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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ruderschnecken; Rüdersdorf; Rudersport

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Ruderschnecken - Rudersport.

Nauplius (s. d.) mit nur drei Gliedmaßenpaaren aus und machen zum Teil sehr erhebliche Umwandlungen durch. Diese führen entweder unter Vergrößerung des Körpers, Zunahme der Beinpaare etc. zu den eben beschriebenen, also den normalen, Formen oder, indem die Ausbildung einen andern Weg einschlägt, oft zu ganz abenteuerlichen Gestalten. Die Schmarotzer unter den Ruderfüßern nämlich entfernen sich von der geschilderten Norm um so mehr, je mehr sie das freie Leben und mit ihm die Bewegung aufgeben. Manche leben nur zeitweilig parasitisch, d. h. sie klammern sich an andre Tiere an und saugen ihr Blut oder leben von ihrem Schleim etc. Alsdann sind meist nur die Mundteile zu einem Stech- und Saugrüssel umgestaltet. Wo sich dagegen ein R. an das stete Schmarotzerleben gewöhnt hat, da ist auch der ganze Körper um- und zwar rückgebildet. Wegen mangelnder Bewegung werden die Beine zu Stummeln oder schwinden ganz; der After kann, weil nur flüssige Nahrung aufgenommen wird, fehlen; Nervensystem und Sinnesorgane, häufig auch das Auge, gehen fast ganz ein, und so wird in den extremen Fällen das gesamte Tier zu einem wurmförmigen Schlauch ohne Gliederung und Glieder; nur Darm und Geschlechtsorgane bleiben voll bestehen. Diese sogen. rückschreitende Metamorphose betrifft vielfach nur die ältern Weibchen; die aus den Eiern ausschlüpfenden Jungen leben nämlich eine Zeitlang frei und begatten sich auch noch, worauf dann das Weibchen sich ein Wohntier sucht und auf ihm die weitern Verwandlungen durchmacht. Doch bilden sich auch die Männchen, namentlich wenn sie als Schmarotzer auf dem viel größern Weibchen leben, oft sehr stark zurück. In der Gattung Pennella, die auf Fischen und Waltieren wohnt und mit dem Kopf in deren Haut steckt, gibt es Arten von etwa 30 cm Länge und von so seltsamer Gestalt, daß man sie nur an ihren Embryonen als zu den Ruderfüßern gehörig erkannt hat. Sehr viele R. hausen an den Kiemen, in den Nasenlöchern, im Schädel etc. von Fischen, andre auf oder in Weichtieren, Krebsen etc. und sind manchmal dort geradezu festgewachsen. Alle aber haben beim Ausschlüpfen aus dem Ei noch die gleiche Form des Nauplius wie auch die frei lebenden und schwimmen eine Zeitlang umher. Die ungemein zahlreichen R. teilt man in drei große Unterordnungen: 1) echte frei lebende R., mit Kaumund (Gnathostomata); 2) echte parasitische R., mit Saugmund (Siphonostomata), und 3) unechte R., nämlich die Karpfenläuse (Argulidae, s. Tafel "Krebstiere"), die in einzelnen Punkten nicht unwesentlich von den übrigen abweichen. Die Freilebenden und Parasiten sind durch Übergangsformen, die nur gelegentlich schmarotzen, verbunden. Hierher gehört unter andern die Gattung Sapphirina, bei der das Männchen mit dem prächtigsten Farbenschiller ausgestattet ist und frei im Meer lebt, während das Weibchen sich in Salpen aufhält. Von den Freilebenden ist ein sehr gemeiner Bewohner unsrer süßen Wasser die Gattung Cyclops oder Hüpferling (s. Tafel "Krebstiere").

Ruderschnecken, s. Schnecken.

Rüdersdorf, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Niederbarnim, an der Linie Fredersdorf-R. der Preußischen Staatsbahn, hat eine Erziehungsanstalt für verwahrloste Mädchen, eine Oberförsterei, eine Filzhutfabrik und (1885) 2165 fast nur evang. Einwohner. Dabei die Gemeinde R.-Kalkberge, aus den Kolonien Altegrund und Hinterberge gebildet, hat eine Berginspektion, Schiffbau, Zementfabrikation, Schiffahrt und (1885) 2319 meist evang. Einwohner. Die Rüdersdorfer Kalkberge, aus der Umgegend nur wenig hervortretend, enthalten ein bedeutendes Muschelkalksteinlager der Triasformation, in dessen Brüchen (zu 5/6 dem Staat, zu 1/6 der Stadt Berlin gehörig) etwa 1200 Arbeiter beschäftigt werden. Mit der Spree stehen die Kalksteinbrüche durch das schiffbar gemachte Rüdersdorfer Kalkfließ in Verbindung. In der Umgegend viele große Ziegeleien. Vgl. Eck, R. und Umgegend, eine geognostische Monographie (Berl. 1872).

Rudersport, Leibesübung, die durch eine gesunde Bewegung den Körper zu stärken und harmonisch zu entwickeln sucht. Der R. stammt aus England, und sein Aufschwung datiert vornehmlich von zwei Erfindungen, dem Ausleger und dem Rollsitz. Ersterer besteht (Fig. 1) aus einem eisernen Gestell, welches dem Riemen (Ruder) zum Auflagepunkt dient, während der Riemen bei gewöhnlichen Ruderbooten auf der Bordwand ruht. Dadurch wurde die Bootbreite von der Länge der Riemen unabhängig gemacht und dennoch die nötige innere Hebellänge für die Riemen bewahrt. Von der Breite des Boots hängt aber dessen Geschwindigkeit sehr wesentlich ab. Der Sitz des Ruderers wurde anderseits beweglich gemacht, d. h. er rollt bei jeder Bewegung des Ruderers auf Schienen vor- und rückwärts. Dadurch wird einmal der Ruderschlag verlängert, und es gestattet sodann der Rollsitz eine Verwertung der Beinkraft, während bisher beim Rudern allein der Oberkörper in Thätigkeit kam. Der Ruderer sitzt in dem offenen, durch eine Reeling geschützten Theil des sehr langen und schmalen Boots, dessen Querschnitt Fig. 2 veranschaulicht, und stemmt die Beine gegen ein Stemmbrett. Die eigentlichen Rennboote sind Auslegerboote, bei welchen jeder Ruderer nur einen Riemen bewegt, oder Scullers, bei welchen er mit zwei Riemen arbeitet. Je nach der Anzahl der Riemen heißen erstere Vier-, Sechs- oder Achtriemer. Eine Abart des eigentlichen Ruderboots ist das Kanoe, ein ganz kleines, nur für eine Person berechnetes Fahrzeug, welches an die Boote der Grönländer erinnert und mittels einer Paddel, d. h. eines Riemens mit zwei Blättern, die man abwechselnd eintaucht, fortbewegt wird. Jetzt werden die Kanoes meist mit kleinen Segeln versehen (Fig. 3, S. 12). Die Ausbildung einer Ruderermannschaft, die bei Wettruder-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1 Ausleger.]

^[Abb.: Fig. 2 Querschnitt des Bootes.]