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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pyritz - Pyromanie.

Pyritz, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Stettin, in einer fruchtbaren Ebene (Pyritzer Weizacker), an der Eisenbahn Stargard-Küstrin, hat 2 evang. Kirchen (darunter die große, 1851-53 restaurierte Moritzkirche), ein Gymnasium, ein Schullehrerseminar, ein Amtsgericht, eine Zuckerfabrik, 2 Maschinenbauanstalten, eine Knopffabrik, mehrere Mühlen, 2 große Ziegeleien, ein Warendepot der Reichsbank, starken Getreidebau (namentlich Weizen), Gärtnereien und (1885) 8062 meist evang. Einwohner. Von den frühern Befestigungen haben sich außer den Stadtthoren noch 5 hohe Türme und die ganze Stadtmauer erhalten. Bei dem nahen Ottobrunnen taufte Bischof Otto von Bamberg 1124 die ersten Pommern. P. erhielt vor 1250 Stadtrecht.

Pyrker von Felsö-Eör, Johann Ladislav, österreich. Dichter und Kirchenfürst, geb. 2. Nov. 1772 zu Langh bei Stuhlweißenburg in Ungarn, widmete sich anfangs auf der Akademie zu Fünfkirchen philosophischen und philologischen Studien, trat aber nach einigen Jahren in das Cistercienserstift zu Lilienfeld in Niederösterreich ein. Nach vollendeten theologischen Studien im Seminar zu St. Pölten erhielt er 1796 die Priesterweihe, ward 1807 Pfarrer zu Dürrnitz, 1811 Prior des Stifts Lilienfeld, 1818 Bischof von Zips und 1820 Patriarch zu Venedig und Primas von Dalmatien. Seit 1827 Erzbischof von Erlau und Erbobergespan der Hevéser Gespanschaft, entfaltete er eine großartige gemeinnützige Thätigkeit. Er gründete unter anderm zu Karlsbad und Gastein Kurhäuser für sieche Krieger, zu Erlau ein Dorfschullehrerseminar und legierte zur Ausschmückung des Doms zu Erlau 10,000 Gulden. Er starb 2. Dez. 1847 in Wien. Seine Hauptdichtungen, meist in dem reizend gelegenen Kloster Lilienfeld entstanden, sind die Heldengedichte: "Tunisias" (Wien 1820, 3. Aufl. 1826), "Rudolf von Habsburg" (das. 1824, 2. Aufl. 1827) und "Perlen der heiligen Vorzeit" (das. 1823 u. öfter), die im einzelnen kräftige und schöne Züge enthalten, im ganzen aber sich nicht über die Nachempfindung wirklich schöpferischer Dichter und die herkömmliche akademische Korrektheit erheben. Sie erschienen gesammelt als "Sämtliche Werke" (Stuttg. 1832-1833, 3 Bde.; letzte Ausg. 1856). Schöne lyrische Klänge finden sich in den "Liedern der Sehnsucht nach den Alpen" (Stuttg. 1845). Außerdem veröffentlichte er: "Legenden der Heiligen" in metrischer Form (Wien 1842) und "Bilder aus dem Leben Jesu und der Apostel" (Leipz. 1843, 3. Aufl. 1855).

