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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Purismus; Puritaner; Purität; Purkinje; Purkinjesche Aderfigur; Purmerend; Purniah; Purpeln; Purpur

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Purismus - Purpur.

Purismus (neulat.), Streben nach Reinigung der Sprache von fremden Wörtern und Wortformen; dann auch die aus solchem Streben hervorgegangene Sprachweise selbst. Purist, Sprachreiniger. Vgl. Fremdwörter und Sprachreinigung.

Puritaner (neulat.), eine auf den Einfluß Genfs zurückzuführende Partei der Protestanten in England, die im Gegensatz zur Hochkirche die Kirche in ihrer evangelischen Reinheit (puritas, daher P.) wiederherstellen wollte, völlige Unabhängigkeit der Kirche vom Staat, Einführung der reformierten Kirchenverfassung, strenge Kirchenzucht verlangte und in diesem ihrem Bestreben mit den zahlreichen katholischen Elementen in Lehre und Verfassung der englischen Staatskirche in Widerstreit geriet. Der englische Puritanismus trat bald in Verbindung mit dem schottischen Presbyterianismus und erfocht in der englischen Revolution (s. Anglikanische Kirche) gegen das ihm mit immer härtern Zwangsmitteln zusetzende Königtum einen vollständigen Sieg, dessen Früchte aber sofort der konsequentesten Partei der P., den sogen. Independenten (s. d.), zufielen. Spätere Phasen des Puritanismus bilden verschiedene Sekten, besonders die Gesellschaft der Freunde, die sogen. Quäker (s. d.). S. Presbyterianer. Vgl. Hopkins, The puritans (Lond. 1860-61, 3 Bde.).

Purität (lat.), Reinheit; Sittenreinheit, Unschuld.

Purkinje, Johannes Evangelista, Mediziner, geb. 17. Dez. 1787 zu Libochowitz bei Leitmeritz in Böhmen, erhielt seine Schulbildung bei den Piaristen zu Nikolsburg in Mähren, wurde Mönch, trat aber im 21. Lebensjahr, kurz vor Empfang der priesterlichen Weihen, aus dem geistlichen Stand aus, studierte in Prag zuerst Philosophie, dann Medizin, ward 1819 Assistent der Anatomie und Physiologie daselbst, erregte durch seine Dissertation "Zur Physiologie des Sehens" Goethes Aufmerksamkeit und wurde durch dessen Empfehlung 1823 ordentlicher Professor der Physiologie und Pathologie zu Breslau, gründete hier 1839 das erste physiologische Laboratorium, wodurch die Physiologie den Rang einer selbständigen Wissenschaft erhielt, und kehrte 1850 als Professor der Physiologie nach Prag zurück, wo er 28. Juli 1869 starb. Er schrieb: "Beobachtungen und Versuche zur Physiologie der Sinne" (Berl. 1823-25, 2 Bde.). An seinen Namen knüpft sich eine Menge von Entdeckungen auf anatomischem und physiologischem Gebiet. Wie der Begründer der experimentellen Physiologie, war P. auch der Schöpfer der mikroskopischen Anatomie in Deutschland. Seine Arbeiten betrafen vornehmlich das Gebiet der subjektiven Empfindung und die Morphologie. Er entdeckte das Keimbläschen im Hühnerei, die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen auf der Haut, den Bau der Knorpeln, Knochen und Zähne, die embryonale Entwickelung der letztern, die Zusammensetzung der Blutgefäßwände, der Flimmerbewegung bei Wirbeltieren, der Magendrüsen, der Struktur der Nervenfasern mit einem Achsencylinder, der Nervenzellen im Gehirn etc. Er benutzte zuerst das Mikrotom, den Kanadabalsam für mikroskopische Präparate und mikroskopische Bilder für die Laterna magika. Daneben hatte sich P. seit 1850 unter fortschreitender Entfremdung von Deutschland die Fortbildung und Hebung der tschechischen Nationalität zur Lebensaufgabe gestellt. Als Frucht seiner slawischen Studien erschien eine gelungene tschechische Übersetzung von Schillers lyrischen Gedichten (Bresl. 1841, 2 Bde.). Auch begründete er 1853 die naturwissenschaftliche Zeitschrift "Ziva", welche er mit Kreijci bis 1864 herausgab.

