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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Quecksilbervitriol; Queda; Quedlinburg

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Quecksilbervitriol - Quedlinburg.

bei den Arbeitern in Quecksilberminen und -Hütten, bei den Spiegelbelegern, bei Verfertigern physikalischer Instrumente (z. B. Barometer etc.). Sie wird bedingt durch die Einatmung der bei der Gewinnung und technischen Verarbeitung des Quecksilbers entstehenden Metalldämpfe. Die medizinale Q. tritt ein, wenn zu Heilzwecken seitens des Arztes zu große Dosen der verschiedensten Quecksilberpräparate, metallisches Quecksilber, namentlich in Form von Einreibungen, graue Salbe (Schmierkur), Kalomel, Sublimat, verabreicht werden. Man unterscheidet, verschieden nach der Schnelligkeit und Energie der Quecksilberwirkung, die akute und chronische Q.; die erstere, die akute, fällt ziemlich zusammen mit der medizinalen, die letztere mit der technischen. Akute Q. wird veranlaßt durch Sublimat, seltener durch andre Präparate des Quecksilbers und zwar durch Darreichung von Sublimat durch den Mund wie auch durch Einspritzungen unter die Haut. Die Erscheinungen sind die einer heftigen Magendarmentzündung, bei raschem Verlauf der Dysenterie ähnlich: heftiges Erbrechen, Schmerzen in Mund, Speiseröhre und Bauch, starke Diarrhöe, häufig blutige Stühle, Harnverhaltung, äußerst schneller Verfall der Kräfte; nicht selten ist dabei direkte Anätzung der Schleimhaut des Speisekanals. Der Tod tritt in 2-30 Stunden ein; gelegentlich zieht sich derselbe zu 5, 6, ja 15 Tagen hin. Chronische Q. (konstitutioneller Merkurialismus) ist in der großen Mehrzahl der Fälle Gewerbekrankheit, kommt jedoch auch als medizinale vor, wenn übermäßig lange Zeit geringe Quantitäten Quecksilber (graue Salbe, Kalomel, Sublimat), namentlich als antisyphilitische Kur, Kranken verabreicht wurden. Die Symptome derselben sind sehr verschieden und in den einzelnen Fällen in bald mehr, bald weniger hohem Grad ausgesprochen von der mildesten bis zur schwersten Form variierend. Konstant ist die merkurielle Mund- und Rachenentzündung mit Speichelfluß, eigentümlichem metallischen Geschmack und "fötidem" Geruch aus dem Mund, später Geschwürbildung, ja Brand der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches, die Zähne lockern sich und fallen aus. Bei Arbeitern, die infolge ihrer Beschäftigung gezwungen sind, mit der äußern Luft stets Quecksilberdampf einzuatmen, finden sich auch merkurielle Leiden der Atmungsorgane; sie leiden an chronischem Husten und gehen sehr häufig an Lungenschwindsucht zu Grunde. Ganz regelmäßig findet sich endlich bei vorgeschrittenen Graden der Krankheit das sogen. Quecksilberzittern (tremor mercurialis); die Glieder können nicht ruhig gehalten werden, sondern bewegen sich, zum Gebrauch in Anspruch genommen, in fortwährenden oszillierenden, schnell aufeinander folgenden Muskelkontraktionen, ähnlich dem kleinen Veitstanz; meist sind zuerst Hände und Arme nebst den Gesichtsmuskeln ergriffen. Mehr oder weniger frühzeitig wird bei den hohen Graden des chronischen Merkurialismus der ganze Organismus in Mitleidenschaft gezogen, und der ganze Körper verfällt der Zerrüttung. Was die Behandlung der Q. angeht, so ist dieselbe für die akute Form ähnlich der bei der Mehrzahl der Vergiftungen eingeleiteten: schleunige Entfernung des eingeführten Gifts durch die Magenpumpe, Zufuhr möglichst großer Quantitäten von einhüllenden und reizmildernden Stoffen (Eiweißlösungen, Eier, Milch etc.). Gegen den konstitutionellen Merkurialismus sind in den Gewerben strenge sanitätspolizeiliche Maßnahmen erforderlich: beschränkte Zeit des Aufenthalts in den mit Quecksilberdampf geschwängerten Räumen, ausgiebige Ventilation der Arbeitsräume, häufige Bewegung in freier Luft etc. Der medizinale konstitutionelle Merkurialismus ist sehr viel seltener geworden, seit man von den in frühern Jahrzehnten dieses Jahrhunderts üblichen forcierten Quecksilberkuren zurückgekommen ist. Bei Eintreten desselben muß der Gebrauch des Quecksilbers sofort aufgegeben, und die bestehenden Erscheinungen müssen einer sorgfältigen Behandlung unterzogen werden, wobei das fleißige Gurgeln mit 5proz. Lösung von chlorsaurem Kali zur Beseitigung der Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis mercurialis) obenan steht. Vgl. Kußmaul, Untersuchungen über den konstitutionellen Merkurialismus (Würzb. 1861); Hermann, Über die Wirkung des Quecksilbers auf den menschlichen Organismus (Berl. 1878); Kaufmann, Die Sublimatvergiftung (Bresl. 1888).

