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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rauchverbrennung

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Rauchverbrennung.

gezwungen ist, den Essenschieber teilweise zu schließen, um nicht zu starkes Feuer zu erhalten. Ein Zeitmangel zur Verbrennung endlich tritt ein, wenn der Rost oder die Heizfläche des Kessels oder beides gleichzeitig zu klein ist, und dies ist eine Hauptursache der Rauchentwickelung.

Bei der gewöhnlichen Planrostfeuerung spielt die der Feuerthür gegenüberliegende Feuerluke für die R. die wichtigste Rolle, und ihre zweckmäßige Einrichtung garantiert fast den ganzen Erfolg. In derselben entsteht ein scharfer Luftzug und infolge der hierdurch beschleunigten Verbrennung eine hohe Temperatur. Die Form der Feuerluke ist mitbestimmend für eine innige Mischung der Gase mit der Luft, und endlich ist auch ihre Lage von Einfluß, ihre Unterkante sollte mindestens 20 cm über dem Rost liegen. Das Kesselblech darf nicht zu nahe über der Flamme liegen, der Feuerherd muß um so höher sein, je langflammiger die Kohle ist, und sollte 50-60 cm hoch sein; bei Vorfeuerung mit gemauerter Decke, welche glühend wird und Wärme ausstrahlt, genügt eine Höhe von 30-35 cm. Der Rost soll höchstens 1,5 m lang und etwa 2 m breit sein, was für die größten Kessel der Neuzeit ausreichend ist. Im allgemeinen genügt 1 qm für jeden Zentner pro Stunde zu verbrennender guter Steinkohle. Die Summe aller Rostspalten muß 0,3-0,5 qm, der Feuerlukenquerschnitt 0,1-0,125 qm groß sein, und die Höhe der Kohlenschicht auf dem Rost ist immer auf 10-15 cm zu erhalten. Die Rostspalten sollen immer 4-8 mm breit sein, der Querschnitt der unter der Feuerthür befindlichen Windluke, durch welche die Luft unter den Rost zieht, muß womöglich gleich der freien Rostfläche sein. Eine runde Schauöffnung in der Feuerthür von etwa 3 mm Durchmesser gestattet die bequeme und vollständige Kontrolle des Feuers.

Auf einem Rost von angegebener Beschaffenheit und unter den oben angeführten Bedingungen läßt sich jede Kohlensorte rauchfrei verbrennen, wenn der Heizer richtig und aufmerksam arbeitet. Es soll frische Kohle aufgeschüttet werden, sobald die Gase der letzten Beschickung völlig ausgetrieben und verbrannt sind und die zurückgebliebenen Koks in stärkster Glut sich befinden. Dabei soll die Schicht der neu aufgeworfenen Kohle nur so stark sein, daß noch die Flammen der untern brennenden Kohlenschicht hindurchschlagen können. Gelingt ein solches Aufstreuen wegen der Beschaffenheit der Kohle nicht, so bedeckt man nur einen Teil der gesamten Rostfläche mit frischer Kohle, damit die sich entwickelten Gase an der ungestörten Flamme sich entzünden können. Bei breiten Rosten beschickt man daher abwechselnd die rechte und die linke Hälfte, doch ist wenigstens bei Unterfeuerungen nicht empfehlenswert, beide Hälften durch eine Scheidewand voneinander zu trennen. Die schmalen Roste der Innenfeuerungen beschickt man abwechselnd auf der vordern und der hintern Hälfte. Der Luftbedarf des Feuers ist nun in den verschiedenen Phasen der Verbrennung sehr ungleich und offenbar am größten, wenn sich gleich nach dem Aufwerfen frischer Kohle reichlich brennbare Gase entwickeln. Alsdann genügt die durch die Windluke unter den Rost strömende Luft nicht vollständig, und man öffnet vorteilhaft die auf einen Moment geschlossene Feuerthür so weit, daß die Flamme rein und weiß brennt, und so lange, bis die Gasentwickelung nahezu beendet ist. In der nun folgenden Phase kann auch die Öffnung der Windluke etwas verengert werden, bis dann beim Aufschütten neuer Kohle wieder viel Luft gebraucht wird. Die Zuleitung des Mehrbedarfs an Luft durch die Feuerthür ist sehr einfach und bequem, aber nicht ohne einige Nachteile, da die Luft erst ganz hinten in der Feuerluke gebraucht wird und auch auf dem Weg dorthin viel Sauerstoff verliert. Aus diesem Grund erhält man immer einen Überschuß von Luft oder vielmehr von Stickstoff in den Feuergasen, und bei unvorsichtigem und langem Öffnen der Feuerthür entstehen bedeutende Wärmeverluste.

