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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Renchen; Rencontre; Rendánt; Rendement; Rendez-vous; Rendieren; Rendsburg; Rendu; René

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Renchen - René.

wird zum Holzflößen benutzt und mündet nach einem Laufe von 54 km bei Helmlingen. In seinem Thal und in dessen Nähe liegen die Rench- oder Kniebisbäder (s. Kniebis). Vgl. Haberer, Führer durchs Renchthal (Offenburg 1887).

Renchen, Stadt im bad. Kreis Baden, an der Rench und der Linie Mannheim-Konstanz der Badischen Staatsbahn, 152 m ü. M., hat eine Bezirksforstei, Hanfbau, eine mechanische Werkstätte, Mühlsteinfabrikation, Gerberei und (1885) 2202 meist kath. Einwohner. R. gehörte früher zum Bistum Straßburg; daselbst starb 1676 Grimmelshausen (s. d.), der Verfasser des "Simplicissimus".

Rencontre (franz., spr. rangkóngtr), Begegnung; militärisch das unerwartete Zusammenstoßen zweier feindlicher auf dem Marsch befindlicher Truppenabteilungen und das daraus sich entwickelte Gefecht (Renkontreschlacht, z. B. die Schlacht bei Wörth 1870); auch s. v. w. Zweikampf.

Rendánt (franz.), Kassenverwalter, auszahlender Rechnungsführer; Rendantur, Rechnungsbehörde, welche Gelder einnimmt und auszahlt; auch das Geschäftslokal derselben.

Rendement (franz., spr. rangd'mang), was eine Sache, namentlich eine Berechnung, austrägt; die bei technischen Prozessen erhaltene Ausbeute; in der Zuckerfabrikation der Gehalt des Rohzuckers an kristallisierbarem Zucker, bezeichnet die theoretisch daraus zu gewinnende Menge Raffinade.

Rendez-vous (franz., spr. rangde-wu, "begebt euch dahin", Stelldichein), Bestellung an einen Ort, auch dieser Ort und die Zusammenkunft selbst; militärisch der Sammelplatz der für einen taktischen Zweck zu vereinigende Truppenteile (Marsch- oder Gefechtsrendezvous), auch der Halt während eines Marsches; um viele Truppen auf kleinstem Raum versammeln zu können, haben die einzelnen Waffen besondere Reudezvous-Formationen.

Rendieren (v. franz. rendre), vorteilhaft ausfallen, Ausdruck des Arbitrageverkehrs. Ist der Kurs am Platz niedriger als anderwärts, so daß ein Kauf vorteilhaft ist, so sagt man: der Kurs "rendiert her"; er "rendiert hin", wenn er höher ist, also ein Verkauf angezeigt erscheint.

Rendsburg, Kreisstadt in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, an der Eider, welche die Stadt in vier Armen durchfließt, am Ausgang des Eiderkanals und am Nordostseekanal, für welchen hier großartige Hafenanlagen projektiert sind, und an der Linie Neumünster-Wamdrup der Preußischen Staatsbahn, 6 m ü. M., zerfällt in die eng gebaute Altstadt und das zu Anfang des 18. Jahrh. regelmäßig angelegte Neuwerk, hat 2 evang. Kirchen (die große gotische Marien- u. die Christkirche), eine kath. Kirche, ein altertümliches Rathaus und (1885) mit der Garnison (ein Infanteriebat. Nr. 85, ein Trainbat. Nr. 9, ein Pionierbat. Nr. 9 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 9) 12,154 meist evang. Einwohner. Industrie und Handel beschränken sich auf mechanische Weberei, Gerberei, Branntweinbrennerei, Bierbrauerei, Düngerfabrikation, Gemüsegärtnerei, Schiffahrt etc. R. ist Sitz des Kommandos der 36. Infanteriebrigade, hat ein Amtsgericht, ein Realgymnasium, verbunden mit einem Gymnasium, und ein Zuchthaus. Nahebei die Eisengießerei und Maschinenfabrik Karlshütte mit 2 Dampfsägemühlen. - Die Stadt R. ist aus einer Burg entstanden, die um 1100 von den Dänen auf einer Eiderinsel angelegt ward, bald aber in den Besitz der Grafen von Holstein kam. 1200 an Dänemark abgetreten, wurde R. 1225 wiedererworben und 1290 Sitz einer Linie des Holsteiner Grafengeschlechts, welche 1459 erlosch. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde R. 1627 von den Kaiserlichen, 1643 von den Schweden genommen, nach deren Abzug aber wieder von den Dänen besetzt. Vom 25. März bis 21. Aug. 1645 ward R. wieder von den Schweden längere Zeit belagert, aber trotz mehrerer Stürme nicht erobert. Hier wurde auch 16. Dez. 1813 ein Waffenstillstand zwischen Dänemark und Schweden geschlossen. Nach der Einnahme durch die Schleswig-Holsteiner 3. April 1848 wurde R. Sitz der provisorischen Regierung und des Landtags. Am 9. Febr. 1851 besetzten die Dänen das Kronwerk und begannen 1852 nach dem Abzug der deutschen Bundestruppen die Schleifung der Festungswerke. Vgl. Warnstedt, R., eine holsteinische Stadt und Festung (Kiel 1850).

