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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sacramentum - Sa da Bandeira.

Francisco gelegen, ist regelmäßig gebaut und durch Eindeichungen und künstliche Erhöhung des ganzen Terrains gegen Überschwemmungen geschützt, hat ein Kapitol, Zollhaus, Eisenbahnwerkstätten, Getreidemühlen, Wollfabrikation, Rübenzuckersiederei und (1880) 21,420 Einw. S. liegt an der Stelle der 1839 gegründeten Kolonie New Helvetia und wurde 1854 Hauptstadt des Staats.

Sacramentum (lat.), bei den alten Römern ursprünglich alles, wodurch man sich oder einen andern zu etwas verbindlich machte; daher s. v. w. Eidschwur, namentlich der Soldateneid. Über die Bedeutung von S. in der christlichen Kirche s. Sakrament.

Sacrarium (lat.), Ort zur Aufbewahrung von Heiligtümern, somit Heiligtum, Kapelle überhaupt.

Sacratio capitis (lat.), Strafart, welche aus der Urzeit des römischen Staatswesens stammte und ihren Namen von der alten Gesetzesformel: "Sacer esto" erhalten hatte. Mit dieser Formel ward nämlich der Verbrecher als ein der Gottheit Verfallener oder Verfluchter für vogelfrei erklärt, so daß er von jedem ungestraft getötet werden durfte.

Sacré-coeur (franz., spr. -kör), s. Heiliges Herz Jesu.

Sacrificati (lat.), s. Lapsi.

Sacrificium (lat.), das Opfer; in der kathol. Kirchensprache das Hochamt; daher Sacrificii examinatio, das Gottesurteil durch die geweihte Hostie.

Sacrifizio dell' intelletto (ital.), "das Opfer des Verstandes", seit der Unterwerfung der katholischen Bischöfe unter das auf dem vatikanischen Konzil proklamierte päpstliche Unfehlbarkeitsdogma sprichwörtlich gebraucht für jemand, der seine eigne Überzeugung einem höhern Machtspruch unterordnet.

Sacrista (lat.), Kirchner, Küster, Mesner.

Sacristitium (lat.), Einstellung aller gottesdienstlichen Handlungen, z. B. beim Interdikt.

Sacro Monte, Berg bei Varallo in der ital. Provinz Novara, westlich vom Ortasee, mit 46 Kapellen, in welchen das Leben Jesu in lebensgroßen Statuengruppen und in Wandfresken (von Gaudenzio Ferrari u. a.) dargestellt ist, und einer Wallfahrtskirche.

Sacrosanctus (lat.), unverletzlich, was bei schwerer Strafe nicht verletzt werden durfte, eine Eigenschaft, welche im alten Rom gewissen Magistratspersonen, namentlich den Volkstribunen, zukam.

