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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: R; R.-I; R. A.,; R. Br; R. E; R. et P; R. et S; R. I. P.,; R. I. S. A; R. M. S; R. N; R. O.,; R. P; r. r.; R. S. A.,; Ra; Raa; Raab

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R - Raab.

R.

R (ĕr), r, lat. R, r, ist nach der gewöhnlichen Aussprache ein tönender Zitter- oder Gleitelaut (Liquida) und als solcher so nahe mit den Vokalen verwandt, daß er sogar wie letztere silbenbildend auftreten kann, z. B. in dem deutschen Fuhrmannsausruf brr; doch gibt es auch ein spirantisches oder gezischtes r, das mehr ein Geräuschlaut als ein tönender ist und daher vor einem Zischlaut leicht gänzlich von demselben absorbiert wird, wie z. B. im Polnischen rz fast wie sch ausgesprochen wird. Auch das tönende r kann sehr verschieden ausgesprochen werden und zerfällt in drei Hauptarten: das cerebrale r, besonders im Englischen gebräuchlich, entstehend durch Aufbiegung des vordern Zungensaums nach oben und Annäherung desselben an den harten Gaumen hinter den Alveolen der Oberzähne; das dentale oder alveolare r, entstehend durch einfache Emporhebung der Vorderzunge mit leichter Wölbung des Zungensaums; das gutturale oder uvulare r, entstehend durch Emporhebung des Zungenrückens zu dem weichen Gaumen, wie bei der Aussprache eines ch, aber so, daß die Zunge eine Rinne bildet, in der das Zäpfchen schwingen kann. Die beiden letztern Arten des r sind die in Deutschland vorzugsweise üblichen, das dentale r, bei dem sich leicht das sogen. Schnarren oder Rollen einstellt, in Norddeutschland herrschend, das gutturale besonders in Süddeutschland verbreitet. In Mecklenburg und Pommern, überhaupt an der Ostseeküste, wird auch das cerebrale r sehr viel gehört, was aus slawischen Einflüssen erklärt wird. Im Sanskrit und in mehreren slawischen Sprachen wird von dem konsonantischen ausdrücklich ein vokalisches r unterschieden, welches für sich allein Silben bilden kann; auch die Griechen trugen der vokalischen Natur des r Rechnung, indem sie es zur Bezeichnung des Stimmeinsatzes wie einen Vokal mit dem Spiritus asper versahen. Das ursprüngliche r der indogermanischen Sprachen scheint ein alvoleares r ohne Rollen gewesen zu sein. Der Buchstabe r hieß bei den Griechen Rho; der Haken, welchen die Römer dem alten Zeichen für r (P) unten anhängten, sollte dazu dienen, um es von dem p zu unterscheiden, dessen römische Form (P) fast mit dem Rho zusammenfiel.

Abkürzungen.

In der Mathematik ist R Bezeichnung eines rechten Winkels, z. B. 2R = 180°; als Zahlzeichen: im Griechischen ρ' = 100, ρ, = 100,000, im Lateinischen R = 80, ^R = 80,000. In röm. Handschriften, auf Münzen, Inschriften etc. steht R für Roma, Romanus, regia, regnum, restitutor, rex; auf Rezepten (gewöhnlich R') für recipe, nimm; in Münzwerken für rarus (selten); je seltener die Münze ist, desto öfter ist R wiederholt (RR, sehr selten, RRR, äußerst selten), dann auch für Revers; bei Temperaturangaben für Réaumursches Thermometer. In bibliographischen Angaben steht r (oder f. r.) für folio recto (lat.), rechte Seite des betreffenden Blattes; auf der Stellscheibe von Taschenuhren steht R für retarder (franz., "verzögern, verlangsamen"), im Gegensatz zu "A" (s. d.); in der internationalen Telegraphie für recommander (franz. "einschreiben"). In der Musik ist R (r) = rechte (Hand), auch wohl = ripieno.

R. bei naturwissenschaftlichen Namen = K. A. Rudolphi (s. d.).

R. A., in England = Royal Academy.

R. Br., bei naturwissenschaftlichen Namen = Robert Brown (s. d. 4).

R. E., in England = Royal Engineers, "königliche Ingenieure" (Pioniere).

R. et P., bei botanischen Namen Abkürzung für Hipolito Ruiz Lopez, geb. 1754 zu Belorada, Adjunkt am botanischen Garten zu Madrid, gest. 1815 daselbst, und J. Pavon (s. d.); bereisten mit Dombey 1779-88 Peru, Chile etc.

