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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rutaceen; Rute; Rutebeuf; Rutenberg; Rutengänger; Rutenmorchel; Ruth; Rüthen

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Rutaceen - Rüthen.

(Bergraute), auf trocknen, steinigen Hügeln in den Mittelmeerländern, mit vielfach zerschnittenen Blättern mit feinen, linealischen Abschnitten und gedrängtem, unbehaartem Blütenstand, hat einen stärkern Geruch als die Gartenraute, ist reizend und scharf und kann äußerlich heftige Entzündungen verursachen.

Rutaceen (Rautengewächse), dikotyle, etwa 700 Arten umfassende, der warmen und gemäßigten Zone angehörige Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Terebinthinen, aromatische Holzpflanzen, seltener Kräuter, mit drüsig punktierten Blättern und regelmäßigen, meist vier- oder fünfzähligen Blüten, die einen doppelten Staubblattkreis, einen wohl entwickelten Blütendiskus und ein aus 2-5 Fruchtblättern gebildetes oberständiges Ovar mit epitropen Samenknospen besitzen. Neuerdings werden zu den R. außer den Ruteen auch die Diosmeen und Aurantieen (s. d.) gezogen. Vgl. Engler, Rutaceae, in Martius' "Flora brasiliensis", Heft 65.

Rute, Längenmaß zum Ausmessen der Seiten größerer Räume. Die Dezimal- oder geometrische R. wird in 10 Teile oder geometrische Fuß à 10 Zoll, die Duodezimal- oder gewöhnliche R., von gleicher Länge, aber in 12 Fuß à 12 Zoll eingeteilt. In manchen Staaten, z. B. Mecklenburg, hatte die R. 16 Fuß. Vor Einführung des metrischen Systems war in Deutschland fast überall die rheinländische R. (= 3,77 m) als Normalmaß für öffentliche Arbeiten angenommen. Die Schacht- oder Schichtrute zum Ausmessen des Inhalts des ausgegrabenen Erdreichs ist 1 R. lang und breit und 1 Fuß hoch; die Steinrute zum Ausmessen der Bruchsteine ist 1 R. lang und breit und 3-4 Fuß hoch.

Rute (Penis), das männliche Begattungsglied, welches den Samen entweder in einer äußern Rinne oder in seinem Innern birgt und in die weiblichen Geschlechtswerkzeuge einführt. Bei den Tieren ist sie in sehr verschiedener Form und Größe entwickelt, mitunter doppelt vorhanden, zuweilen mit Stacheln versehen, oft hornig, vielfach aber im Ruhezustand weich, dagegen während der Verwendung durch Blutzufluß geschwollen und härter. Letzteres ist der Fall bei den Wirbeltieren, wo die R. eine Ausstülpung der Kloakenwand darstellt. Sie fehlt hier den Fischen, ist bei den Amphibien nur durch eine Warze angedeutet, auch bei den Vögeln mit Ausnahme der Strauße und Schwimmvögel kaum vorhanden, dagegen bei manchen Reptilien, noch mehr aber bei den Säugetieren gut entwickelt. Unter letztern dient sie nur bei den Schnabeltieren einfach zur Fortleitung des Samens, ist dagegen bei allen übrigen zu einem langen Rohr umgestaltet, welches in seinem Innern die Harnröhre, mit ihr also auch den Ausführungsgang der Hoden, enthält und für die Einführung in die weibliche Scheide durch besondere Vorrichtungen gesteift werden kann. Es finden sich nämlich in ihr zwei eigne Schwellkörper (corpora cavernosa penis) und zwei meist verschmolzene Harnröhrenschwellkörper (corpora cavernosa urethrae), d. h. schwammige Gebilde, welche sich durch starken Blutandrang ausdehnen und prall füllen können. Besondere Muskeln befestigen die R. und vermögen sie in die Höhe zu heben. Bei den meisten Säugetieren liegt sie im Ruhezustand unter der Haut und mündet am Nabel aus, bei andern hingegen hängt sie frei zwischen den Schenkeln herab (Fledermäuse, Affen, Mensch). Die Haut setzt sich bis nahe zur Spitze der R. fort und bildet dort um das häufig verdickte Ende derselben, die Eichel (glans penis), eine doppelte, zurückschlagbare Bedeckung (Vorhaut, praeputium). Beim Menschen (s. Tafel "Eingeweide des Menschen II", Fig. 3) ist sie im schlaffen Zustand 9-11, im aufgerichteten (erigierten) meist 21 cm lang und 27, resp. 45 mm dick, doch wechseln diese Dimensionen. Die Harnröhre verläuft in ihr, von ihrem einheitlichen Schwellkörper (sein Hinterende ist die sogen. Harnröhrenzwiebel, bulbus urethrae) umgeben, auf der in der Ruhelage hintern Seite. Die Vorhaut umgibt die Eichel entweder vollständig oder unvollständig; zwischen ihren beiden Blättern wird aus den sogen. Vorhautdrüsen (glandulae Tysonianae), die besonders bei Nagetieren stark entwickelt sind, der stark riechende Vorhauttalg (smegma praeputii) abgesondert. Bei der Steifung (Erektion) der R., welche der Ergießung des Samens vorhergeht, streift sich unter normalen Umständen die Vorhaut von der Eichel zurück.

