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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Runkelrübenzucker; Runkelstein; Runn; Runnemede; Runner; Runo; Runse; Runzeln; Ruotger; Ruotsinsalmi; Rupel; Rupelmonde; Rupelthon; Rupert von Deutz; Rupertfluß

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Runkelrübenzucker - Rupert von Deutz.

Schildkäfer (Cassida nebulosa und C. oblonga, Käfer und Larve), Erdflöhe, Kohl-, Wintersaat- und Ypsiloneule und die Runkelfliege (Anthomyia conformis) zu nennen. Die Rübennematode (Heterodera Schachtii), welche schon die jungen Pflanzen angreift und vernichtet, erzeugt jene Erscheinungen, die man als Rübenmüdigkeit bezeichnete und lange als Folge unzureichender Düngung betrachtete. Von Pilzen kommen in Betracht: ein Rostpilz (Uromyces betae), Peronospora betae, welcher die Herzfäule verursacht, Fusarium betae bei Blattfleckenkrankheit, der Wurzeltöter (Rhizoctonia violacea), ein Rußtaupilz (Helminthosporium rhizoctonon) und Depacea betaecola, die Ursache der Blattdürre. Der Bau der Futterrunkelrübe gleicht im wesentlichen dem der Zuckerrübe, sie erträgt besser frischen Dung, kann weitläufiger gesäet werden (Kernrunkeln), wird aber auch oft in Beeten herangezogen und dann verpflanzt. Man erntet im Durchschnitt 350, doch auch bis 600 metr. Ztr. von einem Hektar und dazu 80-150 Ztr. Blätter, welche wie die Blätter aller Chenopodeen abführende Wirkung haben und zwar im Alter ungleich mehr als in der Jugend. Zur Aufbewahrung werden meist Mieten gebaut. In Bezug auf den Futterwert stehen Runkeln zu weißen Rüben wie 9:16, zu Kohlrüben wie 11:9, zu Kartoffeln wie 40-46:20. Die Butter wird nach Runkelfutter schmieriger, die Milch steigert sich in Quantität, aber nicht in Qualität. Mit andern kräftigen Futterarten verbunden, geben die Runkeln ein vortreffliches Mastfutter. Für den Samenbau nimmt man die charakteristischten Rüben, läßt ihnen die Herzblätter, schlägt sie über Winter in einem trocknen Keller in feucht zu haltenden Sand ein, verpflanzt sie, wenn keine Nachtfröste mehr zu fürchten sind, 1 m weit voneinander auf kräftigen Boden in sonniger, luftiger Lage, behackt und reinigt den Boden, ohne ihn an die Wurzeln zu häufeln, wiederholt und bricht, sobald die Blüte beginnt, die Spitze des Hauptblütenstengels, später auch die Spitzen sämtlicher Nebenblütenstengel ab. Guter Same bleibt zwei Jahre keimfähig. Man erntet 500-1000 kg von einem Hektar; das Hektoliter wiegt 22-32 kg. Man unterscheidet viele Varietäten und im allgemeinen solche mit langen, walzenförmigen und solche mit rundlichen, kugelförmigen Wurzeln. Die Runkel enthält 1,1 Proz. Proteinstoffe, 0,1 Fett, 9,0 stickstofffreie Stoffe bei 12,0 Proz. Trockensubstanz. Die Salatrunkel (rote Rübe) hat eine sehr dünne Schale, purpurroten Saft und zartes Fleisch und wird als Salatpflanze kultiviert. Vgl. Bürstenbinder, Die Zuckerrübe (3. Aufl., Braunschw. 1883); Krüger, Die Entwickelungsgeschichte, Wertbestimmung und Zucht des Runkelrübensamens (Dresd. 1884); Werner, Der praktische Zuckerrübenbauer (Bonn 1888).

Runkelrübenzucker, s. Zucker.

Runkelstein, prachtvolle Schloßruine bei Bozen in Tirol, am Eingang des Sarnthals auf einem jäh abfallenden Porphyrfelsen gelegen, mit berühmten alten Wandmalereien, namentlich aus "Tristan und Isolde". Die Burg wurde 1234 erbaut, 1385 mit den Fresken versehen und gehörte von da an den Bischöfen von Trient; jetzt ist sie Eigentum des österreichischen Kaisers, der sie durch den Dombaumeister v. Schmidt restaurieren ließ. 1868 stürzte eine Mauer des Gebäudes (mit Teilen der Tristanfresken) in die Tiefe. Vgl. "Freskencyklus des Schlosses R. bei Bozen" (gezeichnet von Seelos, erklärt von Zingerle, Innsbr. 1857); Schönherr, Das Schloß R. (das. 1874).

