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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rhônemündungen

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Rhône - Rhônemündungen.

Arles beginnt also die eigentliche Deltabildung. Die beiden Hauptarme umschließen die Insel Camargue (s. d.), während sich östlich vom Großen R. das Kieselfeld la Crau (s. d.) ausbreitet. Da der Fluß, der von Beaucaire an keine Kiesel mehr rollt, jährlich 21 Mill. cbm Sinkstoffe ins Meer führt, so rückt sein Delta, namentlich am Großen R., rasch vor (57 m jährlich). Die Rhôneschiffahrt ist bei dem reißenden, das Bett häufig ändernden Lauf des Stroms und infolge der versandeten Mündungen auch mit Dampfschiffen sehr gefährlich. In neuester Zeit sind jedoch die Felsen, über die und zwischen denen der Fluß hindurchstürzt, großenteils gesprengt, die durch eine Barre mit kaum 3 m Wasser geschlossene, aber veränderliche Hauptmündung ist seit 1863 durch den Kanal St.-Louis umgangen worden, welcher 8 km oberhalb der Mündung direkt südöstlich in den Golf von Fos führt, so daß der ganze Stromlauf vom Mal pertuis an bis ins Mittelmeer für Segel- und Dampfschiffe fahrbar ist. Dennoch ist die Bedeutung des R. als Wasserstraße seit Vollendung der Eisenbahn und durch deren auf alle Weise aufrecht erhaltene Konkurrenz sehr gesunken. Die ältern Kanäle von Arles zum Port de Bouc und von Beaucaire nach Aigues-Mortes dienen nur ganz kleinen Schiffen. Der R. ist reich an Forellen und andern Fischen. In der Schweiz nimmt er den Abfluß von 137 Gletschern und im ganzen gegen 100 Zuflüsse auf. Die bedeutendern derselben sind, in der Schweiz links: Arve; in Frankreich links: Fier, Isère, Drôme, Aigues, Sorgues und Durance; rechts: Ain, Saône, Ardèche und Gard. Der R. hat einen Lauf von 812 km Länge (nach Strelbitsky nur 720 km). Sein Stromgebiet beträgt 98,885 qkm (1796 QM.), wovon 90,600 Frankreich angehören. Der R. ist durch den R.-Rheinkanal (Canal du R.) mit dem Rhein verbunden, welcher also das Mittelmeer mit der Nordsee verbindet. Dieser führt von St.-Symphorien an der Saône zum Doubs (bei Dôle); von da an ist der Doubs schiffbar gemacht bis L'Isle sur Doubs, und von hier führt der Kanal über Montbéliard, Dammerkirch, Mülhausen und Neubreisach bei Straßburg in die Ill, welche gleich darauf in den Rhein mündet. Dieser Kanal ist 322 km lang und 1,6 m tief und trägt Schiffe bis 140 Ton. Ladung (meist Bau- und Brennholz). Er wurde 1783 begonnen und 1834 in seiner vollen Länge eröffnet. Ein Seitenkanal geht unterhalb Mülhausen bei Hüningen in den Rhein. Der Beaucairekanal steht auf der Westseite durch den Etangkanal mit dem Canal du Midi und dadurch mit der Garonne in Verbindung. Ferner ist das Rhônegebiet durch den Kanal von Burgund mit der Seine und durch den Canal du Centre mit der Loire verbunden. Durch diese nordwärts führenden Kanäle prägt sich die hohe Bedeutung des Rhônethals für Verkehr und Kultur noch deutlicher aus. Das Rhônethal vermittelt in jeder Hinsicht zwischen Süden und Norden, es ist die größte Kultur- und Völkerstraße, welche das Mittelländische Meer mit Mittel- und Nordeuropa verbindet.

