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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Radiophonie

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Radiometer - Radiophonie.

glühtem Glimmer, dessen eine Seite mit Ruß geschwärzt ist und zwar so, daß die berußten Flächen alle nach derselben Seite gekehrt sind. Das Ganze ist in eine hohle Glaskugel von 5-6 cm Durchmesser eingeschlossen, welche sich nach oben und unten röhrenförmig verlängert; von obenher ragt eine dünne, unten offene Glasröhre in die Kugel hinein, welche beim Neigen des Apparats das Glashütchen faßt und es verhindert, von der Spitze wegzufallen. Die Glashülle wird mittels einer Quecksilberluftpumpe möglichst luftleer gemacht und dann zugeschmolzen. Setzt man das R. den Strahlen einer Licht- oder Wärmequelle aus, so dreht sich das Rädchen mit einer der Stärke der Strahlung proportionalen Geschwindigkeit, indem die nicht geschwärzten Flächen vorangehen. Ein bei gewöhnlicher Temperatur stillstehendes R. dreht sich in umgekehrter Richtung, mit den schwarzen Flächen voran, wenn man es in ein Gefäß mit kaltem Wasser setzt. Crookes glaubte anfänglich die Bewegung des Radiometers einer abstoßenden Wirkung der Strahlen zuschreiben zu müssen, welche dieselben auf die schwarzen Flächen, von denen sie absorbiert werden, ausüben sollten. Spätere Versuche aber zeigten, daß zwischen Rädchen und Glashülle eine Gegenwirkung stattfindet, daß somit die Bewegung nicht von einer äußern Kraft herrühren könne. Läßt man nämlich ein R., dessen Rädchen mit einem leichten Magnetstäbchen versehen ist, in Wasser schwimmen und hält das Rädchen durch einen von außen genäherten Magnet fest, so dreht sich bei Bestrahlung die Glashülle in einer Richtung, welche derjenigen entgegengesetzt ist, in der das freie Rädchen im feststehenden Gefäß sich drehen würde. Von den bisher versuchten Erklärungen hat noch keine allgemeine Anerkennung gefunden. Eine derselben leitet die Bewegung von Strömungen der in dem Gefäß noch vorhandenen sehr verdünnten Luft her, welche gegen die stärker erwärmten schwarzen Flächen gerichtet seien. Eine andre gründet sich auf die kinetische Gastheorie (s. Gase und Wärme), welcher zufolge sich die Moleküle eines Gases nach allen Seiten hin geradlinig fortbewegen und zwar mit um so größerer Geschwindigkeit, je höher die Temperatur ist. An der wärmern schwarzen Fläche prallen sie daher mit erhöhter Geschwindigkeit ab, und die Fläche muß infolge des zwischen ihr und der Gefäßwand erfolgenden Rückstoßes zurückweichen. Damit aber dieser Rückstoß stattfinden könne, muß die Luft so weit verdünnt sein, daß der Weg, welchen ein Molekül bis zum Zusammenstoß mit einem andern zurücklegt, sehr groß ist im Verhältnis zu dem Durchmesser der Kugel des Radiometers. Eine dritte Erklärungsweise, welche die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat, nimmt an, daß an der höher erwärmten schwarzen Fläche eine Gasentwickelung stattfinde, sei es nun, daß ein Teil der Luftschicht, welche an der Oberfläche der Blättchen, wie an allen Körpern, haftet und selbst durch die Luftpumpe nicht zu entfernen ist, bei der Erwärmung entweicht, oder daß unter dem äußerst geringen Druck innerhalb der Glashülle auch die feste Substanz der Blättchen verdampft. Der Rückstoß des von den schwarzen Flächen sich entwickelnden Gasstroms würde alsdann das Zurückweichen derselben und somit die Drehung des Rädchens bewirken.

^[Abb.: Radiometer.]