Runn, Landstrich, s. Ran.

Runnemede (spr. rönnimihd), Wiese an der Themse, unweit Staines, in der Grafschaft Surrey. Hier wurde 15. Juni 1215 zwischen König Johann ohne Land und seinen Baronen die Magna Charta (s. d.) vereinbart und unterschrieben.

Runner (englisch-amerikan., spr. rönner, "Läufer"), in New York Bezeichnung für Makler und Agenten der niedrigsten Klasse, die sich namentlich an die neu angekommenen Einwanderer drängen, um Prellereien auszuüben. Vgl. Loafer.

Runo (Runö), kleine Insel mit Leuchtturm im Rigaschen Meerbusen, gehört zum russ. Gouvernement Livland, wird von Nachkommen schwedischer Bauern bewohnt, welche Fisch- u. Robbenfang treiben.

Runse, die in steilen Gebirghängen durch die Wirkung des Wassers eingeschnittene Rinne, in welcher ein Wildbach sein Bett findet. Man pflegt die Verbauung der R. anzustreben, sobald der Wildbach und das von demselben zu Thal geführte feste Material Schaden verursachen. Die Runsenverbauung (Wildbachverbauung) hat namentlich in der Schweiz, in den österreichischen Alpenländern und im südlichen Frankreich eine große Bedeutung erlangt und zur "Beruhigung" vieler Wildbäche erfolgreich beigetragen.

Runzeln (Rugae), die Falten der äußern Haut, die überhaupt da sich bilden, wo dieselbe beweglicher ist, wie z. B. an den Gelenken, auf der Hand, im Gesicht und besonders an der Stirn. Die R., welche das Alter mit sich bringt, entstehen durch Schwund des Fettpolsters und Erschlaffung der Haut. Zuweilen verschwinden sie bei guter Ernährung, bei Erregungen (z. B. durch Getränke) und durch fortgesetzte kalte Waschungen.

Ruotger, Chronist des Mittelalters, Schüler Brunos, Erzbischofs von Köln, Bruders des Kaisers Otto I., schrieb eine vortreffliche Biographie seines Lehrers ("Ruotgeri vita Brunonis", in Pertz' "Monumenta Germaniae historica", Bd. 4; deutsch von Jasmund, Berl. 1851).

Ruotsinsalmi (schwed. Svensksund), Meerenge an der Südküste Finnlands, an der östlichen Mündung des Kymmene-Elf, mit Befestigungen, Station der russischen Schärenflotte. Auf der Insel Kotka hat sich ein lebhafter Handel entwickelt (s. Kymmene-Elf). R. ist durch zwei große Seeschlachten berühmt, in deren erster (1. Sept. 1789) die Russen über die schwedische Schärenflotte siegten, während sie in der zweiten (9.-10. Juli 1790) von den Schweden besiegt wurden.

Rupel (Rüppel), nur 12 km langer, aber schiffbarer Fluß in der belg. Provinz Antwerpen, bildet sich bei Rumpst, nordwestlich von Mecheln, durch den Zusammenfluß der Nethe, Dyle und Senne, nimmt bei Boom den Brüsseler Kanal auf und mündet, 595 m breit, Rupelmonde gegenüber in die Schelde.

Rupelmonde (Rüppelmonde), Marktflecken in der belg. Provinz Ostflandern, Arrondissement St.-Nicolas, links an der Schelde, der Mündung der Rupel gegenüber, hat Spitzenfabrikation, Fischerei, Schiffahrt, Handel und (1887) 3246 Einw. R. ist Geburtsort des Geographen Mercator.

Rupelthon, s. v. w. Septarienthon, s. Tertiärformation.

Rupertfluß, Fluß im brit. Nordamerika, auf der Halbinsel Labrador, entspringt dem Mistassiniesee und fließt westlich beim Handelsposten Rupert-Haus in die Jamesbai der Hudsonbai.

Rupert von Deutz (Tuitensis), Exeget und Mystiker, verbrachte im Benediktinerkloster des heil. Laurentius in Lüttich seine Jugend, zog sich vor dem