Rute, in der Jägersprache der Schwanz des Hundes und der vierfüßigen Raubtiere.

Rutebeuf (spr. rühtböff), ein Trouvère des 13. Jahrh., geboren um 1230, lebte unter der Regierung Ludwigs IX. zu Paris, führte ein wildes, unstetes Dasein und dichtete eine Menge leichter, lustiger Lieder und Fabliaux, in denen er sich oft gemein und platt, doch nie unwahr zeigte. Später mischte er sich in theologische und politische Streitigkeiten und geißelte in scharfen, energischen Satiren die Sittenlosigkeit und Anmaßung der Geistlichen und Fürsten. Seine vollsten und wärmsten Töne aber schlug er an in den Liedern, in welchen er zum Kreuzzug und sizilischen Krieg aufforderte; durch sie machte er sich viele hochgestellte Herren zu Freunden und brachte die Kühnheit seiner Satiren in Vergessenheit. Als er den Tod herannahen sah, kehrte er zur Kirche zurück und dichtete viele geistliche, salbungsvolle Lieder, die zu seinen frühern im geraden Gegensatz stehen. Seine Gedichte gab Kressner heraus (Wolfenb. 1885). Vgl. "Romania" (Juli 1874).

Rutenberg, Christian, Reisender, geb. 1851 zu Bremen, studierte in Jena Medizin und Naturwissenschaften bei Häckel, mit dem er auch eine Reise nach Dalmatien machte. 1877 ging er nach Südafrika, bereiste das Kapland bis über den Oranjefluß, Natal und Transvaal und begab sich dann über Mauritius nach Madagaskar. Hier besuchte er noch 1877 verschiedene Punkte der Nordwestküste und reiste dann quer durch die Insel nach Antananarivo, bestieg auch das Ankaratragebirge, das höchste der Insel, und kehrte dann zur Nordwestküste zurück. Im Mai 1878 trat er eine neue Reise durch den noch ganz unbekannten südwestlichen Teil der Insel an und gedachte über Murundava zur Ostküste zu gelangen, fand aber unterwegs bei Beravi seinen Tod.

Rutengänger, s. Wünschelrute.

Rutenmorchel, s. Phallus.

Ruth, Moabiterin, begleitete nach dem Tod ihres Gatten ihre Schwiegermutter nach Bethlehem, heiratete hier Boas und wurde dadurch die Stammmutter Davids. Das gleichnamige Buch des Alten Testaments, worin dies erzählt wird, ein idyllisches Familiengemälde, wird gewöhnlich als Anhang zum Buch der Richter (s. Richter, S. 810) betrachtet, ist aber wahrscheinlich später entstanden. Kommentare zu demselben lieferten Bertheau (2. Aufl., Leipz. 1883), Mezger (Tübing. 1856, mit latein. Text), Wright (Lond. 1864) und Keil (2. Aufl., Leipz. 1874).

Rüthen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Lippstadt, an der Möhne, 383 m ü. M., hat 2 kath. Kirchen, ein Schullehrerseminar, ein Amtsgericht, Papierfabrikation, Sandsteinbrüche, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei und (1885) 1723 Einw.