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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Roncaglia - Rönne.

für Kultus und Unterricht ernannt, 1873 aber Großpropst und Weihbischof zu Preßburg. Er war auch Erzieher der Erzherzogin Valerie.

Roncaglia (spr. -kallja), ital. Dorf, östlich bei Piacenza, am Nure. Auf den Ronkalischen Feldern (wie man die Ebene bei R. nannte) hielten die deutschen Könige mehrere Reichstage ab, z. B. Otto III. 996, Heinrich V. 1110, Friedrich I. 1154 u. a.

Roncatuffe, s. Tertiärformation.

Roncegno (spr. rontschennjo), Flecken in Südtirol, Bezirkshauptmannschaft Borgo, in schöner Lage im Valsugana, mit besuchtem Mineralbad und (1880) 2572 Einw. Vgl. Goldwurm, Das Mineralbad R. (Wien 1885); Borgherini, Bad R. (das. 1888).

Roncesvalles (spr. rondseswálljes, franz. Roncevaux, Val Carlos), Pyrenäenthal in der span. Provinz Navarra, zwischen Pamplona und St.-Jean Pied de Port, mit gleichnamigem Ort und alter Abtei. Hierher verlegt die Sage den Überfall, welchen die Basken gegen die Nachhut Karls d. Gr. 778 ausführten (s. Rolandslied).

Ronciglione (spr. rontschiljone), Stadt in der ital. Provinz Rom, Kreis Viterbo, nahe bei dem Kratersee Lago di Vico gelegen, hat (1881) 5434 Einw., welche namentlich Eisenwaren verfertigen. Unfern der Palast Caprarola, ein Meisterwerk Vignolas.

Ronco (im Altertum Bedesis), Fluß in Mittelitalien, entspringt in der Provinz Florenz, fließt nordöstlich in die Provinz Forli und mündet, mit dem Montone vereint, südöstlich von Ravenna ins Adriatische Meer.

Ronda (zur Römerzeit Arunda), Bezirksstadt in der span. Provinz Malaga, liegt in der Sierra de R. (Zweig des bätischen Gebirgssystems) auf einem auf drei Seiten von einer 70 m tiefen Schlucht (Tajo de R.) umgebenen Felsvorsprung am Fluß Guadiaro, über den zwei kühne Brücken führen, hat ein Kastell, Fabrikation von Stahlwaren, Tuch und Hüten, eine große achttägige Messe und als Gemeinde (1878) 19,181 Einw. Die Umgegend erzeugt vortreffliches Obst, Öl und Wein sowie treffliche Pferde. In der Nähe die Trümmer des alten Ancinipum ^[richtig: Acinipum/Acinipo]. Bei R. schlugen 1097 die Mauren den König Alfons VI. von Kastilien; dann war die Stadt die Hauptfeste der maurischen Könige von Granada, bis sie ihnen 1485 entrissen wurde.

Rondache (spr. rongdásch), Rundschild, s. Schild.

Rondane, Gebirgsgruppe in Norwegen zwischen Gudbrandsdalen und Österdalen, südöstlich von der Snehätta, erhebt sich vom großen Hochplateau zu einer Höhe von 2187 m.

Ronde (franz., spr. rongde, "Runde"), ein Offizier, von einigen Soldaten begleitet, der sich von der Wachsamkeit der Wachen in Festungen, Lagern und Garnisonsorten zu überzeugen hat. Wo viele Wachen sind, geht die erste oder Hauptronde vor Mitternacht, die zweite, die Visitierronde, nach Mitternacht. R. ist auch s. v. w. Rundschrift (s. Schreibkunst).

Rondeau (franz., spr. rongdoh, Rondel, Ringelgedicht), eine dem Sonett verwandte lyrische Form französischen Ursprungs, besteht aus 13 zehn- und elfsilbigen iambischen Versen mit nur zwei Reimen, einem männlichen und einem weiblichen. Der männliche Reim kehrt entweder achtmal und der weibliche fünfmal, oder der männliche siebenmal und der weibliche sechsmal oder auch bez. acht- und fünfmal wieder. Die ersten Worte, gewöhnlich die ganze Hälfte des ersten Verses, kehren nach dem 8. und nach dem 13. Vers als Refrain wieder.

