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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Saint-Didier la Séauve; Saint-Dié; Saint-Dizier; Sainte-Aulaire; Sainte-Barbe; Sainte-Baume; Sainte-Beuve

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Saint-Didier la Séauve - Sainte-Beuve.

der französischen Könige seit der Merowingerzeit), welche unter der Herrschaft des kunstliebenden Abtes Suger erbaut wurde (1144 eingeweiht) und trotz späterer Umgestaltung als ein prachtvolles frühgotisches Baudenkmal anzusehen ist. Seit 1869 wurde die Kirche durch Viollet le Duc glänzend restauriert. Unter den Königsgräbern der Kirche sind als Kunstwerke bemerkenswert: die Denkmäler Dagoberts I., Ludwigs XII. und seiner Gemahlin Anna von Bretagne, Franz' I. und seiner Gemahlin Claudia, Heinrichs II. und seiner Gemahlin Katharina von Medici. Man zählte im ganzen bei Beginn der Revolution 25 Könige von Frankreich, 10 Königinnen, 84 Prinzen und Prinzessinnen, die hier begraben lagen. Andre bemerkenswerte Bauwerke sind: die neue gotische, 1864-67 von Viollet le Duc erbaute Pfarrkirche und die ehemalige Abtei (jetzt Mädchenerziehungsanstalt der Ehrenlegion). Zwei Hängebrücken setzen die Stadt mit dem linken Ufer der Seine und mit dem Ort L'Ile S. in Verbindung. S. zählt (1886) 45,304 (Gemeinde 48,009) Einw., welche Stoffdruckerei, Bleicherei und Wollspinnerei, Fabrikation von Weißblech, Maschinen, chemischen Produkten, Obst- und Gemüsebau, Handel mit Mehl, Wein etc. betreiben. - S. hat seinen Namen von dem heil. Dionysius (Denis), der 273 auf dem Montmartre bei Paris enthauptet wurde und in Catuliacum (dem heutigen S.) in einer Kapelle bestattet ward. Dort ließ König Dagobert I. 630 eine Kirche bauen, welche unter Ludwig VII. umgebaut wurde, und gründete die Abtei, welche durch Schenkungen bald so blühend und reich wurde, daß mehrere Könige von Frankreich sich Äbte von S. nannten. Seit Ludwig dem Heiligen blieb die Kirche die Grabstätte der Herrscher von Frankreich. Die Blüte von S. erhielt sich trotz wiederholter Plünderungen bis zum Ende des 18. Jahrh., aber die Revolution brachte der Kirche völlige Verwüstung; auf Befehl des Konvents wurden 1793 die Gebeine der Könige herausgerissen und in eine Kalkgrube geworfen. Schon Napoleon I. und noch mehr die Bourbonen ließen sich die Restauration angelegen sein. Seit 1840 ist S. in die Pariser Festungswerke hineingezogen und von mehreren Forts umgeben worden. 1871 (21.-26. Jan.) wurde es von den deutschen Belagerungsbatterien bombardiert. Vgl. Madame d'Ayzac, Histoire de l'abbaye de S. (Par. 1861, 2 Bde.); d'Heilly, Les tombes royales de S. (das. 1872). - 2) Ehedem reiche, 1081 gegründete Benediktinerabtei in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Soignies, jetzt Dorf mit großer Baumwollspinnerei und (1887) 865 Einw. Hier 14. Aug. 1678 Schlacht zwischen den Franzosen unter dem Marschall von Luxembourg und den Holländern unter Oranien, in der die letztern Sieger blieben. - 3) Hauptstadt der franz. Insel Réunion, im Indischen Ozean, auf der Nordseite an der Rivière de S., mit (1885) 33,233 Einw., meist französische Kreolen, dann Inder, Kaffern, Chinesen, Mulatten. Die rechtwinkelig angelegten Straßen haben niedrige, von Gärten umgebene Gebäude, darunter ein Militärhospital, Kaserne, Stadthaus, Bank, Museum mit großem botanischen Garten, Theater, zahlreiche Schulen, darunter ein 1819 gegründetes Lyceum. Das rege geistige Leben der Bewohner macht sich in mehreren wissenschaftlichen Vereinen und einer Anzahl von Tageszeitungen und periodischen Publikationen geltend.