Das gleichnamige Departement im südöstlichen Frankreich, gebildet aus der frühern Landschaft Lyonnais und einem Teil von Beaujolais, grenzt nördlich an das Departement Saône-et-Loire, östlich an Ain und Isère, südlich und westlich an Loire und umfaßt 2790 qkm (52,5 QM.) Flächenraum mit (1886) 772,912 Einw., so daß auf 1 qkm 277 Einw. kommen (nach den Departements Seine und Nord die dichteste Bevölkerung in ganz Frankreich). Das Land ist durchgängig hügelig, von Ausläufern der Cevennen durchschnitten, deren Gipfel jedoch die Höhe von 1000 m nur in zwei Punkten übersteigen; der Boden ist wenig fruchtbar, mit Ausnahme einiger üppiger Thäler, und bringt bei der dichten Bevölkerung des Departements kaum die Hälfte des Getreidebedarfs, hingegen viel Kartoffeln und trefflichen Wein hervor. Das Klima ist im allgemeinen mild und angenehm, wenn schon wegen der umliegenden hohen Gebirge nicht so warm, als man bei der südlichen Lage des Departements vermuten sollte. Hauptfluß ist der Rhône (östlicher Grenzfluß gegen das Departement Isère), welcher hier von rechts die Saône (östlicher Grenzfluß gegen das Departement Ain) mit der Azergues und den Gier aufnimmt. Von 279,039 Hektar Oberfläche kommen auf Äcker 135,652, Wiesen 44,861, Weinberge 34,222, Wälder 31,469, Heiden u. Weiden 8324 Hektar. Hauptprodukte sind: Getreide (durchschnittlich 1,5 Mill. hl, zur Hälfte Weizen), Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Futterrüben, Wein (ca. 600,000 hl) und Obst. Die Viehzucht ist wenig entwickelt, nur Rindvieh (1882: 89,329 Stück) und Ziegen (33,772) werden in größerer Zahl gehalten. Von Bergbauprodukten sind Steinkohle (1886: 33,557 Ton.), Kupfer und silberhaltiges Blei zu nennen. Von hoher Bedeutung ist die gewerbliche Industrie des Departements. Obenan steht die Seidenmanufaktur mit Lyon (s. d.) als dem Mittelpunkt. Auch die meisten übrigen Zweige der Textilindustrie sind hier vertreten, so die Baumwollspinnerei und -Weberei, die Fabrikation von Musselin, Stickereien und Druckwaren (insbesondere zu Tarare), die Erzeugung von Schafwolldecken, Leinwand etc. Andre hervorragende Industriezweige sind: die Eisenindustrie, die Konstruktion von Maschinen und Werkzeugen, Schiffen und Wagen, die Fabrikation von Nadeln, Porzellan, Fayence, Glas, Kerzen und Seife, Farbewaren, Schwefelsäure u. andern chemischen Produkten, Papier etc. Im ganzen sind im Departement 1558 Dampfmaschinen mit 13,077 Pferdekräften im Betrieb. Der Kohlenkonsum beläuft sich auf 1,050,000 T. im Jahr. Auch der Handel ist von großer Wichtigkeit, namentlich in den genannten Fabrikaten sowie in Getreide, Mehl und Käse. Er wird durch den Rhône mit seinen Schiffahrtsverzweigungen und durch die Französische Südostbahn (Paris-Lyon-Marseille) befördert, welche das Departement längs der Ostgrenze begleitet und hier von Lyon nach Roanne, Montbrison, St.-Etienne etc. abzweigt. Das Departement zerfällt in zwei Arrondissements: Lyon und Villefranche; Hauptstadt ist Lyon.

Rhônemündungen (Bouches du Rhône), Departement im südöstlichen Frankreich, um die Mündung des Rhône, gebildet aus dem südwestlichen Teil der Provence, grenzt nördlich an das Departement Vaucluse (davon durch die Durance getrennt), östlich an Var, südlich an das Mittelländische Meer, westlich an Gard und hat einen Flächenraum von 5105 qkm (92,7 QM.). Das Land ist zum größern Teil gebirgig; es enthält im O. Verzweigungen der Alpen und zwar die Ausläufer der im Departement Var gelegenen Berggruppe Ste.-Baume, dann die Gebirgsketten de l'Etoile, de Ste.-Victoire (mit dem 1011 m hohen Gipfel die höchste Erhebung des Departements), ferner im N. den Bergzug der Alpines. Im W. dehnen sich große Ebenen aus. Der Boden ist im allgemeinen sandig oder infolge Verwüstung der Wälder humusarmer, nackter Felsen, produziert aber bei sorgsamem Anbau reiche Ernten an Oliven und Wein. In den Ebenen schreitet die Bodenkultur durch Anlage zahlreicher Bewässerungskanäle, namentlich aus der Durance, jetzt vor, selbst das öde Steinfeld der Crau