Rondell (franz., Rundell), in ältern Festungen ein runder, starker Turm zur Seitenbestreichung der Mauern, später, wie der Wall selbst, in Erde ausgeführt und mit Mauerwerk bekleidet, woraus das Bastion (s. d.) hervorging; in der Gartenkunst ein großes, rundes Blumenbeet auf freien Plätzen.

Rondelle (Rondache), s. Schild.

Rondengang, bei Befestigungsanlagen schmaler Weg auf der Kontreskarpe, auf der Berme zwischen Wall und Graben, öfters durch eine niedrige Mauer gegen außen gedeckt, zum Verkehr für den Wachtdienst, auch als Verteidigungsstellung für Infanterie eingerichtet. Vgl. Festung.

Rondo (ital.), eine Form der Instrumentalmusik mit einem Hauptthema, das mehrere Male wiederkehrt, und verschiedenen Nebenthemen, die jenem gegenübertreten. Das R. tritt entweder als allein stehendes Stück auf oder als Schlußsatz der Sonate und des Konzerts. Es hat stets einen heitern Charakter und verlangt einen fein pointierten Vortrag, der gelegentlich spitze und plumpe Töne, schnell wechselnde Kontraste der Dynamik wie des Tempos etc. liebt und wohl gar als Rondovortrag besonders unterschieden wird.

Rondout (spr. -daut), Stadt im nordamerikan. Staat New York, an der Mündung des Delaware und Hudsonkanals in den Hudsonfluß, dicht bei Kingston, hat große Zementfabriken und (1880) 10,124 Einw.

Ronge, Johannes, der Hauptstifter der deutsch-katholischen Kirche, geb. 16. Okt. 1813 zu Bischofswalde in Schlesien, wurde 1840 Kaplan zu Grottkau. Wegen eines in den "Sächsischen Vaterlandsblättern" erschienenen Artikels im Januar 1843 suspendiert, übernahm er zu Laurahütte in Oberschlesien den Unterricht der Kinder dortiger Beamten. Die Aufstellung des heiligen Rockes zu Trier im Oktober 1844 veranlaßte ihn, einen vom 1. Okt. 1844 datierten offenen Brief an den Bischof Arnoldi zu Trier in den "Sächsischen Vaterlandsblättern" (15. Okt.) zu veröffentlichen, welcher ungemeines Aufsehen machte. Hierauf wurde er 4. Dez. förmlich degradiert und exkommuniziert. Um so rüstiger arbeitete er fortan durch Schriften sowie Rundreisen durch die namhaften katholischen Städte auf die Stiftung einer deutsch-katholischen Kirche hin, ähnlich der christkatholischen, welche gleichzeitig Czerski (s. d.) in Schneidemühl gründete. Als nach der Februarrevolution von 1848 das Interesse an den kirchlichen Bewegungen vor den politischen zurücktrat, wandte sich auch R. der Politik zu und unterzeichnete nach der Wahl des Reichsverwesers Johann im Namen der Demokratie einen erfolglosen Protest. 1849 ging er nach London, kehrte aber infolge der Amnestie im März 1861 nach Breslau zurück und wurde Geistlicher der dortigen Gemeinde. Im Oktober 1863 gründete er zu Frankfurt a. M., wohin er übergesiedelt war, den Religiösen Reformverein, lebte seit 1873 in Darmstadt und starb 26. Okt. 1887 in Wien. S. Deutschkatholiken.

Ronkalische Felder, s. Roncaglia.

Rönne, Hafenstadt auf der dän. Insel Bornholm, mit (1880) 6471 Einw., hat eine Realschule und bedeutende Terrakotte- und Fayencefabrikation. Schiffbau und Handel sind in den letzten Jahren zurückgegangen; doch zählte die Handelsflotte 1886: 73 Schiffe von 7032 Registertons. Der Hafen, 1855 bis 1856 bedeutend erweitert, hat eine Tiefe von ca. 6 m. R. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Rönne, Ludwig Moritz Peter von, ausgezeichneter Publizist, geb. 18. Okt. 1804 zu Glückstadt, studierte seit 1822 in Bonn und Berlin, trat 1825 als Auskultator in den preußischen Justizdienst und