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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Prismenkreuz - Privas.

stellt sind. Über dem Prisma steht ein Fernrohr. Das Instrument wird an einem Griff unter der Scheibe gehalten und mißt Winkel von 0-180° bis auf 20 Sekunden.

Prismenkreuz, Feldmeßinstrument von Bauernfeind in München, welches benutzt wird, um zwischen zwei Punkten mehrere Punkte in gerader Linie ohne Gehilfen einzuschalten. Es besteht aus zwei Glasprismen, deren Grundfläche ein gleichschenkeliges, rechtwinkeliges Dreieck bildet. Dieselben sind in einem Messinggehäuse so übereinander gelegt, daß die Hypotenusen sich kreuzen und zwei Katheten in einer Ebene (der Okularebene) liegen, die andern also parallel sind und die Objektivebenen bilden. Beim Gebrauch hält man das P. so vor das Auge, daß man in die Okularebene hineinsieht. Man ist dann eingerichtet, wenn die Bilder der beiden Punkte in der Okularebene der Prismen übereinander stehen, sich also decken. Ebenso einfach ist sein Gebrauch zum Abstecken von rechten Winkeln. S. Feldmesser.

Prismoïd (griech.), s. Prismatoïd.

Prison (franz., spr. -sóng), Gefängnis.

Prisrendi (Perserin), Hauptstadt des gleichnamigen Liwa im türk. Wilajet Monastir, am Südende einer 25 km langen, sehr fruchtbaren Ebene gelegen (von wo ein wichtiger Gebirgspaß über den Schar Dagh führt), ist eine der reichsten und industriellsten Städte der Türkei und besonders die Hauptwaffenschmiede der ganzen Halbinsel. P. hat eine hoch gelegene Citadelle, einen großen Bazar, zahlreiche Moscheen, 2 griechische und eine kath. Kirche, Fabrikation von Stahl-, Glas- und Töpferwaren, Sattlerarbeiten etc. und 39,000 Einw. (davon 29,000 Mohammedaner, 8000 griechische und 2000 katholische Christen).

Pristaw (russ.), Aufseher, Polizeibeamter.

Pristis, Sägefisch.

Pritsche (Patsche), aus dem Stab oder der Binsenrute, welche der Hansnarr (Maccus) der altrömischen Bühne in der Hand trug, hervorgegangenes Schlag- und Klapperwerkzeug des Hanswurstes, ein ellenlanges, bis auf einen handbreiten Griff in dünne Blätter gespaltenes Holz, das beim Schlagen keine Schmerzen, aber desto mehr Lärm verursacht. Hof- und andre Narren, die sich der P. bedienten, hießen daher Pritschenmeister. Sodann heißt P. der hölzerne Schlegel zum Glätten der Tennen und Schmelzhüttenherde; auch eine hölzerne Lagerstätte in Wachtstuben, Gefängnissen etc.; endlich der an Schlitten hinten außerhalb des Kastens angebrachte Sitz, auf welchem der Kutscher rittlings zu sitzen pflegt.

Pritschenschuß, s. Schützengesellschaften.

Pritstābel, in der Mark Brandenburg (namentlich in den Städten Spandau, Köpenick und Ruppin) ein Fischer, der die Aufsicht über die Fischerei zu führen hat; Wasservogt; wird schon 1106 erwähnt.

Prittwitz, 1) Karl Ludwig Wilhelm Ernst von, preuß. General, geb. 16. Okt. 1790 in Schlesien, trat 1803 als Portepeefähnrich in ein Infanterieregiment, ward 1806 bei Auerstädt verwundet, nahm 1812 im Generalstab an dem Feldzug gegen Rußland teil, focht dann mit Auszeichnung bei Großbeeren, Dennewitz und Leipzig, hierauf in Holland, Belgien und bei Laon und wurde 1815 zum Major befördert. Prinz Wilhelm wählte ihn 1818 zu seinem Adjutanten. 1821 ward er Abteilungschef im Großen Generalstab, 1822 Flügeladjutant des Königs, 1829 Oberst, 1835 Kommandeur der 1. Garde-Infanteriebrigade, 1836 Generalmajor, 1843 Kommandeur der Gardeinfanterie, 1844 Generalleutnant und 1848 Kommandeur des Gardekorps. Am 18. März d. J. erteilte ihm der König den Befehl zum Angriff auf die in Berlin errichteten Barrikaden; seinen Sieg hinderte die Weisung zur Einstellung des Kampfes. 1849 führte er den Oberbefehl über das Reichsheer in Schleswig und Jütland. 1853 nahm er, zum General der Infanterie ernannt, seinen Abschied. Er starb 9. Juni 1871 in Görlitz. P. schrieb: "Beiträge zur Geschichte des Jahrs 1813" (Potsd. 1843, 2 Bde.; anonym).

