Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sachsen-Hildburghausen; Sachsen-Koburg-Gotha

146

Sachsen-Hildburghausen - Sachsen-Koburg-Gotha.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Sachsen-Gotha'

1638 der Stamm Johann Friedrichs des Mittlern erlosch, bei der Neuteilung der Ernestinischen Lande 1641 Ernst dem Frommen zu, der die Linie Sachsen-Gotha begründete und 1672 die ältere Linie Sachsen-Altenburg zum größten Teil beerbte. Als Ernst nach einer segensreichen Regierung 1675 gestorben war, wurden die gothaischen Lande 1680 von seinen sieben Söhnen geteilt. Dem ältesten, Friedrich I. (1675-91), fielen die Ämter Gotha, Tenneberg, Wachsenburg, Ichtershausen, Georgenthal, Schwarzwald, Reinhardsbrunn, Volkenrode, Oberkranichfeld, Altenburg, Leuchtenburg und Orlamünde zu, welche das Herzogtum Gotha-Altenburg bildeten; die Einkünfte desselben beliefen sich auf 49,447 Gulden, und da 1685 Friedrich die Primogenitur einführte, blieb es bis zum Erlöschen seiner Linie ungeteilt. Unter Friedrich II. (1691-1732), der anfangs unter Vormundschaft stand, fielen das Herzogtum Eisenberg und sieben Zwölftel von dem Amte Themar 1721 an S. Schon Friedrich I. und Friedrich II. hatten das Land durch kostspielige Liebhabereien und Soldatenspielerei geschädigt. Friedrich III. (1732-72) führte mit Meiningen 1747 den lächerlichen Wasunger Krieg (entstanden aus einer Rangstreitigkeit zwischen einer Frau v. Pfaffenrath und Frau v. Gleichen); auch wurde unter ihm das Land durch den Siebenjährigen Krieg, besonders 1757, arg heimgesucht. Die drückende Schuldenlast beseitigte Ernst II. (1772-1804) durch sparsame Verwaltung und Verminderung der Truppen. August (1804-22), ein enthusiastischer Verehrer Napoleons I., trat 1806 sofort dem Rheinbund bei und ließ seine Truppen in Spanien, Tirol und Rußland für Frankreich kämpfen. Nach Augusts Tod folgte sein Bruder Friedrich IV., der 1807 zur katholischen Kirche übergetreten war und daher die geistlichen Hoheitsrechte dem Oberkonsistorium überlassen mußte. Mit ihm erlosch 11. Febr. 1825 die Gotha-Altenburgische Linie, und nach längerm Erbstreit fiel in dem Teilungsvertrag vom 12. Nov. 1826 Altenburg an Sachsen-Hildburghausen und bildete fortan ein besonderes Herzogtum (s. Sachsen-Altenburg), während Gotha mit dem Herzogtum Koburg zum Herzogtum Sachsen-Koburg-Gotha (s. d.) vereinigt wurde, aber seine besondere Verfassung behielt. Vgl. Schulze, Heimatskunde für die Bewohner des Herzogtums Gotha (Gotha 1845-47, 3 Bde.); Beck, Geschichte des gothaischen Landes (1868-75, 3 Bde.); »Landeskunde des Herzogtums Gotha« (das. 1884).

