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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ruffec; Ruffini; Ruffo; Rüfi; Rufidschi; Rufinus; Rufisque; Rufu; Rufus; Rugard; Rugby

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Ruffec - Rugby.

eine Ackerbauschule, landwirtschaftliche Versuchsstation, eine Orgelfabrik, Weinbau und (1885) 3486 meist kath. Einwohner. R., das Rubeacum der Römer, ist um einen Hügel gebaut, auf dem ehemals das alte Schloß Isenburg stand, von welchem der Keller unter dem daselbst neuerrichteten Schloß noch vorhanden ist. 675 kam R. an das Bistum Straßburg und bildete das obere Mundat desselben. 4 km hinter R., dem Gebirge zu, liegt das Bad Sulzmatt (s. d.).

Ruffec (spr. rüfeck), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Charente, nahe der Charente, an den Eisenbahnlinien Poitiers-Angoulême und R.-Niort, mit einer schönen Kirche im romanischen Stil (12. Jahrh.), Collège, Schloßruinen, Fabrikation von Kirschwasser, lebhaftem Handel mit Gänseleberpasteten, Trüffeln, Kastanien, Geflügel, Käse etc. und (1886) 3235 Einw.

Rüfi (Rufene, Ruffi, v. ital. rovina, Einsturz), in der Schweiz s. v. w. Bergrutsch und die dadurch bedeckte und verheerte Bodenfläche.

Ruffini, Giovanni Domenico, englisch-ital. Schriftsteller, geb. 1807 zu Genua, studierte daselbst, wurde 1830 Rechtsanwalt, schloß sich 1833 Mazzinis "jungem Italien" an (worüber er berichtet in "Ramorino et la jeune Italie", 1834), lebte als Flüchtling in Frankreich und der Schweiz, bis er 1836 nach England kam, wo er sich mit Sprache und Leben sehr vertraut machte. Doch zwang ihn seine Gesundheit, 1842 nach Frankreich zurückzukehren. Die sardinische Konstitution gab ihm 1848 einen Sitz im Parlament; 1849 wurde er zum sardinischen Geschäftsträger in Paris ernannt, legte aber nach der Schlacht von Novara seine Stelle nieder und begab sich nach England zurück. Unter dem Pseudonym Lorenzo Benoni veröffentlichte er 1853 sein erstes englisches Buch, eine Autobiographie, die höchst günstige Aufnahme fand. Es folgten Romane, in denen patriotische Richtung vorherrscht: "Doctor Antonio" (1855); "The Paragreens" (1856); "Lavinia" (1860, erst 1877 ins Italienische übersetzt); "Vincenzo, or sunken rocks" (1863), ein Buch, das viel dazu beitrug, in England eine Italien günstige Stimmung wachzuhalten; "A quiet nook in the Jura" (1867) u. a. R. starb 3. Nov. 1881 in Taggia an der Riviera, wohin er sich 1875 zurückgezogen hatte.

Ruffo, 1) Fabrizio, Kardinal und Generalvikar von Neapel, geb. 16. Sept. 1744 zu Neapel, stammte aus der herzoglichen Familie Baranello, wurde für den geistlichen Stand bestimmt, bekleidete an der päpstlichen Kurie in Rom mehrere Ämter und wurde 1794 zum Kardinal ernannt. Später trat er in neapolitanische Dienste. Als Championnet mit dem siegreichen französischen Heer in Neapel einrückte, organisierte R. im Bund mit Räuberhäuptlingen 1799 den Aufstand der Kalabresen, welcher der Parthenopeischen Republik ein Ende machte. Er erstürmte mit seinen Banden Neapel und richtete ein furchtbares Blutbad unter den Republikanern an. 1801 nahm er bei Papst Pius VII. eine Verwaltungsstelle an, kehrte aber binnen kurzem nach Neapel zurück. Als Pius VII. gefangen genommen wurde, begab er sich zu demselben nach Frankreich, wo er in Bagneux bei Sceaux interniert wurde. Seit 1814 lebte er wieder in Rom und Neapel und ward 1821 von Ferdinand I. abermals in den Staatsrat berufen. Er starb 13. Dez. 1827 in Neapel. Vgl. v. Helfert, Fabrizio R. (Wien 1882).

