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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rauhnächte; Rauhreif; Rauhvögel; Rauhwacke; Rauhwaren; Rauhzeit; Rauke; Raum; Räumahlen; Raumen; Raumer

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Rauhnächte - Raumer.

nute) und die Karden berührend in gespanntem Zustand daran vorbeibewegt und zwar abwechselnd nach beiden Richtungen, indem es sich einmal auf die Walze f und dann auf die Walze g aufwickelt. Zur Bewegung dieser Walzen greift zunächst ein Kegelrad der Trommelwelle in ein Kegelrad einer Hülse h, welche eine Achse ik mitdreht, die sich in der Hülse vertikal verschieben läßt und je nach ihrer Stellung durch das Rad k und s die Welle f oder durch i und t die Welle g umdreht. Die entsprechende höhere oder tiefere Stellung erhält diese Achse durch den Rückhebel n. Um dem Gewebe die erforderliche Spannung zu geben, wird mit Hilfe des Hebels x ein Bremsklotz gegen die Welle f und des Hebels y gegen g gepreßt und zwar durch Schnüre, die durch kurze Achsen mit Sperrklinken o o angezogen werden. Da die Zahl der Rauhungen je nach dem Gewebe 50 bis 500 beträgt, so verwendet man auch vielfach zur Abkürzung der Zeit Rauhmaschinen mit zwei Rauhtrommeln. Um das Gewebe, welches auf der R. nur in der Längenrichtung bearbeitet wird, auch quer zu rauhen, ist oft noch eine (Postieren) mit Karden besetzte Schiene angebracht, welche sich vor dem Tuch hin und her bewegt (Postierapparat), nachdem dieses die R. verlassen hat.

Rauhnächte, s. Rauchnächte.

Rauhreif, s. Rauhfrost.

Rauhvögel, s. Rauhzeit.

Rauhwacke, s. Dolomit.

Rauhwaren, s. v. w. Pelzwaren.

Rauhzeit, die Zeit der Mauser bei Gänsen und Enten; Rauhvögel, solche, welche in der Mauser die Federn verloren haben und nicht fliegen können.

Rauke, s. v. w. Eruca sativa.

Raum, das Verhältnis der Dinge nebeneinander, wie Zeit das Verhältnis der Dinge nacheinander angibt. Die nähere Bestimmung des Begriffs R. gehört zu den schwierigsten metaphysischen Problemen. Bei den meisten ältern Philosophen ist R. das Umschließende, Umspannende, gleichsam ein unendlicher, an sich leerer Wohnort, in welchem die Körper gewisse Plätze besetzen, oder von dem sie sich einige Teile aneignen. Newton (und nach ihm Clarke) erklärte denselben für das "sensorium commune" der Gottheit. Erst durch Locke, Leibniz und Lambert wurde die Ansicht vertreten, daß der R. nichts für sich Bestehendes, nichts Reelles sei, sondern nur eine Form für mögliche Beziehungen und Verknüpfungen, ein Vorgestelltes. Kant erklärte R. und Zeit für apriorische Anschauungsformen des menschlichen Geistes. Der R. ist nach ihm die Form des äußern Sinnes, vermittelst dessen uns Gegenstände als außer uns und als außereinander und nebeneinander existierend gegeben werden; die Zeit dagegen die Form des innern Sinnes, vermittelst dessen uns Zustände unsers eignen Seelenlebens gegenständlich werden. Im Widerspruch hiermit suchte Herbart (wie vor ihm Berkeley) nachzuweisen, daß auch die Vorstellungen des Räumlichen und Zeitlichen empirisch nicht mit den Sinnesempfindungen, aber mittels derselben und zwar nach Analogie andrer Abstrakta durch Erfahrungen des Tastsinnes mit Kontrolle des Gesichtssinns gegeben seien. Die Anhänger der erstern Ansicht, welcher zufolge die Raumvorstellung eine "angeborne" sei, werden als Nativisten, die der letztern, welcher zufolge sie eine (durch Erfahrung) erworbene sein soll, als Empiriker bezeichnet. Die Geometrie setzt den R. mit seinen Dimensionen, Länge, Breite und Tiefe, voraus und konstruiert darin ihre Gestalten, und indem sie einzelne Teile des allgemeinen Raums begrenzt, erhält sie relative Räume. Vgl. Stumpf, Über den psychologischen Ursprung der Raumvorstellung (Leipz. 1873); Baumann, Die Lehren von R., Zeit und Mathematik in der neuern Philosophie (Berl. 1868-69, 2 Bde.).

Räumahlen, s. Reibahlen.

Raumen, in der Schiffssprache vom Wind gebraucht, wenn er günstiger wird; das Gegenteil bezeichnet schraalen.

Raumer, 1) Friedrich Ludwig Georg von, deutscher Geschichtschreiber, geb. 14. Mai 1781 zu Wörlitz bei Dessau, studierte in Halle und Göttingen die Rechte und Staatswissenschaften, ward 1801 Referendar bei der kurmärkischen Kammer, 1802 Assessor und war 1806-1808 Chef eines Departements der Domänenkammer zu Wusterhausen bei Berlin. 1809 ward er Regierungsrat zu Potsdam, 1810 kam er in das Büreau des Staatskanzlers Hardenberg, und 1811 ward er zum Professor der Geschichte und Staatskunst zu Breslau ernannt. 1815-17 bereiste er Deutschland, die Schweiz und Italien. 1819 ward er als Professor der Staatswissenschaft nach Berlin berufen; doch beschränkte er sich meist auf geschichtliche Vorlesungen, und auch diese waren bei seinem Mangel an Rednertalent wenig besucht. Eine Zeitlang war er Mitglied des Oberzensurkollegiums, doch nahm er 1831 seine Entlassung. In diese Zeit fallen noch einige größere Reisen, wie die nach Frankreich (1830), England (1835), Italien (1839) und Amerika (1843), deren Resultate er in besondern Werken niederlegte. Die Aufnahme, welche eine von ihm 1847 in der Akademie zu Ehren Friedrichs d. Gr. gehaltene freimütige Rede in den höhern Kreisen fand, bewog ihn, seine Stelle als Sekretär und Mitglied der Akademie niederzulegen. Als Mitglied des deutschen Parlaments 1848 ward er als deutscher Ge-^[folgende Seite]