Zur Erzielung größerer Unabhängigkeit von der Intelligenz und dem guten Willen des Heizers, zur Erleichterung der Arbeit desselben, zur Ersparung von Arbeitskräften und zur sichern Erzielung eines bessern Heizeffekts sind zahlreiche Heizeinrichtungen für rauchfreie Verbrennung angegeben worden, von denen wir nur wenige erwähnen können. Um das Eindringen überschüssiger Luft beim Öffnen der Feuerthür zu vermeiden, hat man Einrichtungen getroffen, welche gleichzeitig und automatisch den Essenschieber schließen oder doch den Heizer zwingen, dies zunächst zu thun. Heiser in Berlin hat eine Vorrichtung angegeben, welche das Öffnen der Feuerthür überhaupt überflüssig macht, und bei Fränkels ganz ähnlichem Feuerungsrost sind beide Seiten des Rostes in schräge Ebenen gelegt. Auf diesen schrägen Rosten gleitet die Kohle aus dem Rumpf r (Fig. 1) allmählich herab, wobei sie vergast und auf dem mittlern horizontalen Teil des Rostes rauchfrei verbrennt. Die äußere Luft ist bei a und b durch die Kohlen des Rumpfes abgeschlossen. Schräge Lagerung der Roste hat auch Carios Feuerung (Fig. 2). Der Neigungswinkel ist dem Böschungswinkel des Brennstoffs angepaßt, so daß dieser in gleichmäßiger Schicht auf dem Rost F F liegen bleibt, wenn er auf dessen obere Kante bei k aufgeschüttet wird. In der vordern Stirnwand sind die Kohlenthüren B und die Schlackenthüren D angebracht. Dieselben sind zweiteilig, und jeder Teil pendelt um einen obern Zapfen, so daß sie sich beim Einschieben eines Geräts soweit als nötig öffnen und beim Herausziehen des Geräts selbstthätig wieder schließen. Die Öffnungen C dienen zur bequemen Beobachtung des Feuers und sind mit Glimmerplatten verschlossen. Zum Aufschütten der Kohle benutzt man eine muldenförmige, vorn keilartig gestaltete Schaufel von der Länge des Rostes. Die mit Kohle gefüllte Schaufel wird durch die Thür B bei k eingeschoben, sie durchschneidet die glühende Kohlenschicht und entleert sich, sobald man sie umdreht, in die entstandene Furche. Diese Art der Beschickung sichert eine rationelle Verbrennung. Die Schlacke, welche der auf den Rosten niedergleitende Brennstoff hinterläßt, sammelt sich bei e und wird durch die Thüren D entfernt. Die Figur zeigt eine Einrichtung für Flammrohrinnenfeuerung, ganz ähnlich gestaltet sich die Konstruktion für Unterfeuerung. Bei nicht backendem Brennstoff, wie Braunkohlen, Holzabfällen, Lohe etc., kann die Feuerung auch mit Fülltrichter versehen werden, auch können hierbei die Rostseiten einander zugeneigt sein. Ungemein günstig wirkt das Vorwärmen der Verbrennungsluft. Man kann hierzu die Wärme benutzen, welche an das Mauerwerk und nutzlos an die äußere Luft oder an das Fundament abgegeben wird. Durch zweckmäßig angebracht Kanäle läßt sich die Erhitzung der Luft noch weiter steigern und die R. mit großer Sicherheit erreichen. Man hat auch zur Einführung der Verbrennungsluft ein Gebläse angewandt, welches die Luft durch den Rost drückt und leicht eingestellt werden kann, so daß nach dem Beschicken mit Kohle reichlichere, nach dem Abrauchen der Kohle mäßigere Luftmengen zugeführt werden. Die Einrichtung eignet