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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Potocki; Potomac; Potomanīe; Potosi

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Potocki - Potosi.

vortreffliche Dorfgeschichten erscheinen lassen: "Ein Blitzmädel" (1875); "Die Kranke" (1876); "Im Bann des Geldes" (1876); "Vor der Gemeinde" (1877); "Blutsauger im Dorf" (1880) u. a. P. schildert das Volk trotz eines Anflugs von Idealisierung, wie es ist, und beherrscht vortrefflich die Sprache des Volkes.

Potocki (spr. -tótzki), poln. Grafenfamilie, deren Stammschloß Potok in der ehemaligen Woiwodschaft Krakau lag, jetzt namentlich in Galizien und der Ukraine angesessen, unter deren Gliedern die bekanntesten folgende sind:

1) Stanislaw Felix, Graf, geb. 1745, nahm als Großfeldherr der polnischen Artillerie in russischem Interesse an den Unruhen von 1788 teil, stiftete, als die freisinnige Verfassung vom 3. Mai 1791 von dem Reichstag und dem König angenommen wurde, mit Rzewuski dagegen die berüchtigte Konföderation von Targowice (14. Mai 1792), welche die Einmischung Rußlands und dadurch den Sturz Polens herbeiführte, und erhob selbst die Waffen gegen sein Vaterland. Als 1794 Polen unter Kosciuszko sich empörte, mußte P. nach Rußland fliehen, wo er sich 1795 mit der schönen Sophie de Witt (geb. 1773 als Tochter eines griechischen Schuhmachers in Konstantinopel, dann Gemahlin eines russischen Generals, gest. 1823 in Berlin, wo sich ihr von Graff gemaltes Pastellgemälde befindet) vermählte. Der oberste Gerichtshof der Republik verurteilte ihn als Vaterlandsverräter zum Tod und ließ seine Güter konfiszieren, dagegen ernannte ihn die Kaiserin Katharina II. zum Oberfeldherrn. Er starb 1805 auf seinen Gütern in Tulczyn. - Sein Sohn Wladimir P., geb. 1789, diente seit 1809 in der polnischen Armee mit rühmlicher Auszeichnung, starb aber schon 1811 als Oberst. Seine Bildsäule (von Thorwaldsen) wurde in der Krakauer Kathedrale aufgestellt.

2) Ignazy, Graf, Vetter des vorigen, geb. 1751, gewann als Mitglied des mit der Abfassung eines Konstitutionsentwurfs beauftragte Ausschusses den König Stanislaus August für die Verfassung vom 3. Mai 1791 und ging 1792 nach Berlin, um Preußen zur Anerkennung dieser Konstitution zu bestimmen, welche Sendung jedoch mißlang. Er mußte sich endlich nach Dresden flüchten, worauf seine Güter konfisziert wurden. 1794 ward er Mitglied der provisorischen Regierung und Minister der auswärtigen Angelegenheiten, aber nach der Einnahme von Warschau verhaftet und als Staatsgefangener in Schlüsselburg eingekerkert. Erst 1796 erhielt er seine Freiheit wieder und begab sich nun nach Galizien, 1807 nach Warschau, wo er für das neugebildete Großherzogtum wirkte. 1809 reiste er als Chef der Deputierten des Großherzogtums Warschau zu Napoleon I. nach Wien, starb aber daselbst 20. Aug. d. J.

3) Stanislaw Kostka, Graf, General der Artillerie und Kultusminister, Bruder des vorigen, geb. 1752, wirkte ebenfalls für die Verfassung vom 3. Mai 1791, begab sich dann nach Österreich und widmete sich hier wissenschaftlichen Studien. Nach Errichtung des Großherzogtums Warschau (1807) wurde er Präsident der Oberschul- und Erziehungsdirektion, und 1815 ernannte ihn Kaiser Alexander I. zum Minister des Kultus und des öffentlichen Unterrichts. Er starb 14. Sept. 1821. P. schrieb unter anderm eine Gedächtnisrede auf Joseph Poniatowski wie auch das Werk "Über Beredsamkeit und Stil" (Warsch. 1815, 4 Bde.). Seine treffliche polnische Übersetzung von Winckelmanns Werk "Über die Kunst der Alten" (Warsch. 1815) ist unvollendet geblieben.

