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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Riesa; Riese; Riesel; Rieselfelder; Rieseln; Rieselwiese; Riesen

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Riesa - Riesen.

unter dem Titel: "Biographische Notizen über L. v. Beethoven" (Kobl. 1838) veröffentlichte.

2) Hubert, Bruder des vorigen, Violinspieler, geb. 1. April 1802 zu Bonn, erhielt seine Ausbildung ebenfalls durch seinen Vater sowie später in Kassel durch Spohr u. Hauptmann, wurde 1824 am Königsstädtischen Theater zu Berlin als Orchesterdirigent angestellt und trat ein Jahr später in die dortige königliche Kapelle ein. Nachdem er sich durch die seit 1833 von ihm veranstalteten Quartettabende die besondere Gunst des Berliner Publikums erworben, wurde er 1836 zum königlichen Konzertmeister und 1839 zum Mitglied der Akademie der Künste ernannt. Während dieser Zeit entfaltete er eine überaus fruchtbare Lehrthätigkeit, die er auch noch nach seiner in den 70er Jahren erfolgten Pensionierung fortgesetzt hat. Er starb 14. Sept. 1886 in Berlin. Auch als Komponist hat R. auf pädagogischem Gebiet das Bedeutendste geleistet; seine "Violinschule für den ersten Unterricht" (auch in engl. Übersetzung erschienen), seine "Violinstudien in mäßiger Schwierigkeit" sowie die "Zwölf Violinstudien in Form von Konzertstücken" sind Arbeiten von hohem und bleibendem Wert. - Von seinen Söhnen nehmen die ältern, Louis, geb. 30. Jan. 1830 zu Berlin, und Adolf, geb. 20. Dez. 1837 daselbst, der eine als Violinist, der andre als Klavierspieler in London hochgeachtete Stellungen ein; der jüngste, Franz, geb. 7. April 1846 zu Berlin, bildete sich unter Leitung seines Vaters und, nachdem er ins Pariser Konservatorium eingetreten, unter Massart zum Violinisten aus, mußte jedoch nach kurzer, glänzender Künstlerlaufbahn eines Nervenleidens wegen seinen Beruf aufgeben und ließ sich 1875 als Musikalienhändler in Dresden nieder, wo er sich jedoch gelegentlich auch noch als Virtuose und Komponist bethätigte. Seit 1884 lebt er als Mitbesitzer der Firma "R. u. Erler" in Berlin. Von seinen zahlreichen geistvollen und gediegenen Kompositionen haben namentlich zwei Suiten für Violine sowie mehrere Liederhefte weite Verbreitung gefunden.

Riesa, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, Amtshauptmannschaft Großenhain, an der Elbe, Knotenpunkt der Linien Chemnitz-R., Leipzig-Dresden u. Nossen-Elsterwerda der Sächsischen Staatsbahn, 107 m ü. M., hat ein altes Schloß (ehemals Kloster, jetzt als Rathaus dienend), eine Handels- und eine Schifferschule, ein Knabenrettungshaus, eine große Eisenbahnbrücke, einen neuen, großen Hafen, ein Amtsgericht, ein bedeutendes Eisenwerk (in der Nähe), Marmorwaren-, Wagen-, Korsett-, Möbel- und Parkettfußbodenfabrikation, Schiffbau, Dampfschneide- und Ölmühlen, Feilenhauerei, Ziegeleien, ansehnliche Speditionsgeschäfte, Schiffahrt und (1885) mit der Garnison (eine Abteilung reitende Feldartillerie Nr. 12) 7390 meist evang. Einwohner. - R. erhielt schon 1632 Stadtrechte, ward aber wieder Flecken und blieb unbedeutend bis zur Entwickelung des Eisenbahnsystems; 1859 wurde es zum zweitenmal zur Stadt erhoben.

Riese, in der gotischen Architektur der pyramidenförmige Aufsatz der Fiale (s. d.).

