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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rex apostolicus - Reynaud.

mentlich was Gesetzgebung und Kriegserklärungen anbetraf, durch Senat und Volk beschränkt war. Für die Wahl eines Königs, wenn der Thron erledigt war, wurde ein Zwischenkönig, Interrex (s. d.), eingesetzt, welcher mit dem gesamten Senat über den zu wählenden König zu beraten und dann die Entscheidung des Volkes in den Kuriatkomitien einzuholen hatte. Im Fall der Zustimmung ward hierauf der gewählte König sofort proklamiert und vom Augur auf die Burg zum Auguraculum geführt zur Beobachtung der himmlischen Zeichen, worauf er in einer Kurienversammlung die Lex curiata de imperio einholte, durch welche er erst das militärische und zivile Imperium erhielt. Der R. führte den Vorsitz im Senat und in der Volksversammlung, welche er zu berufen hatte; er war der oberste Feldherr, Richter und Priester, obwohl seit Numa es für die priesterlichen Geschäfte besondere Kollegien gab. Seine Insignien waren die 12 Liktoren mit den Fasces, das Purpurgewand (Toga praetexta) und unter den letzten Königen auch Zepter und Diadem. Ein Teil des Ager publicus war unveräußerliches Krongut, dessen Einkünfte der König bezog, und welches auf öffentliche Kosten bebaut ward.

Rex apostolĭcus (lat.), s. Apostolischer König.

Rex catholĭcus (lat.), s. Katholische Majestät.

Rex christianissĭmus (lat.), s. Allerchristlichste Majestät.

Rex fidelissĭmus (lat.), s. Allergetreuester Sohn der Kirche.

Rex non morĭtur (lat., "der König stirbt nicht"), Prinzip der Erbmonarchie, dem zufolge nach dem Tode des bisherigen Inhabers der Krone sofort der Nachfolger an dessen Stelle tritt. Dies deutete in Frankreich die Formel an: "Le roi est mort, vive le roi." ("der König ist tot, es lebe der König!").

Rex sacrōrum (R. sacrificulus oder sacrificus), Priesterwürde in Rom, welche sogleich nach der Vertreibung der Könige gestiftet ward zur Besorgung der Sacra, welche früher dem Rex obgelegen. Der R. ward vom Pontifex maximus unter Beistand des ganzen Kollegiums der Pontifices und Augurn gewählt und zwar nur aus den Patriziern und auf Lebenszeit. Die Würde bestand unter den Kaisern bis in die spätesten Zeiten fort. Seine Gemahlin, die regina sacrorum, hatte ebenfalls gewisse priesterliche Verrichtungen, welche früher der Königin obgelegen hatten.

Reybaud (spr. räboh), Marie Roch Louis, franz. Schriftsteller, geb. 15. Aug. 1799 zu Marseille, bereiste nach Vollendung seiner Studien den Orient und ließ sich 1829 in Paris nieder, wo er für radikale Journale schrieb und die Leitung der "Histoire scientifique et militaire de l'expédition française en Égypte" (1830-36, 10 Bde.) übernahm. Später wandte er sich sozialen Studien zu, als deren Früchte besonders zwei voneinander sehr verschiedene Werke zu nennen sind: die von der Akademie gekrönten "Études sur les réformateurs ou socialistes modernes" (1840-43, 2 Bde.; 7. Aufl. 1864) und der originelle Roman "Jérôme Paturot à la recherche d'une position sociale" (1843 u. öfter), der seinen Namen sofort populär machte und später in der Schrift "Jérôme Paturot à la recherche de la meilleure des républiques" (1848 u. öfter, 4 Bde.) ein (minder erfolgreiches) Seitenstück erhielt. Andre Romane von R. übergehen wir. An der Politik persönlichen Anteil nehmend, saß er 1846 und 1849 im Gesetzgebenden Körper, wo er erst mit der Linken, nach der Februarrevolution aber mit der Rechten stimmte, und ward von der Versammlung nach Algerien geschickt, um die dortigen Ackerbaukolonien zu inspizieren. Nach dem Staatsstreich zog er sich von der Öffentlichkeit zurück. Seit 1850 Mitglied der Akademie, starb er 28. Okt. 1879 in Paris. Von seinen Schriften sind noch zu erwähnen: "Marines et voyages" (1854); "Scènes de la vie moderne" (1855); "L'industrie en Europe" (1856); "Études sur le régime des manufactures" (1859; neue Serien: "La laine", 1867; "Le fer et la houille", 1874) etc.

