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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Potasche - Potenz.

kunde Asiens", die er im Auftrag der Kaiserlich Russischen Geographischen Gesellschaft als Supplement zur russischen Ausgabe von Ritters "Erdkunde" verfaßt hatte. In demselben Jahr unternahm er eine große Forschungsreise in die Mongolei, von der er im folgenden Jahr zurückkehrte, begab sich aber 1879 von neuem in die Mongolei und zu den Quellen des Jenissei, darauf in das westliche Chiwa und in die mongolischen Steppen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser dreijährigen Reise legte er in den von der Russischen Geographischen Gesellschaft 1881 bis 1883 herausgegebenen und mit der großen goldenen Medaille gekrönten "Skizzen der nordwestlichen Mongolei" ("Otschârki sséwâro-sápadnoi mangólii") nieder. Seine übrigen Arbeiten sind in verschiedenen russischen Zeitschriften zerstreut. Gegenwärtig hält sich P. zumeist in Sibirien auf.

Potasche, s. Pottasche.

Potassĭum, s. v. w. Kalium.

Potation (lat.), das Trinken, Zechgelage.

Potātor (lat.), Trinker, Säufer.

Pot au feu (franz., spr. pott o föh), franz. Volksgericht, eine Art Suppe, bestehend aus starker Fleischbrühe, welche mit dem Suppenfleisch und Wurzelwerk über frisches oder geröstetes Brot gegossen wird; auch gekochtes Rindfleich ^[richtig: Rindfleisch] mit Fleischbrühe.

Potelot, s. v. w. Graphit.

Potemkin (spr. potjóm-), Gregor Alexandrowitsch, Fürst von, Günstling der Kaiserin Katharina II. von Rußland, geb. 16. (27.) Sept. 1739 in der Nähe von Smolensk als Sohn eines verabschiedeten Majors, studierte anfangs zu Moskau, trat aber sodann unter das Militär. Als Katharina II. nach dem Sturz ihres Gemahls Peter III. vom Thron (9. Juli 1762) zu Pferde die Gardetruppen musterte, soll P., damals Wachtmeister, gewahr geworden sein, daß sie an ihrem Degen kein Portepee habe, und ihr das seinige angeboten haben. Gewiß ist, daß er in der ersten Zeit der Regierung Katharinas die Aufmerksamkeit der Kaiserin erregte und am 30. Nov. (11. Dez.) 1762 zum Kammerjunker ernannt wurde. Bald darauf verlor er infolge der ungeschickte Behandlung eines Naturarztes ein Auge, ohne daß seine Schönheit (man verglich ihn mit Alkibiades), wesentlich darunter litt. Doch veranlaßte ihn der Unglücksfall, sich auf 1½ Jahr vom Hof zurückzuziehen. Als der Türkenkrieg ausbrach, ging er nach dem Süden, wo er an vielen Schlachten teilnahm und mit großer Auszeichnung focht. Als Generalleutnant zurückgekehrt, ward er von der Kaiserin auch zum Grafen ernannt und 1776 zu ihrem Generaladjutanten und erklärten Günstling erhoben. Bald beherrschte er die sinnliche Frau vollständig und riß sie in den Taumel seiner rohen Vergnügungen und seines ehrgeizigen, habgierigen Strebens mit fort. Nichts geschah ohne seine Zustimmung, und sowohl in die innere als in die äußere Politik griff er zum Teil auf verderbliche Weise ein, indem er das Land aussog, um sich zu bereichern, und die Kaiserin in immer neue Kriege und Unternehmungen stürzte. In kurzer Zeitfolge wurde er Minister, Oberbefehlshaber der Armee, Generalgouverneur der südlichen Provinzen und Großadmiral vom Schwarzen Meer. Der Kaiser Joseph II. von Österreich verlieh ihm schon 1776 die Würde eines Fürsten des heiligen römischen Reichs. Viele kaiserliche Ukase waren eigentlich sein Werk, und oft beugte sich die Kaiserin vor dem Trotz ihres Günstlings. P. war ein gewandter Hofmann, der mit Verschlagenheit die altrussische Brutalität verband, allen edlern sittlichen Ideen aber ganz fremd war; an staatsmännischen Talenten und Kenntnissen fehlte es ihm nicht. Seine Habsucht befriedigte er so schamlos, daß er trotz seiner unsinnigen Verschwendung ein kolossales Vermögen sammelte. Für seine Verdienste um die Besetzung und Verwaltung der Krim erhielt er den Beinamen des "Tawritscheskij" (Taurier). Als Katharina 1787 dorthin reiste, suchte P. sie durch die Außenseite der rasch aufgebauten Dörfer, Städte und Paläste, durch militärische Manöver der Truppen und Geschwader über das Maß des raschen Aufblühens dieser Provinzen zu täuschen. Als 1787 der zweite Türkenkrieg ausbrach, übernahm P. den Oberbefehl der russischen Armee und erhielt nach der Erstürmung von Otschakow (17. Dez. 1788) das große Band des Georgsordens. Obgleich es nicht an Differenzen zwischen P. und Katharina fehlte, blieb zwischen beiden bis zu Potemkins Tod ein inniges, freundschaftliches Verhältnis bestehen. Die Kaiserin wußte seine großen Geistesgaben und seine unbedingte Ergebenheit zu schätzen. P. starb auf dem Weg von Jassy nach Nikolajew in den Armen seiner Nichte, der Gräfin Branicka, einer gebornen v. Engelhardt, 16. Okt. 1791. Er wurde in Cherson bestattet. Der Großfürst Paul ließ 1798 die Gebeine Potemkins beseitigen, so daß man lange Zeit über die eigentliche Grabstätte Potemkins in Ungewißheit war. Erst Kaiser Alexander I. sorgte für ihre Wiederbestattung, und Kaiser Nikolaus ließ es zu, daß die Stadt Cherson zu Ehren ihres Gründers P. 1836 dessen Bildsäule von Bronze aufstellte. Vgl. Saint-Jean (Sekretär des Fürsten), Lebensbeschreibung des G.-A. P. des Tauriers (hrsg. von Rothermel, Karlsr. 1888).