2) Lodovico R.-Scilla, Kardinal und Erzbischof von Neapel, geb. 25. Aug. 1750 zu Sant' Onofrio in Kalabrien aus dem Geschlecht der Fürsten und Grafen von Scilla und Sinopoli, wurde 1801 zum Kardinal und 1802 zum Erzbischof ernannt. Da er sich weigerte, dem König Joseph Bonaparte den Eid der Treue zu leisten, wurde er aus dem Land verwiesen. Nach der Rückkehr König Ferdinands trat er 1815 in seine Würde wieder ein und zeigte sich nun als fanatischer Reaktionär, erklärte sich zwar bei der Revolution 1820 für die spanische Konstitution, half aber bei der Rückkehr des Königs wieder zur Unterdrückung der Liberalen mit und trat für kurze Zeit an die Spitze der Universität und des öffentlichen Unterrichts. Er starb 17. Nov. 1832 in Rom.

3) Felio Lodovico R.-Scilla, päpstlicher Nunzius, geb. 6. April 1840 als Sohn des sehr reichen Fürsten Scilla, ward 1877 Erzbischof von Chieti und 1887 päpstlicher Nunzius in München.

Rufidschi, afrikan. Strom, s. Lufidschi.

Rufinus, 1) oström. Feldherr und Staatsmann, gebürtig aus Elusa in Aquitanien, kam unter Theodosius' I. Regierung an den oströmischen Hof, wurde daselbst 392 n. Chr. zum Praefectus praetorio erhoben und übernahm 395 nach Theodosius' Tod als Vormund seines ältesten Sohns, Arcadius, die Regierung des oströmischen Reichs. Eifersüchtig auf Stilicho, wies er dessen Hilfe gegen die Westgoten, welche sich nach Theodosius' Tod erhoben hatten, zurück und gab das Land den Verwüstungen derselben preis. Er wurde schon im November 395 von Gainas, dem Befehlshaber der Truppen, welche er nach Konstantinopel berufen, vielleicht im Auftrag Stilichos, ermordet.

2) Turanius oder Tyrannius, Kirchenschriftsteller, geboren um 345 zu Concordia bei Aquileja, wo er im Kloster zugleich mit Hieronymus gebildet wurde und später als Mönch wohnte. Nachdem er eine Zeitlang in der Ägyptischen Wüste, dann in Alexandria und Jerusalem gelebt, kehrte er 397 nach Italien zurück, wurde 399 Presbyter in Aquileja und starb 410 in Messina. Mit Hieronymus (s. d.) hatte er sich im Streit über die Orthodoxie des Origenes bitter verfeindet. Seine Schriften (hrsg. von Vallarsi, Verona 1745; vollständig bei Migne, Bd. 21) sind größtenteils Übersetzungen aus dem Griechischen; namentlich verdanken wir ihm die Erhaltung zahlreicher Homilien und des dogmatischen Hauptwerks des Origenes, wodurch er selbst in den Geruch der Ketzerei geriet und vom Papst Anastasius I. zur Rechenschaft gezogen wurde, sowie auch der Kirchengeschichte des Eusebios (s. d. 1), zu der er in zwei Büchern eine Fortsetzung lieferte. Vgl. Peterson, De Rufini fide et studiis (Kopenh. 1840).

Rufisque (spr. rüfisk), Stadt in Französisch-Senegambien, mit schlechter Reede und in sehr ungesunder, sandiger und sumpfiger Gegend, aber an dem Punkte der Eisenbahn Dakar-St. Louis gelegen, wo die Straßen von Kayor, Baol und vom Lande der Serer zusammenlaufen, mit (1885) 6783 Einw. Es ist das Rio Fresco der Portugiesen, wiewohl es frisches Wasser hier nicht gibt. R. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Rufu, Fluß, s. Pangani.

Rufus, Sextus R. Festus, röm. Historiker im 4. Jahrh. n. Chr., schrieb ein "Breviarium rerum gestarum populi romani" (hrsg. von Förster, Wien 1874), welches, an Kaiser Valens (364-378 n. Chr.) gerichtet, sich weder durch Inhalt noch durch Stil auszeichnet. Die ihm beigelegte Schrift "De regionibus urbis Romae" (hrsg. von Preller, Jena 1846) ist ein Erzeugnis des 15. Jahrh.

Rugard, Berg auf Rügen, s. Bergen 1).

Rugby (spr. röggbi), 1) Stadt in Warwickshire (England), auf einer Anhöhe am Avon, hat eine be-^[folgende Seite]