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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ruhme; Ruhmkorff; Ruhnken; Ruhr

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Ruhme - Ruhr.

Dezember d. J. ward er Generalkommissar der deutschen Bewaffnung unter Stein und organisierte die Kontingente der meisten Rheinbundstaaten. 1815 ward er Chef des Generalstabs in der Rheinprovinz, 1816 Oberst im Großen Generalstab in Berlin, 1820 Generalmajor, 1822 Chef des Großen Generalstabs. Seit 1816 Präses der Studiendirektion der allgemeinen Kriegsschule, ward er 1826 Direktor der Militärstudienkommission, 1835 Generalleutnant und 1837 Direktor der allgemeinen Kriegsschule sowie 1844 Generalinspektor des Militärerziehungs- und Bildungswesens. Er starb auf einer Reise 1. Juli 1847 in Salzburg. Von seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: "Bericht eines Augenzeugen von dem Feldzug des Fürsten von Hohenlohe-Ingelfingen im September und Oktober 1806" (Tübing. 1807, 2 Bde.; 2. Aufl. 1809); "Reise eines Malers mit der Armee im Jahr 1809" (Rudolst. 1809-11, 3 Bde.); "Zur Geschichte der Pelasger und Etrusker" (Berl. 1831); "Universalhistorischer Atlas" (das. 1827, Bd. 1 u. 2); "Historiogramm des preußischen Staats von 1280 bis 1830" (das. 1834); "Historiographische Skizze des preußischen Staats" (das. 1838); "Rudimente der Hydrognosie" (das. 1839); "Vaterländische Geschichte von der frühsten Zeit bis um das Ende des 13. Jahrhunderts" (das. 1840, Bd. 1). Auch gab er eine "Oro-hydrographische Karte von Sachsen" (Berl. 1809) und eine Menge andrer schätzbarer Karten heraus. Vgl. "R. Ein biographisches Denkmal" (Berl. 1874).

Ruhme (Rhume), Fluß im preuß. Regierungsbezirk Hildesheim, entspringt bei Ruhmspringe im nördlichen Eichsfeld als eine der stärksten Quellen Deutschlands, fließt nordwestlich, nimmt rechts die Oder mit der Sieber und die Söse vom Oberharz her, links die Eller und Hahle auf und mündet unterhalb Northeim rechts in die Leine.

Ruhmkorff, Heinrich Daniel, Mechaniker, geb. 1803 zu Hannover, wo er seine Lehrjahre durchmachte, arbeitete in Paris und London und ließ sich 1839 in ersterer Stadt nieder. 1844 stellte er zuerst einen thermo-elektrischen Apparat mit wesentlichen Verbesserungen auf, 1849 folgte dann ein sehr sinnreicher Apparat, um die magnetische Drehung der Polarisationsebene zu zeigen. Sein allgemein bekannter Induktionsapparat erschien zuerst auf der internationalen Ausstellung von 1855. R. starb 21. Dez. 1877 in Paris. Seine Werkstätten (Maison R.) werden von Carpentier weitergeführt.

