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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ranzau - Raphelengh.

einer aufrechten oder hängenden Samenknospe. Im letztern Fall sind die Früchte einsamige Achenien, im erstern mehrsamige, freie oder in der Mitte verwachsene, an der Bauchnaht mit einer Längsspalte aufspringende Kapseln, seltener Beeren. Die Samen enthalten ein horniges Endosperm, in dessen Basis der sehr kleine, gerade Keimling liegt. Vgl. De Candolle, Ranunculacae, in "Prodromus", Bd. 1. Die Familie zählt gegen 1200 Arten und ist zwar über die ganze Erde verbreitet, in der größten Artenzahl aber in den gemäßigten und kältern Gegenden der nördlichen Halbkugel, sehr reichlich in Europa vertreten. Sie enthalten zum Teil giftige Bestandteile, besonders die Arten von Helleborus, Aconitum u. a. Mehrere Arten von Clematis, Anemone, Ranunculus, Delphinium, Aconitum und Paeonia sind beliebte Zierpflanzen unsrer Gärten.

Ranzau, 1) ehemals reichsunmittelbare Grafschaft in Holstein, gehörte bis 1640 zu Pinneberg und fiel 1726 an Dänemark. Sie hatte ein Areal von 248 qkm (4,5 QM.) und Elmshorn zum Hauptort. - 2) Schloß mit Amtsgericht, s. Barmstedt.

Ranz des Vaches (franz., spr. rangs dä wásch), s. Kuhreigen.

Ranzen, in der Jägersprache vom vierläufigen Raubhaarwild s. v. w. sich begatten.

Ranzig, Bezeichnung des üblen Geruchs und Geschmacks, den die Fette nach kürzerer oder längerer Zeit annehmen. Unter dem Einfluß fäulnisfähiger pflanzlicher oder tierischer Stoffe zersetzen sich die Fette; es werden flüchtige Säuren gebildet, und diese verursachen deren Geruch und Geschmack. Je reiner die Fette sind, um so weniger leicht werden sie r. S. Fette.

Ranzion (franz. rançon), Lösegeld, mit welchem Kriegsgefangene ehemals losgekauft wurden; auch das Lösegeld für gekaperte Schiffe; Ranzionierungsvertrag (Loslassungsvertrag), der hierüber zwischen dem Kaper und dem Kapitän des gekaperten Schiffs abgeschlossen Vertrag; Ranzionierungsbillet (Billet de rançon, Ransom bill), die darüber aufgenommene Urkunde. Für Kriegsgefangene bestimmte die Höhe des Lösegeldes ehemals der Sieger, doch wurde später durch besondere Kartellverträge die R. für die verschiedenen Grade festgesetzt. Ein Vertrag zwischen Österreich und Schweden von 1642 setzte z. B. als R. für Generale 30,000, für Obersten 1000, Rittmeister 200, Kapitäne 150, Reiter 6, Musketiere 4, Marketender 30 Thlr. fest, und ein 1780 zwischen England und Frankreich abgeschlossener Vertrag stellte den französischen Vizeadmiral; den englischen en chef kommandierenden Admiral, den Marschall von Frankreich oder englischen Feldmarschall gleich 60 Matrosen oder gemeinen Soldaten. Für den Gemeinen wurde 1 Pfd. Sterl. u. s. f. nach dem Range gezahlt. Seit den Revolutionskriegen kam die R. außer Gebrauch, indem Gefangene nur gegen Gefangene ausgewechselt wurden. Ranzionieren, loskaufen, einen Kriegsgefangenen durch Auswechselung befreien; sich selbst ranzionieren, aus der Kriegsgefangenschaft entweichen.

Raon l'Etape (spr. rang letapp), Stadt im franz. Departement Vogesen, Arrondissement St.-Dié, an der Meurthe, die hier die Plaine aufnimmt, Station der Eisenbahn Lunéville-St.-Dié, mit Eisengießerei, Fabrikation von Strohhüten, Sieb- und Töpferwaren, Holzhandel und (1881) 3610 Einw. R. wurde 5. Okt. 1870 von Franctireurs besetzt, nach heftigem Gefecht aber deutscherseits genommen.

Raoul Rochette (spr. ra-ul roschett), s. Rochette.