^[Abb.: Wappen von Rendsburg]

Rendu (spr. rangdü), Eugène, um das Volksschulwesen in Frankreich verdienter Gelehrter, geb. 10. Jan. 1824 zu Paris als Sohn von Ambroise R. (geb. 25. Okt. 1778, 1808-50 Generalinspektor des Unterrichtswesen, gest. 12. März 1860), kam 1850 in das französische Ministerium des Unterrichts und bereiste im Auftrag der Regierung England und Deutschland, um das Schulwesen daselbst kennen zu lernen. Als Früchte dieser Reise erschienen: "De l'état de l'instruction primaire en Angleterre" (Par. 1852), "De l'éducation populaire dans l'Allemagne du Nord" (das. 1855) und der oft aufgelegte "Manuel de l'enseignement primaire". Seit 1860 wirkte er als Generalinspektor des Volksschulwesens in Frankreich; 1876 wurde er Mitglied der Deputiertenkammer. Seit 1877 ist er aus dem aktiven Staatsdienst als Inspecteur général honoraire zurückgetreten, aber noch wiederholt litterarisch thätig gewesen, so unter anderm als Mitarbeiter an dem Buissonschen "Dictionnaire de pédagogie". Auch durch einige historisch-politische Schriften hat er sich bekannt gemacht. - Sein älterer Bruder, Ambroise R. (geb. 1. Juli 1820 zu Paris, gest. 28. Mai 1864 in Vichy) hat, obwohl von Haus aus Rechtsgelehrter, im Geiste des Vaters ebenfalls vielfach für das Schulwesen gewirkt; litterarisch namentlich durch die öfters aufgelegten Bücher: "Cours de pédagogie, ou principes d'éducation", "Cours complet d'histoire", "Nouveau spectacle de la nature", die vorzugsweise in den Normalschulen als Lehrbücher gebraucht wurden.

René (Renatus) I. von Anjou, der Gute, Titularkönig von Neapel und Jerusalem, Herzog von Lothringen und Graf von Provence, geb. 16. Jan. 1409 zu Angers, zweiter Sohn des Königs Ludwig II. von Neapel aus dem jüngern Haus Anjou, hieß anfangs Graf von Guise, erhielt durch seine Vermählung mit Isabella, der Erbtochter von Lothringen, die Anwartschaft auf dieses Herzogtum, wurde aber sogleich nach dem Tod seines Schwiegervaters, des Herzogs Karl I. von Lothringen, 1431 von dem ausgeschlossenen Agnaten Karls I., dem Grafen Anton von Vaudemont, bekriegt und fiel in der Schlacht bei Bulgnéville (2. Juli 1431) in Gefangenschaft. 1435 wurde er durch eine Gesandtschaft eingeladen, den Thron von Neapel und Sizilien, welcher ihm durch den Tod der Königin Johanna II. zugefallen war, in Besitz zu nehmen. Doch erhielt er erst 1437 gegen ein