinz belief sich 1885 auf 1,505,575 Seelen (darunter 1,465,477 Evangelische, 22,390 Katholiken, 4371 sonstige Christen und 13,291 Juden). Von evangelischen Sekten gibt es vorzugsweise in Hinterpommern Altlutheraner, Irvingianer, Baptisten etc. Die Katholiken wohnen meist in den größern Städten, sodann an der westpreußischen Grenze, woselbst sie noch eine Mundart der polnischen Sprache reden, während die wenigen echten Kassuben (s. d.) am Leba- und Gardeschen See (noch 300) der evangelischen Kirche angehören. Sonst wird nur die deutsche Sprache geredet. Landwirtschaft, Viehzucht und die gewöhnlichen bürgerlichen Gewerbe sowie in den Seestädten Handel, Schiffahrt und Schiffbau sind die Hauptbeschäftigungen der Bewohner. Der Großgrundbesitz beherrscht in P. (wie in Mecklenburg) die meisten Verhältnisse des Landes; ihm gehören, wenn man als Scheide zwischen Groß- und Kleingrundbesitz das Maß von 100 Hektar für ein Besitztum annimmt, 55,4 Proz. des Grundbesitzes überhaupt an, mehr als in irgend einer andern Provinz des Staats, während auf den eigentlichen Bauernstand (10-100 Hektar für ein Besitztum) nur 31,2 Proz. des gesamten Grundbesitzes, d. h. weniger als in einer andern Provinz, entfallen. Weizen wird zur Ausfuhr in den fruchtbaren Gegenden Vorpommerns und im Weizacker bei Pyritz gewonnen; sonst sind der Roggen und die Kartoffel die Hauptfeldfrüchte, letztere wird namentlich auf den großen Gütern vielfach zur Spiritusbrennerei verwendet. Gerste und Hafer decken den Bedarf. Garten- und Obstbau blühen in der Umgegend von Stettin (Stettiner Äpfel), auch im Regierungsbezirk Stralsund. Vortreffliche Wiesen gibt es im Oderthal und an der Peene. Unter den Handels- und Fabrikpflanzen sind noch zu nennen: Flachs in der Küstenebene, besonders an der Rega, Persante und Wipper; Runkelrüben zur Zuckerbereitung bei Stettin und zwischen der Oder und Rega; Tabak an der brandenburgischen Grenze im W. von der Oder; Hopfen bei Pölitz. Die Waldungen sind im Kreis Ukermünde am Haff und auf dem Landrücken am umfangreichsten; das Nadelholz herrscht vor, jedoch gibt es auch schöne Laubwaldungen. Die