Ruhnken, David, einer der größten Philologen seines Jahrhunderts, geb. 2. Jan. 1723 zu oder bei Stolpe in Hinterpommern, vorgebildet zu Königsberg i. Pr., studierte seit 1741 in Wittenberg, seit 1744 unter Hemsterhuis in Leiden und blieb daselbst, verglich 1754-55 in Paris Handschriften, wurde 1757 zur Entlastung Hemsterhuis' Praelector publicus der griechischen Litteratur, 1761 Professor der Universalgeschichte und Beredsamkeit, 1774 auch Bibliothekar und starb 14. Mai 1798. R. verbindet mit dem Ruhm eines der scharfsinnigsten Kritiker den eines der bedeutendsten Latinisten. Unter seinen Werken sind hervorzuheben: "Epistolae criticae" (Leiden 1749-1751; neue Aufl., Leipz. 1827); die Ausgaben von Timäos' "Lexicon vocum Platonicarum" (Leiden 1754, 2. Aufl. 1789; neu von Koch, Leipz. 1828 u. 1833), womit er Platon den Philologen erschloß, des Homerischen "Hymnus in Cererem" (Leiden 1780), des Rutilius Lupus (das. 1768; neu von Frotscher und Koch, Leipz. 1831 u. 1841), des Vellejus Paterculus (Leiden 1779, 2 Bde.; neu von Frotscher, Leipz. 1830 bis 1839), der "Opera" von Muret (Leiden 1789, 3 Bde.) und die Vollendung von Albertis "Hesychius" (das. 1746-66, 2 Bde.); ferner das "Elogium Tiberii Hemsterhusii" (das. 1768 u. öfter; zuletzt von Frey, Leipz. 1875) und die "Opuscula oratoria, philologica, critica" (Leiden 1797; vervollständigt von Bergmann, Leipz. 1823, 2 Bde., und von Friedemann, Braunschw. 1828, 2 Bde.). Als Kollegienhefte erschienen: "Lectiones academicae in antiquitates romanas" (von Eichstädt, Jena 1818-32, 22 Hefte); "Dictata in Terentium" (von Schopen, Bonn 1825); "Dictata in Suetonium" (von Geel, Leiden 1830); "Dictata in Ovidii Heroidas" (von Friedemann, Leipz. 1831). Vgl. Wyttenbach, Vita Ruhnkenii (Leiden 1799; zuletzt von Frotscher, Freiberg 1846; dazu: "Supplementum cum auctario ad Ruhnkenii opuscula et epistolas" von Bergmann, Leiden 1874); H. Petrich, D. R. (in der "Zeitschrift für das Gymnasialwesen", Berl. 1880, S. 81-111).

Ruhr (Dysenteria), eine schwere, endemisch oder epidemisch herrschende Krankheit, welche sich anatomisch als diphtheritische Entzündung der Dickdarmschleimhaut charakterisiert. Andre durch Sublimatgebrauch entstandene Entzündungen des Dickdarms können zwar in ihren Symptomen, besonders in Bezug auf die häufigen mit Stuhlzwang verbundenen, auch wohl blutigen Durchfälle, der echten R. mehr oder weniger ähneln und werden dann als unechte R. bezeichnet; sie unterscheiden sich aber von der eigentlichen R. durch den Mangel einer nachweisbaren Ansteckung. Die R. steckt zwar nicht von Person zu Person an; dagegen ist es möglich, daß durch Darmentleerungen der Ruhrkranken und durch damit in Berührung gekommene Gegenstände die Krankheit übertragen werden kann. Die R. kommt besonders häufig an Orten vor, wo Wechselfieber für gewöhnlich heimisch sind, und auch endemisch an andern Orten, wie z. B. in gewissen Gegenden Frankreichs, welche im Feldzug 1870/71 wiederholt schlimme Krankheitsherde bildeten, während die sonst unter ganz gleichen Verhältnissen in benachbarten Orten lagernden Truppen von R. verschont blieben und erst ergriffen wurden, wenn sie die Quartiere des Seuchebezirks bezogen. Außerdem begünstigt die Anhäufung vieler Menschen auf verhältnismäßig engem Raum, wenn zugleich ungünstige Ernährungs- und Witterungsverhältnisse, namentlich andauernde Feuchtigkeit mit unvermeidlichen Durchnässungen, hinzukommen, das Entstehen verheerender Ruhrepidemien. Man hat auch große Strapazen, den Genuß unreifen Obstes etc. als Ursachen der R. aufgeführt; doch scheint hierdurch nur die Disposition zur Erkrankung geschaffen und eventuell gesteigert zu werden. Dem Ausbruch der Krankheit gehen zuweilen mehrere Tage vorher Unregelmäßigkeiten in der Verdauung, Appetitlosigkeit, leichte Kolikschmerzen und Neigung zu Durchfall voraus. In den meisten Fällen beginnt die R. mit einem Durchfall unter mäßigem Leibschmerz und fast ohne Stuhlzwang. Je häufiger aber die Durchfälle aufeinander folgen, um so heftiger und anhaltender werden die kolikartigen Schmerzen, welche einige Zeit vor der Ausleerung beginnen und kurz vor dem Eintritt derselben eine quälende Höhe erreichen. Die Entleerungen selbst sind von einem überaus peinigenden und schmerzhaften Drängen auf den Mastdarm begleitet, wozu sich häufig Harnzwang gesellt. Es werden dabei immer nur geringe Mengen nicht kotiger, sondern schleimiger, hellgrau gefärbter Massen (weiße R.) oder schleimig-blutiger Massen (rote R.), zuweilen auch reines Blut entleert. Unmittelbar nach der Entleerung fühlt sich der Kranke