Reyer, Louis Etienne Ernest, franz. Komponist und Musikschriftsteller, geb. 1. Dez. 1823 zu Marseille, ging mit 16 Jahren als Angestellter der französischen Verwaltung nach Algier, setzte dort seine schon früh begonnenen Musikübungen und Studien auf eigne Hand fort, bis er sich 1848 in Paris ganz der Kunst widmete, und debütierte 1850 mit der Ode-Symphonie "Le selam" (Text von Gautier). Weiter folgten die Opern: "Maître Wolfram" (1854), "La statue" (1861, sein bestes Werk), "Érostrate" (1871) und "Sigurd" (1884 in Brüssel aufgeführt). Auch ein Ballett, "Sacountala" (1858), eine Kantate, "Victoire" (1859), einige kirchliche Gesangswerke und zahlreiche Lieder schrieb R. Als Schriftsteller trat er meist im "Journal des Débats" auf. R., der von seinen Landsleuten den bedeutendsten Vertretern der jungfranzösischen Schule beigezählt wird, erhielt nach Berlioz' Tode die Bibliothekarstelle an der Großen Oper und wurde 1876 auch Mitglied der Akademie.

Reyher, Karl Friedrich Wilhelm von, preuß. General, geb. 21. Juni 1786 in der Mark, trat 1802 in die preußische Infanterie, nach der Katastrophe von 1806 in die Kavallerie, machte als Wachtmeister einer reitenden Jägereskadron den Schillschen Zug mit, nahm 1813 als Brigadeadjutant des Generals v. Katzler an den Schlachten bei Lützen, an der Katzbach und bei Leipzig, sodann mit der schlesischen Armee an den Schlachten von Montmirail, Laon und Paris teil und avancierte nach der Schlacht bei Waterloo zum Major. Nachdem er 1828 in den Adelstand erhoben und 1829 zum Oberstleutnant, 1839 zum Generalmajor befördert worden war, erhielt er 1840 die Direktion des allgemeinen Kriegsdepartements übertragen, leitete vom 1. bis 26. April interimistisch das Kriegsministerium, ward im April 1850 Chef des Generalstabs der Armee, 1855 zum General der Kavallerie ernannt; starb 7. Okt. 1857 in Berlin. Vgl. v. Ollech, General v. R. (Berl. 1861-79, 4 Hefte).

Reykjavík (Reikiavik), Hauptstadt der dän. Insel Island, auf der Südwestküste derselben gelegen, hat außer der Domkirche und einigen andern öffentlichen Gebäuden fast nur kleine hölzerne Häuser, ist Sitz des Landshövdings, des Obergericht und eines Bischofs, hat eine Bibliothek, gelehrte Schule, Bibelgesellschaft, Gelehrte Gesellschaft und (1880) 2567 Einw.

Reynaud (spr. ränoh), Jean Ernest, franz. sozialistischer Philosoph, geb. 14. Febr. 1806 zu Lyon, Schüler der polytechnischen Schule in Paris, ward Bergbauingenieur, wandte sich dem Saint-Simonismus zu, gehörte 1848 als Mitglied der Konstituante zu den gemäßigten Demokraten und hat sich bis an seinen Tod philosophischen Studien gewidmet. Als Früchte derselben erschienen: "Considération sur l'esprit de la Gaule" (Par. 1847, 2. Aufl. 1864); "Terre et ciel" (das. 1854, 5. Aufl. 1866), eine Zusammenfassung seiner zugleich positivistischen und mystischen Ansichten, "Œuvres choisies" (1865) und "Études encyclopédiques" (1866, 3 Bde.); außerdem schrieb er "Vie et correspondance de Merlin de Thionville" (1860). R. starb 28. Juni 1863.