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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rethem - Retourwaren.

cher er 1852-53 vergebens in Italien Heilung suchte. In völliger Geisteszerrüttung starb er 1. Dez. 1859 in Düsseldorf. Die Fresken in Aachen hat Kehren nach Rethels Entwürfen vollendet. An Größe des Stils und an Energie des Ausdrucks kommt ihnen gleich der Cyklus von sechs Aquarellen: der Hannibalzug (in Holzschnitt ausgeführt von H. Bürkner 1875), und der Cyklus: Auch ein Totentanz, aus dem Jahr 1848, mit erklärendem Text von R. Reinick (11. Aufl., Leipz. 1879). Er hat auch eine Anzahl von Zeichnungen für den Holzschnitt ausgeführt und einige Blätter radiert. Vgl. Müller von Königswinter, Alfred R. (Leipz. 1861).

Rethem, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Lüneburg, Kreis Fallingbostel, an der Aller, hat eine evang. Pfarrkirche und (1885) 1334 Einw.

Rethra, der Hauptgöttersitz der slaw. Wilzen oder Obotriten, lag nach der Annahme Dietmars von Merseburg im Gau der Redarier, am Meer, vier Tagereisen von Hamburg, in einem See, ringsum von einem Hain umgeben, soll von Kaiser Otto I. 955 verbrannt, später auf drei Inseln wiederhergestellt, 1150 jedoch vom Herzog Heinrich dem Löwen gänzlich zerstört worden sein. Die Forschungen nach der Stätte des alten Tempelheiligtums sind neuerdings von mecklenburgischen Altertumsvereinen mit Eifer aufgenommen worden, bis jetzt aber ohne wesentlichen Erfolg; am wahrscheinlichsten lag dasselbe beim heutigen Dorf Prillwitz am Tollensesee.

Rethymnon (Retimo), Hafenstadt an der Nordküste der türkischen Insel Kreta, mit Citadelle, bedeutendem Seehandel und 10,000 Einw.

Reticellagläser, s. v. w. Gestrickte Gläser.

Reticellaspitze, ital. Nadelspitze in netzförmiger Arbeit.

Retikulār (retikuliert, lat.), netzförmig.

Retĭna (lat.), Netzhaut des Auges.

Retinieren (lat.), zurück-, vorenthalten.

Retinīt (Retinasphalt, gelbes Erdharz), Mineral aus der Ordnung der Harze, findet sich amorph, in rundlichen Massen oder stumpfeckigen Stücken, derb, eingesprengt und als Überzug, auch erdig, in Braunkohlenlager. Es ist weißlich, gelblich bis braun, fettglänzend, durchscheinend bis undurchsichtig, Härte 1,5-2, spez. Gew. 1,05-1,15. Die chemische Zusammensetzung der dem R. beigezählten fossilen Harze differiert so außerordentlich, daß gewiß verschiedene Stoffe unter dem gleichen Namen begriffen werden. Der R. von Walchow in Mähren (Walchowit) enthält 80,4 Proz. Kohlenstoff, 10,7 Proz. Wasserstoff und 8,9 Proz. Sauerstoff, schmilzt bei 250° und brennt mit stark rußender Flamme. Verwandte Stoffe sind der R. von Halle, der Pyroretin von Aussig, der Hartit von Oberhart bei Gloggnitz, alle aus Braunkohlenablagerungen stammend. Aber auch Harze aus Steinkohlen (von Bovey in Devonshire, Middletonit von Middleton bei Leeds) und solche aus Torf (Bogbutter aus Irland) stehen dem R. chemisch sehr nahe. Bisweilen versteht man unter R. wohl auch den Pechstein.

Retinītis (lat), Netzhautentzündung.

Retinospŏra Sieb. et Zucc. (Sonnenbaum), Gattung aus der Familie der Kupressineen. R. obtusa Sieb. et Zucc. (Chamaecyparis obtusa Sieb. et Zucc.), ein 20-30 in hoher, rasch wachsender Baum in Japan mit pyramidenförmiger Krone, schwach zusammengedrückten Zweigen, oben und unten sehr kleinen, eirunden, an der Seite gekielten, großen, stumpfen Blättern und runden, erbsengroßen Beerenzapfen, wird bei uns in mehreren Abarten als Zierpflanze kultiviert. Ebenso die kleinere R. pisifera Sieb. et Zucc. (Ch. pisifera Sieb. et Zucc.) und R. squarrosa Sieb. et Zucc., beide ebenfalls aus Japan, mit gewöhnlich nadelförmigen Blättern, die unterseits eine weißliche Längsbinde besitzen.