4) Jan, Graf, einer der besten slawischen Geschichtsforscher, geb. 1761, erwarb sich eine gründliche Kenntnis der orientalische Sprachen, bereiste, zum Teil mit Klaproth, alle Länder, wo sich slawische Stämme niedergelassen haben, lebte sodann in Petersburg, in Podolien und Wolhynien und starb 1815 in Oladowka. Er schrieb: "Essai sur l'histoire universelle et recherches sur la Sarmatie" (Warsch. 1789, 4 Bde.); "Histoire primitive des peuples de la Russie" (Petersb. 1802); "Fragments historiques et géographiques sur la Scythie, la Sarmatie et les Slaves" (Braunschw. 1796, 4 Bde.) u. a.

5) Alfred, Graf, österreich. Staatsmann, aus der galizischen Linie P.-Pilawa, geb. 1817, Sohn des Geheimrats und galizischen Obersthofmeisters Grafen Alfred (geb. 1785), widmete sich anfangs der diplomatischen Laufbahn, dann aber der Verwaltung seines ausgebreiteten Grundbesitzes in Galizien und Russisch-Polen, wurde 1861 in den erblichen Reichsrat berufen und gleichzeitig in den galizischen Landtag gewählt. Vom 30. Dez. 1867 bis zum 15. Jan. 1870 war er Ackerbauminister im sogen. Bürgerministerium und wurde 15. April 1870 Ministerpräsident. Er verkündete die Aufhebung des Konkordats und führte mit den autonomistischen Parteien Ausgleichsverhandlungen, deren Erfolglosigkeit seinen Rücktritt (7. Febr. 1871) veranlaßte. 1875-83 war P. Statthalter von Galizien.

Potocki, Waclaw (Wenzel), poln. Dichter, geb. 1622, diente in der Armee, ließ sich dann auf seinen Gütern nieder und starb 1697. Er verfaßte das bedeutendste polnische Epos des 17. Jahrh., die "Wojna Chocimska", worin der Türkenkrieg von 1621 und der Sieg der Polen bei Chotin gefeiert wird. Diese durch lyrischen Schwung und patriotische Gesinnung ausgezeichnete Dichtung wurde erst 1850 in Lemberg veröffentlicht. Unbedeutender sind seine übrigen Werke: "Poczet herbów" (Krak. 1696), ein Wappenbuch in Versen; "Nowy Zaciąg", religiöse Dichtungen (Warsch. 1690); "Jovialitates", eine Sammlung witziger kleiner Gedichte; die poetische Erzählung "Syloret" (ohne Druckort und Datum) und der nach John Barclay) bearbeitete Roman "Argenida" (das. 1697). Vgl. Belcikowski, W. P. (Krak. 1868).

Potomac (spr. pŏtóhmăk), Fluß in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, entspringt in den Alleghanies in zwei Quellflüssen, welche sich auf der Grenze von Maryland und Virginia vereinigen, fließt anfangs östlich, dann südöstlich, bildet fortlaufend die Grenze zwischen Maryland und Virginia, durchbricht bei Harper's Ferry die Blauen Berge, fließt von da an durch Flachland und mündet nach einem Laufe von 550 km in die Chesapeakebai des Atlantischen Ozeans. Er ist von Alexandria an (160 km oberhalb seiner Mündung) für die größten Schiffe fahrbar. In seinem obern Lauf wird die Schiffahrt durch Katarakte verhindert; doch sind diese Hindernisse durch den Chesapeake-Ohiokanal umgangen, der ihn von Georgetown an 300 km bis nach Cumberland begleitet. Sein bedeutendste Zufluß ist der Shenandoah (s. d.). Die Ufer des P. waren im Bürgerkrieg von 1862-65 der Schauplatz vieler harter Kämpfe; eins der bedeutendsten Korps der Unionsarmee, welches die dortige Gegend besetzt hielt, führte davon den Namen Potomacarmee.

Potomanīe (griech.), Trunksucht.

Potosi, 1) Departement der südamerikan. Republik Bolivia, im SW. des Staats, hat ein Areal von 140,630 qkm (2554 QM.) mit (1882) 237,755 Einw., zur Hälfte Indianer. P. umfaßt den Süden der Hochebene von Bolivia, mit ausgedehnten Salzpampas