Sacy (spr. ssassi), 1) Antoine Isaac Silvestre, Baron de, berühmter Orientalist, geb. 21. Sept. 1758 zu Paris, ward 1781 Rat beim Münzhof und 1785 als Mitglied in die Akademie der Inschriften aufgenommen. Noch in demselben Jahr kam er in das Komitee, welches die Akademie ernannte, um die wichtigsten noch unedierten handschriftlichen Werke in der königlichen Bibliothek auszugsweise zu veröffentlichen und zu analysieren, und es ist kaum ein Band der sogen. "Notices et extraits" vorhanden, zu dem S. nicht die wertvollsten Beiträge geliefert hätte. Während der Schreckenszeit lebte er in Zurückgezogenheit seinen Studien. Bei der Errichtung des Instituts ward er zum Mitglied desselben erwählt und 1806 zum Professor der persischen Sprache am Collège de France und Mitglied des Gesetzgebenden Körpers ernannt, in welchem er indes erst seit 1814, wo er für Napoleons Absetzung stimmte, lebhaftern Anteil an den Verhandlungen nahm. Nach der ersten Restauration ward er Zensor, darauf auch Mitglied der Kommission für den öffentlichen Unterricht, 1831 Konservator der Manuskripte an der königlichen Bibliothek und im folgenden Jahr Mitglied der Pairskammer. Dabei entfaltete er eine höchst bedeutende Lehrthätigkeit, durch die er Paris mehrere Dezennien hindurch zu dem Mittelpunkt der orientalischen Studien in Europa machte; auch die meisten deutschen Arabisten der ältern Generation sind Schüler de Sacys gewesen. Er starb 21. Febr. 1838. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Grammaire arabe" (Par. 1810, 2 Bde.; 2. Aufl. 1831), die Frucht 15jähriger Arbeit; "Chrestomathie arabe" (das. 1806, 3 Bde.; 2. Aufl. 1826) nebst einer "Anthologie grammaticale arabe" (das. 1829), beide noch jetzt für das Studium des Arabischen unentbehrlich; "Mémoires sur diverses antiquités de la Perse" (das. 1793, Supplemente 1797), erweitert durch das 1815 von ihm publizierte "Mémoire sur les monuments de Kirmanshah ou Bisutun", "Principes de la grammaire générale" (das. 1799, 8. Aufl. 1852); die Übersetzung von Abd ul Latifs "Relation de l'Égypte" (das. 1810), mit schätzbaren Anmerkungen; eine Ausgabe des arabischen Buches "Calila et Dimna" (die Fabeln des Bidpai), zusammen mit der "Moallakah" des Lebid (nebst französischer Übersetzung und kritischen Noten, das. 1816); "Mémoires d'histoire et de littérature orientales" (das. 1818); die mit französischer Übersetzung begleitete Ausgabe des persischen "Pendnâmeh" von Ferid eddin Attar (das. 1819); eine Ausgabe der "Makâmât" des Hariri (2. Aufl., das. 1847) und der "Exposé de la religion des Druses" (das. 1838, 2 Bde.). Etwa 400 Aufsätze, Rezensionen etc. von ihm finden sich in verschiedenen Fachzeitschriften. Sehr wertvoll ist der Katalog seiner in Hinsicht auf orientalische Litteratur ausgezeichneten Bibliothek (Par. 1842-44). S. war auch einer der Hauptbegründer der Asiatischen Gesellschaft zu Paris und ihr erster Präsident. "Mélanges de la littérature orientale" (mit "Éloge" vom Herzog von Broglie) erschienen 1861. Vgl. Reinaud, Notice historique et littéraire sur M. le baron Silvestre de S. (1838).

2) Samuel Ustazade Silvestre de, franz. Journalist, Sohn des vorigen, geb. 17. Okt. 1801 zu Paris, studierte die Rechte, widmete sich dann aber ausschließlich litterarischen Studien und gehörte seit 1828 zu den thätigsten und bedeutendsten Mitarbeitern des "Journal des Débats". Von jeher auf die Hebung des öffentlichen Unterrichts hinarbeitend und namentlich der Unabhängigkeit der Volksbildung von dem Einfluß der Geistlichkeit das Wort redend, übrigens vermöge einer Überlieferung seiner Familie jansenistischen Ideen huldigend, wurde er 1864 in das Konseil für öffentlichen Unterricht berufen, wo er den Bestrebungen des Ministers Duruy wirksamen Vorschub leistete, und 1865 zum Senator ernannt. Eine Auswahl seiner publizistischen Arbeiten, in denen er sich als einen der vorzüglichsten Prosaisten Frankreichs bekundet, gab er unter dem Titel: "Variétés littéraires, morales et historiques" (2. Aufl. 1861, 2 Bde.) heraus. Mit Gautier, Thierry und Féval beteiligte er sich bei Gelegenheit der Pariser Ausstellung an dem "Rapport sur l'état des lettres et des sciences" (1868). Seit 1855 Mitglied der Akademie, seit 1869 Kommandeur der Ehrenlegion, starb er 14. Febr. 1879 in Paris.

Sa da Bandeira (spr. bangde-ira), Bernardo de Sa Nogueira, Marquis de, portug. Staatsmann, geb. 26. Sept. 1795 zu Santarem, studierte in Coimbra und Paris, schloß sich der Revolution von 1820 an und verteidigte 1823 die Konstitution gegen die Konterrevolution, weshalb er nach deren Sieg verbannt wurde. Nach Verleihung der Charte durch Dom Pedro zurückgekehrt, diente er unter Saldanha und ward zweimal, 1832-33 und 1835-36, Marine-^[folgende Seite]