Saint-Didier la Séauve (spr. ssäng-didjeh la sseohw), Stadt im franz. Departement Oberloire, Arrondissement Yssingeaux, mit Fabrikation von Seide, Bändern und Posamentierwaren und (1881) 2240 Einw. Unfern die 1228 gegründete, 1785 umgebaute Benediktinerabtei La Séauve.

Saint-Dié (spr. ssäng-dje), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Vogesen, an der Meurthe und der Eisenbahn Lunéville-S. gelegen, hat eine alte Kathedrale, eine moderne protest. Kirche, ein Rathaus, einen Triumphbogen (1757), schöne Parkanlagen, Mineralquellen und (1886) 12,961 Einw., welche Baumwollspinnerei, Weberei, Wirkwaren-, Teppich- u. Papierfabrikation, Maschinenbau, Eisengießerei und Dampfsägerei betreiben. S. ist Sitz eines Bischofs, hat ein großes Seminar, ein Collège, eine protestantische Schule und eine Bibliothek von 12,000 Bänden. Das hier befindliche alte Kloster wurde 1625 in ein Stift und 1777 in ein Bistum umgewandelt. Bei S. und dem Dorf Ste.-Marguerite siegten 10. Jan. 1814 die Bayern unter Déroy über die Franzosen unter Héritier und Duchesne.

Saint-Dizier (spr. ssäng-disjeh), Stadt im franz. Departement Obermarne, Arrondissement Vassy, an der Marne, die hier schiffbar wird, und an der Eisenbahnlinie Blesme-Chaumont (mit Abzweigung nach Vassy) gelegen, hat ein Handelsgericht, ein geistliches Kollegium, ein Irrenhaus, Eisenwerke (in der Stadt und Umgegend), Fabrikation von Eisenwaren, Schiffbau, Baumwollspinnerei und -Weberei und (1886) 9084 Einw. - S. hieß im Mittelalter St. Desiderii, weil hier der von den Vandalen erschlagene Bischof Desiderius von Langres begraben worden sein soll, und war als Festung wichtig. 1544 hielt es eine sechswöchentliche Belagerung durch Kaiser Karl V. und König Heinrich VIII. von England aus, bis der Gouverneur infolge eines gefälschten Briefs kapitulierte. Die Festungswerke wurden zerstört, darauf unter König Heinrich II. zwar wiederhergestellt, sind aber jetzt verfallen. Auf der Straße von S. nach Vitry le François fanden 27. Jan. und 26. März 1814 lebhafte Kämpfe statt.

Sainte-Aulaire (spr. ssängt-olähr), Louis Clair Beaupoil, Graf von, franz. Diplomat, geb. 9. April 1778, trat 1811 als Kammerherr in die Dienste Napoleons I., ward 1812 Präfekt des Marnedepartements und 1814 des Departements Obergaronne, legte aber diese Stelle bei Napoleons Rückkehr nieder. Nach der zweiten Restauration in die Deputiertenkammer gewählt, schloß er sich den Doktrinären an. 1818 vom Departement Gard wieder gewählt, trat er als Schwiegersohn des Herzogs Decazes auf die Seite des Ministeriums. 1831 ward er von Ludwig Philipp zum außerordentlichen Gesandten in Rom, 1833 zum Pair ernannt. Hierauf war er Gesandter in Wien und vom Oktober 1840 bis 1848 in London, wurde jedoch durch die Februarrevolution dieses Postens enthoben. Er starb 12. Nov. 1854. Litterarisch machte er sich durch die "Histoire de la Fronde" (Par. 1827, 3 Bde.; 2. Aufl. 1860, 2 Bde.; deutsch, Stuttg. 1827, 3 Bde.) bekannt, derentwegen er auch Mitglied der Akademie wurde.

Sainte-Barbe, Schlacht bei, s. Noisseville.

Sainte-Baume (spr. ssängt-bohm), Bergkette in den franz. Departements Var und Rhônemündungen, bis 1066 m hoch, mit Kalkbrüchen und einer Grotte, die nach der Volkssage einst von der heil. Magdalena bewohnt war, deren Fest alljährlich 22. Juli hier gefeiert wird. Die Kuppe des Bergs oberhalb der Grotte gewährt eine prachtvolle Aussicht.

Sainte-Beuve (spr. ssängt-böw), Charles Augustin, franz. Dichter und berühmter Kritiker, geb. 23. Dez. 1804 zu Boulogne sur Mer, erhielt seine Schulbildung dort und im Collège Charlemagne zu Paris