R. et S., s. Röm. et Schult.

R.-I. = Rhode-Island.

R. I. P., auf Grabsteinen = requiescat in pace (lat.), "er ruhe in Frieden".

R. I. S. A. = Romani imperii semper auctor ("allezeit Mehrer des römischen Reichs"), früher Zusatz zum Titel des deutschen Kaisers.

R. M. S., in England = Royal Mail Steamer, "königlicher Postdampfer".

R. N., in England = Royal Navy, "königliche Marine".

R. O., in der internationalen Telegraphie = rendre ouvert, offen zu bestellendes Telegramm; desgleichen

R. P. = réponse payée, "Antwort bezahlt"; sonst auch = révérend père, "ehrwürdiger Vater".

r. r. = reservatis reservandis (lat.), "unter dem nötigen Vorbehalt"; in England = rail road, Eisenbahn.

R. S. A., in England = Royal Society of Antiquaries; R. S. D. = Royal Society of Dublin, R. S. E. desgleichen of Edinburgh, R. S. L. desgleichen of London.

Ra, ägypt. Sonnengott, die ursprünglichste Hauptgottheit der alten Ägypter, dessen Herrschaft aber, auf die des Ptah folgend, der Sage nach einer längst vergangenen Zeit angehören soll, und an dessen Stelle nun verschiedene andre Gottheiten getreten sind, wie Ammon-Ra, Harmachis und Tum. Ein König der achtzehnten Dynastie führte gewaltsam den Kult des Sonnendiskus ein; er nannte sich selbst Chu-en-aten "Abglanz der Sonnenscheibe"). Vgl. Ägypten, S. 19.

Raa, wagerechte Segelstangen, s. Takelage. ^[richtig: Takelung.]

Raab, rechter Nebenfluß der Donau in Ungarn, entspringt in Steiermark auf der Heubodenhöhe, verläßt unweit Fehring das Land und teilt sich bei Körmönd in Ungarn in zwei Arme, von denen der größere durch das Ödenburger Komitat fließt, im Raaber Komitat den Marczal aufnimmt und mit der Rabnitz in die sogen. Kleine Donau mündet, während der kleinere Arm gegen N. fließt, die Repcze aufnimmt und sich mit der Rabnitz vereinigt. Nebenflüsse sind außer den erwähnten: die Feistritz, Lafnitz, Pinka und Güns. Die Länge der R. beträgt 250 km.

Raab (ungar. Györ, spr. djōhr), ungar. Komitat am rechten Donauufer, wird von Wieselburg, Preßburg, Komorn, Veszprim und Ödenburg umschlossen und umfaßt 1381 qkm (25,1 QM.). Von einigen langgestreckten Höhen im S. abgesehen, ist das Gebiet eben, meist sehr fruchtbar und wenig bewaldet. Hauptflüsse sind: die Große und Kleine Donau, die Rabnitz und R. Die Bevölkerung (1881: 109,493 ungar. Einwohner) beschäftigt sich mit Landwirtschaft, Rindvieh- und Pferdezucht. Hauptprodukte sind: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Raps, Hanf und Flachs und auf den Anhöhen auch Wein und Obst. Die königliche Freistadt R., Sitz des Komitats, Knotenpunkt der Ungarischen Staats- und der R.-Ödenburger Bahn und Station der Donaudampfschiffahrt, liegt an der Mündung der Raab in die Kleine Donau, ist hübsch gebaut, hat besonders am Marktplatz schöne Gebäude und seit 1884 auch eine Wasserleitung. Zwischen der Raab und Rabnitz liegt die Vorstadt Ujváros, eine andre Vorstadt bilden die sogen. Meierhöfe. R. besitzt 4 kath. Kirchen (darunter die schöne Kathedrale mit dem Schädel des heil. Wladislaw), eine lutherische, eine reformierte und eine griech. Kirche, ein Benediktiner-, Karmeliter- und Ursulinerinnenkloster und hat (1881) 20,981 ungar. Einwohner, große Pferdemärkte, Schiff-^[folgende Seite]