Quecksilbervitriol, s. v. w. schwefelsaures Quecksilberoxyd.

Queda (Kedah, Keida), malaiisches, Siam tributäres Fürstentum auf der Westküste der hinterindischen Halbinsel Malakka, 9324 qkm (169,4 QM.) groß mit 30,000 Einw., hat hohe Gebirge mit reichen Zinnlagern (auch Gold wird gefunden), wird von sechs schiffbaren Flüssen durchströmt, ist dicht bewaldet, sehr fruchtbar, aber wenig erforscht. Die gleichnamige Hauptstadt hat 7-8000 Einw.

Quedlinburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Aschersleben, an der Bode, Knotenpunkt der Linien Wegeleben-Thale und Q.-Frohse der Preußischen Staatsbahn, 121 m ü. M., ist zum Teil von betürmten Mauern umgeben und besteht aus der Alt- und Neustadt mit 4 Vorstädten. Auf einem Felsen in der Vorstadt Westendorf erhebt sich das Schloß, einst Sitz gefürsteter Äbtissinnen, die schöne, restaurierte romanische Schloßkirche (1129 geweiht) mit den Grabmälern des deutschen Königs Heinrich I. und seiner Gemahlin Mathilde sowie der Gräfin Aurora von Königsmark und ein Zeughaus enthaltend. Außer der Schloßkirche hat Q. noch 6 evang. Kirchen (darunter die Marktkirche mit schönem Schnitzwerk) und eine kath. Kirche. Bemerkenswert ist auch das alte Rathaus mit vielen Altertümern und interessanten Gemälden. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1885) mit der Garnison (2 Eskadrons Kürassiere Nr. 7) auf 19,323 Seelen, meist Evangelische, welche Zucker-, Draht- und Blechwaren-, Nudel-, Papier- und Mehlwaren- und Maschinenfabrikation, Tuch- und Wollzeugweberei, Kunstglaserei und Glasmalerei etc. betreiben. Von besonderer Bedeutung sind Gartenbau, Blumenzucht und Samenhandel. Die weltberühmte Gärtnerei von Dippe bebaut allein in Q. und Umgegend über 8400 Morgen Land und beschäftigt ca. 1800 Personen. Q. hat ein Amtsgericht, eine Reichsbanknebenstelle, ein Gymnasium, eine Präparandenschule, mehrere Hospitäler etc. Im SW. das Brühlwäldchen mit einer Büste Klopstocks und dem Denkmal des Geographen Karl Ritter, die beide in Q. geboren wurden; im W. der Münzenberg, wo das ehemalige Marienkloster stand, im SO. die Sewecker Berge mit einer Kalksteinhöhle und der Gersdorfer Burg. - Q. wurde 924 vom König Heinrich I. gegründet und gegen die Magyaren befestigt. Später erhielt es seine Gemahlin Mathilde

^[Abb.: Wappen von Quedlinburg.]