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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Quintus - Quisquis praesumitur etc.

Quintus (lat.), der Fünfte.

Quintus Icilĭus, s. Guichard.

Quintus Smyrnäus, griech. Epiker zu Ausgang des 4. Jahrh. n. Chr., aus Smyrna, Verfasser von "Posthomerica" in 14 Büchern, einer Fortsetzung der Homerischen Ilias bis zur Heimfahrt der Achäer. Den Stoff entnahm Q. den Kyklikern; das Gedicht selbst ist eine ziemlich geistlose Nachahmung des Homer. Ausgaben von Lehrs (Par. 1840) und Köchly (Leipz. 1850, Textausg. 1853); Übersetzungen von Platz (Stuttg. 1857) und Donner (das. 1867).

Quinze (franz., spr. kängs', "fünfzehn"), Name eines Glücksspiels mit Karten, ähnlich wie Onze et demie.

Qui profĭcit in artĭbus et defĭcit in morĭbus, plus defĭcit, quam profĭcit (lat.), wer im Wissen Fortschritte und in den Sitten Rückschritte macht, macht mehr Rückschritte als Fortschritte.

Qui pro quo (lat., "Einer für Einen"), Verwechselung einer Person mit einer andern.

Quipu, die Knotenschrift, deren sich die Inkas in Peru vor der Eroberung ihres Reichs durch die Spanier bedienten, um Mandate in allen Teilen ihres Reichs zu verbreiten und sogar um damit die Annalen ihrer Herrschaft zu führen. Die Q. bestanden aus einer 1 bis viele Meter langen Hauptschnur, von der fransenartig eine Menge buntfarbiger Fäden von der Dicke gewöhnlicher Bindfäden herabhing, welche mannigfach zusammengedreht und in Knoten geschürzt waren. Die Bedeutung hing an der Farbe, an der Beschaffenheit und Anzahl der Knoten, an der Reihenfolge der Fäden, ihrer Entfernung von der Hauptschnur und ihren Verschlingungen. Eine in einem Grab gefundene Schnur wiegt fast 4 kg. Ein Spanier, der sich von Eingebornen die Knotenschrift erklären ließ, schrieb nach einem darin abgefaßten Werk die Geschichte von Peru. Vgl. obige Abbildung.

^[Abb.: Quipu.]

Quirināl (Quirinalis collis), einer der sieben Hügel des alten Rom (s. d.), nordnordöstlich vom Kapitol gelegen, mit den Tempeln des Quirinus, des Semo Sancus, der Flora, der Salus, des Serapis etc., den Thermen des Konstantin und Diokletian, von welch letztern sehr ansehnliche Reste erhalten sind, und dem prachtvollen Grabmal der Flavier, in welchem Vespasian, Titus und Domitian bestattet wurden, und das etwa an der Stelle des heutigen Finanzministeriums lag. 1574 begann hier der Bau der päpstlichen Sommerresidenz, des Palazzo del Quirinale, seit 1870 Residenz des Königs von Italien; davor die Piazza del Quirinale mit den antiken Kolossen des Kastor und Pollux.

Quirinalĭa (lat.), s. Quirinus.

Quirīnkraut, s. Tussilago.

Quirīnus, altitalischer Gott, angeblich der Stammgott der Quiriten, der Bewohner von Cures, vermutlich sabinischer Name des Mars; dann bei den Römern Beiname des vergötterten Romulus. Ihm zu Ehren wurden die Quirinalia (17. Febr.) gefeiert. Er hatte ein altes Heiligtum auf dem nach ihm Quirinal genannten Hügel Roms. Sein Priester hieß Flamen Quirinalis, die Gemahlin des Gottes Hersilia (s. d.).

Quirīnusöl, Erdöl von Tegernsee in Bayern.

Quirīten (Quirites), der Sage nach von der sabinischen Stadt Cures abzuleiten, ursprünglich Name des unter Titus Tatius sich mit den Römern vereinigenden Stammes der Sabiner: dann (vollständig lautete der offizielle Name Populus Romanus Quiritium, Populus Romanus Quirites) Name des aus beiden Stämmen vereinigten Volkes, namentlich in bürgerrechtlicher Beziehung, während Romani der politische und militärische Name blieb.

Quirl (Querl, Wirtel), Werkzeug, um Flüssigkeiten durch Herumdrehen desselben in Bewegung zu setzen; dann der Gipfel der Nadelbäume, der in einem Jahr gewachsen ist; daher sagt man: ein Holz steht am 3., 4., 5. etc. Q., d. h. es ist 3, 4, 5 etc. Jahre alt. In der Botanik bezeichnet Q. diejenige Stellung seitlicher Glieder, wobei deren mehr als zwei auf gleicher Höhe des Stengels entspringen; daher Blattquirl, Astquirl, quirlständige Blätter etc.

Quiroz, Eça de, portug. Schriftsteller, geb. 25. Nov. 1843 zu Povoa de Varzim, studierte Rechtswissenschaft in Coimbra, widmete sich dann in Evora und Lissabon litterarischen Studien, bekleidete in der Folge eine Administratorstelle zu Leiria und wurde schließlich portugiesischer Konsul erst in Havana, später zu New Castle und 1880 in Bristol. Q. ist Verfasser einer Reihe von Romanen der realistischen Gattung, die großen Beifall fanden, und von denen wir "O crime do padre Amaro" (1874, umgearbeitete Aufl. 1880) und "O primo Basilio" (1879) als die bemerkenswertesten nennen.

^[Doppelartikel, vgl. den Artikel Esa de Queiroz, Meyers Band 5, Seite 839 (Geburtsjahr!).]

Quisisāna (ital. qui si sana, "hier genest man"), königliches Lustschloß bei Castellammare di Stabia (s. d.); desgleichen Bezeichnung für klimatische Kurorte, Hotels (z. B. auf Capri) etc.

Quisque suōrum verbōrum optĭmus interpres (lat.), Rechtssprichwort: jeder kann seine Worte am besten selbst erklären.

Quis? Quid? Ubi? Quibus auxiliis? Cur? Quomodo? Quando? (lat.), die von dem Philosophen Joach. Georg Daries in Frankfurt a. O. (gest. 1791) angestellten und in einen Hexameter gebrachten philosophischen Grundbegriffe oder Kategorien: "Wer? Was? Wo? Wodurch? Warum? Wie? Wann?" Vgl. Kategorie.

Quisquilĭen (lat.), wertloses Zeug, Plunder.

Quisquis praesumĭtur bonus, donec probētur contrarium (lat.), Rechtsregel: von jedem setzt man voraus, daß er gut ist, solange das Gegenteil nicht bewiesen ist.