Potentāt (mittellat.), Machthaber, Souverän.

Potentiālis (lat.), s. v. w. Optativ, s. Verbum.

Potentilla L. (Fingerkraut), Gattung aus der Familie der Rosaceen, meist ausdauernde Kräuter oder Halbsträucher mit handförmig 3-7zähligen oder unpaarig gefiederten Blättern und meist doldenrispigen Blütenständen. Zahlreiche Arten in den gemäßigten und kalten Klimaten, besonders der nördlichen Erdhälfte. Viele Arten, wie das gelbblütige Frühlingsfingerkraut (P. verna aut.) und das Gänsekraut (P. anserina L.), das weißblütige Fingerkraut (P. alba L.), sind bei uns heimisch; als Zierpflanzen werden unter andern kultiviert: P. atrosanguinea Lodd., in Nepal, mit schwärzlich-blutroten Blüten; P. aurea L., auf den Schweizer Alpen, mit großen, goldgelben Blüten; P. formosa Don., in Nepal, mit dunkelroten Blüten; P. fruticosa L., ein 60-120 cm hoher Strauch in England und auf den Pyrenäen, mit zahlreichen gelben Blüten; P. grandiflora L., in der Schweiz und in Sibirien, mit großen, hellgelben Blüten; P. speciosa W., strauchartig, aus Kreta, mit zierlichen, weißen Blüten. Auch hat man von P. atrosanguinea und colorata Lehm., aus Nepal, viele sehr schöne Bastarde gezüchtet. Vgl. Lehmann, Revisio Potentillarum (Bonn 1856, mit 64 Tafeln). - P. Tormentilla, s. Tormentilla.

Poténz (lat.), Wirkungs-, Leistungsfähigkeit, inwohnende Kraft. Namentlich wird das Wort P. in der Mathematik gebraucht und bedeutet hier zunächst ein Produkt aus lauter gleichen Faktoren (s. Logarithmus). In der Mechanik versteht man unter mechanischen Potenzen (einfachen Maschinen) diejenigen Vorrichtungen, aus denen alle eigentlichen Maschinen zusammengesetzt sind, nämlich den Hebel, als eigentlichen Hebel, als Rolle und als Rad an der Welle, und die schiefe Ebene, als festliegende schiefe Ebene, als Keil und als Schraube. - In der Medizin ist P. s. v. w. Zeugungskraft; im weitern Sinn des