Pyrmont, ein mit dem Fürstentum Waldeck (s. d.) vereinigtes Ländchen (Fürstentum), liegt getrennt von jenem zwischen Braunschweig, Hannover, Lippe und der preußischen, zur Provinz Westfalen gehörigen Enklave Lügde und bildet den Kreis P., der auf 66 qkm (1,20 QM.) (1885) 7977 größtenteils evang. Einwohner zählt. P. hatte bis 1494 eigne Grafen, kam 1557 an Lippe, 1583 an die Grafen von Gleichen und 1625 durch Erbschaft an Waldeck. - Die Hauptstadt P., ein weit bekannter Badeort, liegt in dem von hohen Bergen umschlossenen reizenden Emmerthal am Fuß des Bombergs und an der Linie Hannover Altenbeken der Preußischen Staatsbahn, 135 m ü. M., hat eine evangelische, eine katholische und eine engl. Kirche, eine Synagoge, ein fürstliches Schloß, ein Armen- und Krankenhaus, ein Theater, ein Amtsgericht, höhere Knaben- und höhere Töchterschule, Gas- und Wasserleitung, Pferdeeisenbahn (vom Bahnhof nach der Stadt und nach dem Solbad), Zigarrenfabrikation und (1885) 1410 meist evang. Einwohner. P. ist Geburtsort des Bildhauers Drake. Die dortigen Mineralquellen, bestehend in 3 Stahlquellen (Hauptquelle, Helenenquelle und Brocklbrunnen) und 3 kohlensäurereichen Solquellen von 10-15° C. (darunter eine neuerbohrte eisenhaltige von 12-12,70° C.), werden vorzüglich gegen Blutarmut, Nervenschwäche, Skrofeln, Gicht, Rheumatismus, Magen- und Darmkatarrhe und Frauenkrankheiten angewandt. Das Stahlbadehaus befindet sich in P. selbst, während das Solbad 15 Minuten davon entfernt liegt. Die Zahl der Kurgäste betrug 1886: 12,463. In der Umgebung sind die der Hundsgrotte bei Neapel ähnliche sogen. Dunsthöhle und auf dem 250 m hohen Schellenberg die Ruine des fürstlichen Schlosses Schell-Pyrmont, ferner der Königsberg mit einem Marmordenkmal Friedrichs d. Gr. bemerkenswert. Mit P. hängt das Pfarrdorf Ösdorf zusammen, welches Messer- und Tabaksfabriken und (1885) 1862 Einw. hat. Vgl. Valentiner, P. für Kurgäste geschildert (3. Aufl., Berl. 1876); Marcus, Der Kurort P. (das. 1883); Schücking, Bad P. (2. Aufl., Pyrmont 1887).

Pyrobolik (griech.), Feuerwerkerei.

Pyroelektrizität, die beim Erwärmen oder Abkühlen gewisser Kristalle erregte Elektrizität (Kristallelektrizität). Ein säulenförmiger Kristall von Turmalin wird am einen Ende positiv, am andern negativ elektrisch, wenn man ihn erwärmt; dagegen wird jenes Ende negativ, dieses positiv elektrisch, wenn er sich abkühlt. Bei unveränderter Temperatur ist er unelektrisch.

Pyrogallussäure (Pyrogallin, Brenzgallussäure) C6H6O3 ^[C_{6}H_{6}O_{3}] entsteht beim Erhitzen von Gallussäure C7H6O5 ^[C_{7}H_{6}O_{5}] unter Entwickelung von Kohlensäure. Zu ihrer Darstellung kann man Galläpfelextrakt oder Gallussäure in einem Sublimationsapparat erhitzen; vorteilhafter erhitzt man aber Gallussäure mit dem zwei- bis dreifachen Gewicht Wasser im Dampfkochtopf eine halbe Stunde auf 200-210°, wobei die Gallussäure fast vollständig in P. umgewandelt wird, die dann durch Kristallisation und Sublimation rein zu erhalten ist. Sie bildet farb- und geruchlose Kristalle, ist leicht löslich in Wasser, Alkohol und Äther, reagiert neutral, schmilzt bei 115°, sublimiert bei 210°, sie fällt nicht tierischen Leim, absorbiert in alkalischer Lösung begierig Sauerstoff und färbt sich dabei dunkelbraun; aus den Lösungen der Gold- und Silbersalze scheidet sie metallisches Gold und Silber ab, und mit Eisenoxydulsalzen färbt sie sich schwarzbraun. Man benutzt sie in der Photographie, Galvanoplastik, in der Gasanalyse zur Bestimmung des Sauerstoffs, bisweilen auch zum Färben der Haare.

Pyrogen (griech., "aus Feuer entstanden"), dem Solaröl ähnlicher Leuchtstoff, wird aus roher Karbolsäure, welche man als Nebenprodukt bei der Mineralölfabrikation erhält, gewonnen, indem man deren Dämpfe bei stürmischer Destillation durch ein hellglühendes Rohr leitet und das verdichtete Destillat mit Lauge und Säure behandelt. Nach einer andern Methode destilliert man die Lösung des karbolsauren Natrons, welche man bei der Reinigung der Mineralöle mit Natronlauge erhält, bis zur vollständigen Verkohlung des Rückstandes und behandelt das Destillat ebenfalls mit Lauge und Säure.

Pyrogon (griech.), fiebererregend.

Pyrolatrie (griech.), s. Feuerdienst.

Pyroleen, Unterfamilie der Erikaceen.

Pyrolith (griech.), s. Brikette.

Pyrolusit, s. v. w. Braunstein.

Pyromanie (griech.), Brandstiftungstrieb, s. Geisteskrankheiten, S. 35.