Rapa, gesättigte Sole des Elton (s. d.).

Rapa, Insel, s. Oparo.

Rapaces (lat.), Raubvögel.

Rapacia (lat.), Raubtiere, auch eine Ordnung (Fleischfresser) der Beuteltiere (s. d.).

Rapacki (spr. -patzki), Winzenz, poln. Dichter und Schauspieler, geb. 1840 zu Lipno, durchlief das Gymnasium in Plozk, besuchte 1858 die Theaterschule zu Warschau, trat dann in Lemberg und Krakau auf und ist seit 1870 Mitglied des Warschauer Nationaltheaters. Unter seinen historischen Schauspiele: "Wit Stwosz" (1874), "Kopernik", "Acernus" (1879) und "Pro honore domus" (1880) gehört das erstgenannte zu den besten polnischen Dramen.

Rapahánnock, Fluß im nordamerikan. Staat Virginia, entsteht 65 km oberhalb Fredericksburg aus der Vereinigung der auf der Blue Ridge entspringenden Flüsse Rapidan und North Fork, fließt südöstlich und mündet 140 km unterhalb der genannten Stadt in die Chesapeakebai des Atlantischen Ozeans. Er ist von Fredericksburg an auch für größere Schiffe fahrbar. Die Ufer des R. waren in dem Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 der Schauplatz vieler Gefechte.

Rapallo, Stadt in der ital. Provinz Genua, Kreis Chiavari, an der gleichnamigen Bucht des Golfs von Genua und an der Eisenbahn Genua-Spezia, in reizender Lage, als klimatischer Winterkurort benutzt, hat ein Kastell, eine interessante Hauptkirche (ehemals Pallastempel), ein Gymnasium mit Konvikt, eine nautische Schule, einen Hafen, Schiffbau, Thunfischfang und Korallenfischerei, Fabrikation von Seife und Spitzen, lebhaften Handel und (1881) 2625, als Gemeinde 10,179 Einw. - R. ist eine der ältesten Städte Liguriens und hieß früher Tigullia. Hier 28. Aug. 1431 Seesieg der Venezianer unter Peter Loredano über die Genuesen. In der Nähe die berühmte Wallfahrtskirche Madonna di Montallegro.

Rapanui, s. Osterinsel.

Rapax (lat.), raubsüchtig, in der komischen Dichtung häufig als Eigenname gebraucht.

Rapazität (lat.), Raubgier, Raffsucht.

Rapé, eine Sorte Schnupftabak, s. Tabak.

Raphael, Maler, s. Raffael.

Raphaelsverein, St., von dem Komitee zum Schutz deutscher katholischer Auswanderer (gegründet 1868) 1871 gestifteter Verein, welcher für die Bedürfnisse der Auswanderer zu sorgen sich zur Aufgabe macht und zunächst besondere Seelsorgstellen für die Auswanderer in Einschiffungshäfen zu gründen bezweckt.

Raphanus (lat.), Pflanzengattung, s. Rettich.

Raphe (griech., Naht), in der Botanik ein Teil der Samenknospen (s. d.).

Raphelengh (Rapheling), Franz, Gelehrter und Buchdrucker, geb. 27. Febr. 1539 zu Lanoy bei Ryssel, erlernte in Nürnberg die Kaufmannschaft, widmete sich dann zu Paris den Wissenschaften, ward Lehrer der griechischen Sprache zu Cambridge, kehrte jedoch bald in seine Heimat zurück und beteiligte sich 1565 infolge seiner Heirat mit Margarete Plantin an der Buchdruckerei ihres Vaters zu Antwerpen. 1586 übernahm er ein Zweiggeschäft derselben zu Leiden, hier zugleich als Professor der hebräischen und arabischen Sprache an der Universität wirkend, und starb daselbst 21. Juli 1597. Ihm besonders verdankt man die große Korrektheit der Plantinschen Drucke, namentlich die "Biblia polyglotta" (1559-72, 8 Bde.). Er schrieb unter anderm eine hebräische Grammatik, ein chaldäisches und ein arabisches Wörterbuch, das 13 Auflagen erlebte. Seine Söhne Franz und Justus, gleichfalls tüchtige Kenner der alten Sprachen, führten die Druckerei fort.