2) Moritz Karl Ernst von P. und Gaffron, preuß. General, geb. 9. Febr. 1795 auf Gut Kreysewitz bei Brieg, studierte in Breslau, ward 1813 preuß. Ingenieuroffizier, kam als solcher nach Glatz, 1815 zur Okkupationsarmee in Frankreich, ward 1818 zum Festungsbau nach Koblenz kommandiert, 1828 Festungsbaudirektor in Posen, leitete seit 1841 den Bau der Festungen Ulm und Rastatt und die Wiederherstellung der Burg Hohenzollern. 1851 kam er als Inspekteur der 1. Ingenieurinspektion nach Berlin, war 1851-56 Mitglied des Hauses der Abgeordneten, ward 1858 zum Generalleutnant befördert, 1860 zweiter Generalinspektor des Ingenieurkorps und der Festungen und nahm 1863 nach der Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums den Abschied als General der Infanterie. Während des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 war er Gouverneur von Ulm und starb 21. Okt. 1885 in Berlin. Er schrieb: "Über allgemeine Landesbewaffnung" (Ulm 1848); "Über die Verwendung der Infanterie bei Verteidigung der Festungen" (Berl. 1858); "Andeutungen über die künftigen Fortschritte und die Grenzen der Zivilisation" (2. Aufl., das. 1855); "Lehrbuch der Befestigungskunst" (das. 1865) u. a.

Pritzel, Georg August, Botaniker, geb. 2. Sept. 1815 zu Karolath in Schlesien, Archivar der Akademie der Wissenschaften und Kustos der königlichen Bibliothek in Berlin, starb 14. Juni 1874 in Hornheim bei Kiel. Er schrieb: "Thesaurus literaturae botanicae" (Leipz. 1851, 2. Aufl. 1872-77), welcher die gesamte botanische Litteratur aller Völker, von den ersten Anfängen der Wissenschaft bis zur Gegenwart, umfaßt und 15,000 Werke aufzählt; außerdem "Iconum botanicarum index locupletissimus. Verzeichnis der Abbildungen sichtbar blühender Pflanzen und Farnkräuter, aus der botanischen und Gartenlitteratur des 18. und 19. Jahrhunderts in alphabetischer Folge zusammengestellt" (Berl. 1855; 2. bis 1865 fortgeführter Teil, das. 1866) und "Anemonarum revisio" (Leipz. 1842).

Pritzerbe, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Westhavelland, an der Havel, hat Ziegelbrennerei, Schiffahrt und (1885) 1816 evang. Einw.

Pritzwalk, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Ostpriegnitz, an der Dömnitz, Knotenpunkt der Priegnitz- und Ostpriegnitzeisenbahn, hat eine evang. Kirche aus dem 15. Jahrh., ein Amtsgericht, eine landwirtschaftliche Bank, ein Johanniterkrankenhaus, Bierbrauerei, Brennerei, Tuchfabrikation, eine Dampfmahlmühle und (1885) 6089 meist evang. Einwohner. P. erhielt 1256 Stadtrecht.

Privas (spr. -wá), Hauptstadt des franz. Departements Ardèche, am Fuß des ehemals befestigten Bergs Toulon (426 m), an der Ouvèze und an der Linie Livron-P. der Lyon-Mittelmeerbahn, hat einen ansehnlichen Justiz- und Präfekturpalast, ein Irrenhaus und (1886) 4217 Einw., welche Eisenbergbau, Fabrikation von Seide, Wollenstoffen und Decken, Gerberei sowie Handel mit Vieh, Leder, Butter, Käse, Kastanien, Trüffeln etc. betreiben. Von Bildungsanstalten besitzt P. ein Collège, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Bibliothek und ein mineralogisches Mu-^[folgende Seite]