Retirade (unfranz.), Rückzug; Abtritt.

Retirieren (franz.), sich zurückziehen.

Retizénz (lat.), das Verschweigen, besonders als rhetor. Figur, s. Aposiopesis.

Retorquieren (lat., "zurückgehen"), erwidern, eine Retorsion (s. d.) anwenden.

Retorsion (lat.), die Erwiderung nachteilige Anordnungen der einen Staatsregierung durch gleichfalls benachteiligende Maßregeln seitens einer andern. Die R. ist der Veranlassung und dem Zweck nach mit den Repressalien (s. d.) verwandt, unterscheidet sich aber insofern von ihnen, als letztere die Erwiderung einer ungerechten Handlung sind, während die R. sich nur gegen eine unbillige Maßregel des andern Teils richtet. Die R. hält sich daher an und für sich innerhalb der Grenzen eines rechtlich zulässigen Verfahrens. Als R. wird z. B. gebraucht die Entziehung von Vergünstigungen, die den Unterthanen des andern Staats eingeräumt waren, und die Auflegung von Eingangszöllen (Retorsionszöllen) auf dort erzeugte Waren, indem das Prohibitivsystem des einen durch ein Retorsionssystem des andern Staats erwidert wird. In der Rhetorik ist R. eine Redefigur, durch welche man einen vom Gegner vorgebrachten Beweis zu seinen (des Redners) eignen gunsten gebraucht.

Retorsionszölle, s. Zölle.

Retorte (franz.), Gefäß aus Glas, Metall, Porzellan oder Thon, welches bei Destillationen die zu destillierende Flüssigkeit aufnimmt (s. Destillation, S. 717). Große Retorten, wie sie z. B. in der Branntweinbrennerei benutzt werden, heißen Blasen und sind aus mehreren Stücken zusammengesetzt. Auch die cylindrischen Gefäße, in welchen Steinkohlen, Holz, Torf etc. behufs der Leuchtgasbereitung erhitzt werden, heißen Retorten (s. Leuchtgas, S. 733).

Retortengraphit (Retortenkohle), s. v. w. Gaskohle.

Retortenkoks, s. v. w. Gaskoks, s. Koks.

Retortenöfen, s. Koks.

Retouche (franz., spr. -tuhsch, Retouchieren), das Auffrischen alter verblichener Gemälde sowie das Überarbeiten eines neuen eignen oder fremden Gemäldes, die letzte, nur stellenweise ansetzende Arbeit an einem auf der Staffelei befindlichen Gemälde vor der Vollendung; auch das Umarbeiten oder Umstechen einer durch wiederholten Abdruck abgenutzten Kupferplatte. In der Photographie ist R. die Beseitigung kleiner Fehler im Negativ oder Positiv durch Handarbeit (s. Photographie, S. 18).

Retour (franz., spr. -tuhr), die Rückkehr, Zurücksendung, Rückfahrt; daher Retourbillet, Rückfahrkarte (zur Hin- und Zurückfahrt berechtigend); Retourrechnung, im Wechselrecht die bei einem mangels Zahlung zurückgehenden Wechsel ausgestellte Berechnung der sogen. Regreßsumme (s. Regreß).

Retour d'eau (franz., spr. rötuhr doh, "Wasserrücklauf"), s. Dampfkesselspeiseapparate.

Retournieren (franz.), zurückkehren, zurücksenden.

Retourwaren (Retouren), im Seehandel die Rücksendungen von Waren aus überseeischen Ländern, dann überhaupt Waren, welche von einem Ort als unverkäuflich zurückkommen; im Zollwesen inländische Produkte und Fabrikate, welche zur Ansicht, zu öffentlichen Ausstellungen u. dgl. zu vorübergehendem Gebrauch nach dem Ausland gehen, um von dort ohne