Purkinjesche Aderfigur, s. Gesicht, S. 237.

Purmerend, Stadt in der niederländ. Provinz Nordholland, Bezirk Hoorn, am nordholländischen Kanal und der Eisenbahn Zaandam-Enkhuizen, hat lebhaften Handel in Holz, Vieh und Käse und (1881) 5517 Einw. Die Stadt liegt in der Mitte zwischen den trocken gelegten Seen Beemster, Wormer und Purmer, welch letzterer ihr den Namen gegeben hat.

Purniah, Distrikt der Provinz Bihar in der indobrit. Präsidentschaft Bengalen, 12,836 qkm (233 QM.) groß mit (1881) 1,848,687 Einw. (58 Proz. Hindu, 41 Proz. Mohammedaner), welche namentlich viel Indigo produzieren (es bestehen 34 Fabriken, welche jährlich 225 Tonnen liefern). Die gleichnamige Hauptstadt, vortrefflich gebaut, mit zahlreichen Gärten und Plätzen, hat 16,057 Einw.

Purpeln (Purpulen), s. v. w. Masern.

Purpur (lat. purpura), prachtvollste, violettrote Farbe des Altertums, wurde aus Seemuscheln des Mittelländischen Meers gewonnen und ist wahrscheinlich als Erfindung der Phöniker anzusehen. Der vorzüglichste P. wurde in Tyros bereitet, von wo auch Salomo einen Arbeiter kommen ließ, und wo dieser Industriezweig noch zur Zeit der römischen Kaiser wie auch auf der Insel Meninx (Djerbi im Gebiet von Tunis) blühte. Übrigens ging die Purpurfabrikation auch auf Griechen und Römer über. Einen roten Saft liefern viele Seeschnecken; die eigentlichen Purpurschnecken des Altertums sind aber Murex brandaris und M. trunculus und vielleicht Purpura haemastoma, die noch jetzt an einzelnen Stellen des Mittelmeers ähnlich benutzt werden. Diese Schnecken sondern in einer Drüse, die in der Decke der Atemhöhle neben dem Mastdarm liegt, einen gelblichen Schleim ab, welcher am Sonnenlicht grün, dann blau, endlich purpurn und scharlachrot wird und dabei einen ekelhaften, lange anhaltenden Geruch erzeugt. Der Farbstoff bildet sich auch bei Luftabschluß in Stickstoff oder Wasserstoff, aber nicht im Dunkeln. Man kann den farbengebenden Stoff aus den gepulverten Schnecken durch Alkohol und Äther ausziehen, und aus der goldgelben Lösung scheidet sich der P. am Licht als körnig kristallinisches Pulver aus, welches in Wasser, Alkohol und Äther unlöslich, in siedendem Anilin löslich ist. Dieser Stoff, Punicin, ist in äußerst geringer Menge vorhanden (7 mg aus 400 Schnecken) und gehört wahrscheinlich der Indigogruppe an; er widersteht Seifen und Säuren, wird aber durch Chlor zerstört. Man fing die Schnecken durch Köder, zerquetschte sie oder nahm sie aus dem Gehäuse heraus, macerierte sie mit Salz, erhitzte sie dann und tauchte nun die zu färbende Wolle ein. Jedenfalls verstand man im Altertum sehr abweichende Nüancen zu erzielen. Schon in der frühsten Zeit galt der P. als Auszeichnung des Herrschers; allmählich wurde er immer allgemeiner angewandt, und Cäsar und Augustus mußten seinen Gebrauch wie den andrer Luxusartikel beschränken. Im byzantinischen Reich wurde er von neuem Abzeichen der Majestät und seiner nächsten Umgebung; wichtige kaiserliche Dekrete wurden mit Purpurtinte geschrieben, und noch im 15. Jahrh. werden Purpurhüte und Purpurschleppen erwähnt. Die Scharlachgewänder (purpurati) der Kardinäle, von Paul II. eingeführt, erinnern noch an die alte Sitte. An der Küste Norwegens und Irlands benutzte man im vorigen Jahrhundert den Saft von Purpura lapillus zum Zeichnen der Wäsche, und an der Westküste Zentralamerikas färben die Eingebornen Baumwolle gleichfalls mit dem Saft einer Purpura. Vgl. Schmidt, For-^[folgende Seite]