Sachsen-Hildburghausen, ehemaliges Herzogtum, eins der kleinen, aus der Teilung der Söhne Ernsts des Frommen 1680 hervorgegangenen sächsisch-ernestinischen Fürstentümer, bestand aus den Ämtern der ehemaligen Pflege Koburg, Hildburghausen, Heldburg, Ummerstadt, Eisfeld, Schalkau und Kloster-Veilsdorf, wozu noch 1683 das Amt Königsberg und 1702 Sonnefeld kamen. Die volle Souveränität über dasselbe wurde dem ersten Regenten, Herzog Ernst, jedoch erst 1702 von seinem Bruder Friedrich I. von Gotha-Altenburg eingeräumt und durch Einführung der Primogenitur im fürstlichen Haus ihm dieser Besitz gesichert. Obwohl unter Ernst Friedrich I. (1714 bis 1724), nach Beendigung der römhildischen Erbschaftsstreitigkeiten, durch Behrungen, die Echterschen Lehen und Milz das Land einen Zuwachs und durch Vertauschung des Amtes Schalkau eine vorteilhaftere Abrundung erlangte, zerrütteten doch der prächtige Hofstaat und die Bauten des Herzogs die Finanzen des Landes. Diese gerieten, da nun zwei Vormundschaftsregierungen, erst 1724-28 für Ernst Friedrich II. ↔ (1724-45), dann 1745-48 für Ernst Friedrich Karl (1745-80), sich folgten, in immer größere Zerrüttung. Unter dem letztern Herzog stiegen die Schulden zuletzt so hoch, daß 1769 eine kaiserliche Debitkommission nötig wurde; die Einnahmen beliefen sich auf 71,827 Gulden, die Ausgaben auf 56,643 Guld., dem Fürsten wurden 12,000 Guld. jährlich ausgesetzt. Von 1779 bis 1787 führte sein Urgroßoheim Prinz Joseph (s. Joseph 9) die vormundschaftliche Regierung für Herzog Friedrich (1780-1826). Die seitdem beobachtete Pünktlichkeit im Staatshaushalt minderte die Staatsschuld bis zum Jahr 1826 auf 491,500 Guld. herab. Das Land befand sich in einem blühenden Zustand, als die herzogliche Familie dasselbe nach dem infolge der gothaischen Erbschaft zu Hildburghausen abgeschlossenen Vertrag vom 12. Nov. 1826 mit dem Fürstentum Altenburg vertauschte. Der größere Teil des Landes fiel als Ausgleichung an das Herzogtum Sachsen-Meiningen (s. d.); nur die Ämter Königsberg und Sonnefeld erhielt Sachsen-Koburg. Vgl. J. W. Krauß, Kirchen-, Schul- und Landeshistorie von Hildburghausen (Greiz 1780).

Sachsen-Koburg-Gotha, zum Deutschen Reiche gehörige, unter Einem Herrscherhaus vereinigte Herzogtümer, zwischen 50° 1'-51° 20' nördl. Br. und 10° 16'-11° 15' östl. L. v. Gr. gelegen, bestehen aus dem Herzogtum Koburg und dem Herzogtum Gotha, welche durch zwischenliegende preußische und sachsen-meiningische Gebietsteile getrennt sind, und zu welchen überdies noch mehrere von fremdem Territorium umschlossene Parzellen gehören. Das Areal beider Herzogtümer beträgt 1956,5 qkm (35,53 QM.), die Bevölkerung (1885) 198,829 Seelen.

Das Herzogtum Koburg grenzt im W., N. und NO. an Sachsen-Meiningen, im SO., Süden und SW. an Bayern; der dazu gehörige Amtsgerichtsbezirk Königsberg (eine größere und zwei kleinere Parzellen) ist von bayrischem Gebiet umgeben. Es ist ein wellenförmiges, anmutiges Hügelland, welches zum nördlichen fränkischen Terrassenland gehört, breite, mit Thalkesseln und Einsenkungen abwechselnde Plateauzüge zeigt und in der Senichshöhle bei Mirsdorf bis 523 m, im Festungsberg bei Koburg bis 465 m ansteigt. Die Gewässer sind: die Itz mit der Effelder, Röthen, Lauter und Rodach, der Biberbach, wie die vorige direkt in den Main mündend; die Steinach mit der Wasung und dem Weikenbach, durch die Fränkische Rodach zum Main abfließend; die Baunach und die Nassach im Bezirk Königsberg, die in den Main münden. Teiche gibt es viel. Die Mineralquellen zu Fechheim und Grub am Forst sind unbenutzt. Das Klima ist infolge der Abdachung des Landes nach Süden milder als im Herzogtum Gotha (Koburg hat 7,9°, Gotha 7,4° C. mittlere Jahrestemperatur). Das Herzogtum hat einen Flächeninhalt von 562,3 qkm (10,2 QM.) und (1885) 57,383 Einw. Die Bewohner sind fränkischen Stammes und bekennen sich, mit Ausnahme weniger Katholiken, Juden etc., zur evangelisch-lutherischen Kirche. Das Herzogtum zählt 4 Städte. Für die Volksbildung ist gut gesorgt. Man zählt gegenwärtig gegen 80 öffentliche Bürger- und Landschulen. Sonstige Unterrichtsanstalten sind ein Gymnasium (Casimirianum) mit Progymnasium, eine Realschule, ein Schullehrerseminar, eine Taubstummenlehranstalt und eine Baugewerkschule, sämtlich in Koburg. Anstalten für Wissenschaft und Kunst sind die herzogliche Bibliothek und die Kupferstichsammlung (124,000 Blätter) ebendaselbst. Landesuniversität ist Jena (s. d.). Haupterwerbszweig ist

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 147.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 147.