Radiophonie (lat.-griech.), Schallerregung durch Strahlung, die Erzeugung eines Tons durch die Einwirkung eines in regelmäßigen Zwischenräumen unterbrochenen ("intermittierenden") Lichtstrahls auf eine dünne Platte eines beliebigen festen Körpers, wobei die Schwingungszahl des Tons gleich ist der Anzahl der in einer Sekunde erfolgenden Unterbrechungen des Lichtstrahls. Die Unterbrechungen (Intermittenzen) des Lichtstrahls werden z. B. mit Hilfe einer rotierenden Glasplatte hervorgebracht, die mit dunklem Papier beklebt ist, in welches am Rande die Öffnungen für den Durchgang der Strahlen eingeschnitten sind. Die tönende Platte wird entweder unmittelbar ans Ohr gehalten, oder in der weitern Öffnung eines kleinen Hörrohrs angebracht, von dessen engerm Ende ein Kautschukschlauch zum Ohr führt. Die Stärke des gehörten Tons ist hauptsächlich bedingt von der Beschaffenheit der Oberfläche der Platte und wird bedeutend erhöht, wenn man diese Oberfläche mit Ruß, Platinmohr, Asphalt etc. überzieht, welche die Strahlen kräftig absorbieren. Aus diesen Thatsachen geht hervor, daß eine Oberflächenwirkung vorliegt, an der die Platte selbst keinen Anteil hat, und in der That geben Stoffe von lockerm Gefüge, wie Baumwolle, Kork, Schwamm etc., in einem mit einer Glasplatte verschlossenen Schalltrichter von intermittierendem Licht bestrahlt, lautere Töne als andre Stoffe, namentlich wenn sie dunkel gefärbt oder noch besser mit Ruß geschwärzt waren; auch mit Ruß geschwärztes Drahtgewebe oder Lampenruß allein erweist sich als sehr wirksam. Ein sehr einfaches und wirksames Radiophon erhält man, wenn man ein mit Ruß überzogenes biegsames Glimmerplättchen in ein Probierröhrchen einschiebt und die Strahlen so auf die Rußschicht fallen läßt, daß sie zuerst die gegenüberliegende durchsichtige Wand des Gläschens passieren. Das offene Ende des Röhrchens wird durch einen Kautschukschlauch mit einem Hörrohr verbunden; bei Anwendung von Drummondschem Licht hört man auf diese Weise die radiophonischen Töne bis auf eine Entfernung von 1-2 m von der Mündung des Hörrohrs. Will man mittels dieser Einrichtung nicht bloß musikalische Töne und Akkorde, wie die durchlöcherte Scheibe sie gibt, sondern die artikulierten Laute der menschlichen Sprache reproduzieren, so gelingt dies durch dasselbe Mittel, welches Bell bei seinem Selenphotophon anwendete, indem man das Lichtbündel an einem dünnen biegsamen Spiegel reflektieren läßt, der durch die gegen seine Rückseite gesprochenen Worte in Erzitterungen versetzt wird, die sich dem zurückgeworfenen Lichtbündel mitteilen. Wird das Lichtbündel mittels einer Linse auf der Rußschicht des Radiophons konzentriert, so hört man aus diesem die gesprochenen Worte deutlich herausklingen. Dieser einfache Apparat macht also gleich dem Bellschen Photophon den Lichtstrahl zum Träger der menschlichen Stimme und zwar ohne Zuhilfenahme einer galvanischen Batterie und eines Telephons. Mercadier hat gezeigt, daß die radiophonischen Töne am stärksten durch die roten und ultraroten Strahlen hervorgebracht werden, d. h. durch diejenigen Strahlen, deren erwärmende Wirkung die größte ist, während die Einwirkung auf das Selen, die dem Bellschen Photophon zu Grunde liegt, vorzugsweise den leuchtenden Strahlen zuzuschreiben ist. Mercadier hat daher statt R. auch die Bezeichnung Thermophonie vorgeschlagen. Die radiophonischen Töne entstehen ohne Zweifel dadurch, daß die in den Zwischenräumen zwischen den Teilchen der lockern Körper, z. B. des Rußes, enthaltene Luft sich abwechselnd erwärmt und ausdehnt, dann wieder ab-^[folgende Seite]