Riese, Adam, Rechenmeister des 16. Jahrh., geb. 1489 zu Staffelstein bei Bamberg, lebte als Bergbeamter und Rechenmeister zu Annaberg im sächsischen Erzgebirge und starb 30. März 1559 daselbst. Er verfaßte die ersten methodischen Anweisungen zur praktischen Rechenkunst in Deutschland: "Rechenung auff der linihen" (Erfurt 1518 oder 1522), "Rechenung (nach der lenge) auff der Linichen vnd Feder" (das. 1525) und "Ein gerechnet Büchlein, auff den Schöffel, Eimer vnd Pfundtgewicht" (Leipz. 1536), die bis in die Mitte des 17. Jahrh. öfters aufgelegt wurden. Daher der Ausdruck "nach Adam R." als sprichwörtliche Bekräftigungsformel für die Richtigkeit einer Rechnung. Im Juli 1875 wurde R. eine Gedenktafel am Rathaus in Staffelstein gesetzt.

Riesel, s. Graupeln.

Rieselfelder, s. Kanalisation, S. 449.

Rieseln, Art der Schattierung (s. d.).

Rieselwiese, bewässerte Wiese, derartig angeordnet, daß das Wasser in dünnen Schichten von Hängen herabrieselt. S. Bewässerung.

Riesen, Menschen, deren Körperhöhe über das gewöhnliche Maß sehr großer Menschen hinausgeht. Als Übergangsformen gelten die Hochwuchstypen von 175-205 cm Länge, die bei uns etwa 5-6 Proz. der Bevölkerung bilden. Ihre Größe ist meist auf Vererbung zurückzuführen. Sie besitzen einen relativ kleinen Kopf, kurze Wirbelsäule, etwas verlängerten Brustkorb, längere Arme und Beine, verminderte Schulterbreite, erhöhte Hüftbreite, alles mit zahlreichen individuellen Schwankungen. R. von 250-260 cm Körperlänge sind große Seltenheiten, und vielleicht wird ein Maß von 253 cm nie überschritten. Bei den R. zeigt sich oft geringe Festigkeit der Knochen mit allerlei Abweichungen, der Kopf ist relativ klein, die Kieferregion meist übermäßig hoch, der Unterkiefer monströs und vorgeschoben, Lippen und Nase sind oft gewulstet, Masse und Leistungsfähigkeit der Muskeln stehen nicht im normalen Verhältnis zur Größe, und die körperliche Kraft ist daher gering. Nur die Kaumuskulatur ist hoch entwickelt. Die geistigen Fähigkeiten sind in der Regel unterdrückt; schwerfällig bis zur Trägheit, bietet der echte Riese mit seinen schlotterigen Gliedern oft ein Bild des Jammers. Die Fortpflanzungsfähigkeit fehlt meist. Der Riesenwuchs (Macrosomia) ist fast ausschließlich auf das männliche Geschlecht beschränkt, er erscheint nicht erblich, beginnt mit dem 9.-10. Lebensjahr und ist wohl auf eine besondere Üppigkeit des Anlagematerials des Fötus zurückzuführen. Auf diese Weise kommt es zu einer Steigerung der knochenbildenden Prozesse, die zwar bis zu einem gewissen Grad in das Gebiet des Normalen fällt, meist aber mit zweifellos krankhaften Vorgängen verknüpft ist; daher zeigen die R. meist krankhaften Habitus und gehen früh zu Grunde. Vgl. Langer, Wachstum des menschlichen Skeletts ("Denkschriften der Wiener Akademie der Wissenschaften" 1872); Taruffi, Della macrosomia (Mail. 1879); Bollinger, Zwerg- und Riesenwuchs (Berl. 1884). - R. spielen in den Mythen und Sagen der Völker eine bedeutende Rolle, bald als rein mythologische Personifikationen, bald als phantastische Vorstellungen von Urgeschlechtern. Die Urgeschichte der Israeliten erzählt sowohl von riesenhaften Völkern in Kanaan, z. B. den riesigen Kindern Enaks in Hebron, den Rephaim, Nephilim, als von einzelnen riesenhaften Menschen, wie Goliath. Die griechische Mythologie hatte ihre R., als Personifikation unbändiger Naturkräfte, in den Giganten, dem Ägäon, Antäos, den Aloiden und Kyklopen. Nach der Vorstellung der Römer waren besonders die nördlichen Gegenden mit R. bevölkert. In der indischen Mythologie brachte Brahma R. hervor, die im Kampf mit den Göttern mit dem Blitz besiegt werden. Auch die Tataren, Finnen, Slawen und andre Völker wissen in ihren Sagen und Märchen von R. zu erzählen. In der germanischen Götterlehre bilden die R. den Gegensatz zu den Göttern und Lichtwesen,